Militär

16.01.2012

Über das Urinieren auf Leichen und Frauen

Am Mittwoch wurde auf YouTube ein 39 Sekunden langes Video eingestellt, das zeigt, wie vier US-Marines auf tote Taliban-Kämpfer urinieren. US-Verteidigungsminister Leon Panetta und US-Außenministerin Hillary Clinton haben die abstoßende Tat sofort aufs schärfste verdammt, nachdem feststand, dass das Video keine Fälschung war.

Die Taliban selber reagierten relativ gelassen und wiesen darauf hin, dass US-Streitkräfte ihnen schon viel Schlimmeres angetan hätten. Jedenfalls sollen die laufenden Verhandlungen zwischen den USA und den Taliban nicht abgebrochen werden.

Wenn ich wählen müsste zwischen Getötet- und Bepinkeltwerden, würde ich allemal die Bepinkelung wählen. Trotzdem reagiert alle Welt auf dieses Vergehen so, als sei das Urinieren der eigentliche Skandal und nicht das Töten. Das militärische Denken hat schon seit Urzeiten das moralische Empfinden aus dem Gleichgewicht gebracht; wir haben uns daran gewöhnt. Für die Sanierung des moralischen Empfindens empfiehlt sich die Lektüre des leidenschaftlichen pazifistischen Aufschreis der 85jährigen Hedwig Dohm „Der Missbrauch des Todes“, den sie mitten im ersten Weltkrieg verfasst hat. Auf Amazon können Sie ihn sich hier kostenlos herunterladen.

Die toten Taliban merkten nichts von ihrer Schändung. Was also bezweckten die Marines mit ihrer Tat? Wollten sie ihre Kameraden beeindrucken, wie sehr sie es dem Feind gegeben hatten? Allerdings verblasst die Untat neben dem, was US-Soldaten ihren lebenden Kameradinnen antun.

Das Bepinkeln von Leichen dürfte eine relativ seltene Handlung sein, wohingegen das Urinieren auf lebende Personen weit verbreitet ist. Bei diesen Personen handelt es sich in der Regel um Frauen, Prostituierte, die in dem immer schärfer werdenden Wettbewerb schon mal was Besonderes bieten müssen und sich immer widerlichere Erniedrigungen gefallen lassen müssen. Das Urinieren auf oder in die Frau wird auf dem Bordell-Menü der sexuellen Leistungen als “Natursekt” bezeichnet. Koten heißt „Kaviar“, in Bordellanzeigen abgekürzt als „KV“. Als noch ekelhafter empfinden aber die meisten, dass sie Sperma schlucken sollen - trotz der AIDS-Gefahr heute eine fast schon routinemäßig geforderte selbstverständliche Leistung/Erniedrigung, genannt “FT = französisch total (mit Schlucken).”

Auch US-Soldaten gehen ins Bordell und gönnen sich die geilsten Menüs. Wieder in der Truppe, besorgen sie es den Kameradinnen. Am 4.1.2012 berichtete die taz über die Sexualverbrechen der US-Soldaten an ihren Kameradinnen:

Schätzungen gehen von insgesamt bis zu 19.000 Fällen im Jahr aus. 90 Prozent der Opfer sind Frauen, 69 Prozent sind zwischen 16 und 24 Jahre alt. Sehr wenige Fälle führen zu disziplinarischen Maßnahmen gegen den oder die Täter. Darüber gibt es keine genaue Zahlen, rund 8 Prozent sollen es sein.

Bei 19.000 Fällen wird den Soldatinnen auch jede Menge „Urinsekt“ und „Kaviar“ eingeflößt worden sein, von „GB = Gesichtsbesamung“ nicht zu reden. Wie wär’s also, wenn Leon Panetta mal die Proportionen zurechtrücken und bevorzugt und prompt gegen die Sexualverbrechen seiner Mannen gegen US-Soldatinnen einschreiten würde?

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# | Luise F. Pusch am 16.01.2012 um 06:33 AM • Laut & LuiseMänner!MilitärPermalink

09.10.2011

Die Mutation der Drohne

Drohnen sind männliche Bienen, deren einziger Lebenszweck die Begattung von Bienenköniginnen ist. Sie werden im Bienenstock von den emsigen weiblichen Arbeitsbienen durchgefüttert, bis sie zu ihrem „Hochzeitsflug“ aufbrechen, bei dem sie ihr Leben verlieren, wenn es ihnen gelingt, eine Königin zu „begatten“. Trotz ihrer tragischen Anmutung habe Drohnen einen schlechten Ruf:

