Monique Saint-Hélier

geboren am 2. September 1895 in La-Chaux-de-Fonds, Schweiz
gestorben am 9. März 1955 in Pacy-sur-Eure

Schweizer Schriftstellerin
(eig. Berthe Briod-Eimann)
50. Todestag am 9. März 2005


Mit 32 Jahren legte Monique Saint-Hélier sich schwer krank zu Bett und stand nie mehr auf. Ihre “rätselhafte” Krankheit erscheint nicht so unerklärlich: Als Kranke brauchte sie sich nicht dem lärmigen, anstrengenden Pariser Leben auszusetzen, konnte sich ganz aufs Schreiben konzentrieren und durfte ihren geliebten Mann als “Bruder, Freund, Kamerad” betrachten. Die körperliche Liebe empfand sie als “Erniedrigung”.

Krankheit, Schmerz und Todesgedanken hatten sie seit ihrer Kindheit begleitet und waren – zusammen mit der (unerfüllten) Liebe und dem manchmal verzweifelten, manchmal spöttischen Gespräch mit Gott – die wichtigsten Themen ihrer Romane. Ihre Bücher sind phantasievolle, poetische Verarbeitungen ihrer Kindheit und Jugend in La-Chaux-de-Fonds, “eine kleine Stadt des [Schweizer] Jura, wo die Kinder mit Skiern an den Füßen geboren werden”. Ihr Debütroman mit dem bezeichnenden Titel Traumkäfig (1932) war ein großer Erfolg. Sie galt als Anwärterin auf den Prix Goncourt und fand vorübergehend Erleichterung von finanziellen Sorgen.

Nachdem sie ihr Literaturstudium abgebrochen hatte, “um zu heiraten”, hatte sie sich und ihren Mann Blaise Briod mühsam als Privatlehrerin und Sekretärin über Wasser gehalten. Mit der Stelle beim Völkerbund in Paris, die Blaise schließlich bekam, wurde die Lage nicht viel besser. Das bescheidene Gehalt war schnell aufgebraucht für Moniques immer häufigere Krankenhaus-Aufenthalte.

Die schlimmste Zeit begann mit dem Einmarsch der Deutschen im Juni 1940. Sie versuchten zu fliehen, mußten nach 13 furchtbaren Tagen aber nach Paris zurückkehren, wo sie bis Kriegsende in Angst, Hunger und Kälte ausharrten. In den folgenden 10 Jahren kämpfte Monique Saint-Hélier dann mit den Verlegern und ihrer Krankheit um die Vollendung ihres großangelegten Romanzyklus Les Alérac (Geschichte einer Schweizer Familie), von dem letztlich “nur” 4 Bände fertiggestellt wurden.

Andrea Schweers

Monique Saint-Hélier in der Deutschen Nationalbibliothek

Brutscher, Eva. 1992. “Denn im Winde wandelt sich das Antlitz der Dinge ohn’ Unterlaß”, Buchkritik zur Neuerscheinung von ‘Traumkäfig’.  Virginia: Frauenbuchkritik.  Nr. 13. Oktober 1992.

Linsmayer, Charles. 1989. Literaturszene Schweiz: 157 Kurzporträts von Rousseau bis Gertrud Leutenegger. Zürich. Unionsverlag.

Saint-Hélier, Monique. 1987 [1934]. Morsches Holz [=Bois-mort]. Aus dem Französischen von R. J. Humm. Frankfurt/M.. Suhrkamp

Saint-Hélier, Monique. 1990 [1932]. Traumkäfig [=La Cage aux rêves]. Übersetzt von Hedi Wyss. Ausführliches biographisches Nachwort von Charles Linsmayer. Frauenfeld. Huber. 

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Hedwig Dohm