Die männlichen Drohnen sind eigentlich für das Bienenvolk zu nichts zu gebrauchen. Sie sind genetisch halbe Portionen, plump gebaut und etwa 13 bis 16 Millimeter lang mit großen Facettenaugen. Drohnen lungern mit ihren großen Augen und Antennen dröge im Bienenstock herum, übernehmen keine Arbeit und lassen sich füttern. Drohnen dienen eigentlich nur zur sexuellen Befriedigung junger und jungfräulicher Königinnen. Bis zu 20 Drohnen begatten eine Königin beim Hochzeitsflug – dann sterben die Drohnen sofort; eigentlich ist das Drohnenleben doch ein kleiner schwarz-gelb gestreifter Männertraum. (Quelle: hier)

Die zweite Bedeutung von „Drohne“ - Nichtstuer und „faule Nesthocker“ - leitet sich ab von dieser abschätzigen Beurteilung des Drohnenlebens.

Nicht geklärt ist, warum die männliche Biene mit dem exklusiv männlichen Lebenszweck ausgerechnet „die“ Drohne heißt - nach männlichem Normalempfinden doch eine ehrenrührige Einordnung. Vermutet wird, dass es einfach eine Angleichung an das Femininum „die Biene“ sei. Die Fachsprache der Imkerei bevorzugt „der Drohn“. Drohne/Drohn ist also ein interessantes Pendant zu der feministischen Erfindung Matrone/Matron.

Die dritte Bedeutung von „Drohne“ ist: unbemannter Flugkörper, der zu Überwachungs- und anderen militärischen Zwecken eingesetzt wird. Militärische Drohnen sind ein rasanter Wachstumsmarkt, die Anzahl der Drohnen und der dafür ausgegebenen Summen wächst seit 9/11 exponentiell.

In Wörterbüchern, die älter als zehn Jahre sind, gibt es die militärische Bedeutung noch nicht. Nur in Online-Wörterbüchern finden sich alle drei Bedeutungen.

Mich interessiert die Frage, wieso die unbemannten Flugkörper, auch UAVs (unmanned aerial vehicles) oder RPVs (remotely piloted vehicles) genannt, nach den männlichen Bienen benannt wurden. Darüber habe ich - außer in Gunhild Simons Blog - nirgends etwas finden können. Sie schreibt:

Drohnen sind im Bienenstaat die einzigen, die keinen Stechapparat haben. Das heißt, sie sind unbewaffnet und wehrlos. Jede Arbeiterin kann sie totstechen.
Drohne klingt deshalb weniger bedrohlich als bewaffneter Roboter für einen unbemannten, bodengesteuerten Waffenträger.
In diesem Zusammenhang ist Drohne ein Euphemismus.
Drohnen heißen die unbemannten Flugkörper offenbar wegen ihrer Objekthaftigkeit, fehlenden Entscheidungsfähigkeit und Fremdgesteuertheit. (Quelle: hier)

Das klingt einleuchtend, aber es gibt noch eine bessere Erklärung: Die ersten Drohnen waren in den 30er Jahren die ferngesteuerten Modellflugzeuge des US-Amerikaners Reginald Denny; er taufte sie „Dennymites“. Sie dienten der Flugabwehr als mobile Ziele zum Training. Ihr Daseinszweck erfüllte sich im Abgeschossenwerden. Außerdem summten sie (engl. to drone) wie Insekten. Was lag also näher, als sie drones zu nennen nach den ebenfalls bei Erfolg todgeweihten männlichen Bienen, den „drones“?

Inzwischen wurde die Drohne mächtig aufgerüstet. Ferngesteuert wird sie weiterhin, z.B. von Nevada aus, während sie in Afghanistan versehentlich Zivilisten oder im Jemen Al-Kaida-Führer tötet. Aus dem alten heroischen Kampf Mann gegen Mann ist also ein ziemlich heimtückisches und für den Angreifer risikoloses Morden geworden. Der Unterschied zu den Massenmorden mit Giftgas im ersten und den Massenmorden mit Bombenteppichen und Atombomben im zweiten Weltkrieg ist der, dass die mit High-Tech-Instrumenten und -Waffen bestückte Drohne ihr Ziel präziser einkreist, ortet, erkennt und trifft. Außerdem kann sie bis zur Unsichtbarkeit miniaturisiert werden.

Kurz, die plumpe, todgeweihte Drohne, der „faule Nesthocker“, ist zum Ungeheuer mutiert, das auf dem besten Weg ist, der Fluch des 21. Jahrhunderts zu werden.
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Zum Weiterlesen: P.W. Singer. 2009. Wired for War: The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century.

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# | Luise F. Pusch am 09.10.2011 um 05:59 PM • Laut & LuiseFlora & FaunaKomische WörterMänner!MilitärPermalink

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Hedwig Dohm