Die Kraft und die Herrlichkeit

img src=“http://vg02.met.vgwort.de/na/725ef1610bac40b2b664e5b3a0ca0e3c” width=“1” height=“1” alt=”“>Nun also soll Hannelore Kraft die Wahlen in NRW für die SPD gewinnen. Ich hoffe, es gelingt ihr. Die Trumpfkarte Frau, obwohl in der Regel von der versammelten Herrlichkeit zu spät aus dem Ärmel gezogen, hat ja schon oft Wunder gewirkt. Nehmen wir z.B. die Olympischen Winterspiele in Vancouver. Weil ich noch in Umzugswirren stecke und mit Hunderten von Bücherkartons jongliere, habe ich diesmal nicht sehr konzentriert hingeschaut, was unsere OlympionikInnen so trieben. Aber abends in den heute- oder ARD-Nachrichten kamen sie doch immer wieder und schließlich immer gewaltiger, die Frauen.

Nur: Es redete niemand über dieses eigentlich alles offizielle Wissen umstürzende Phänomen: das enorme Gefälle zwischen der weiblichen und der männlichen Leistung. Deshalb stelle ich hiermit fest:
Bei der diesjährigen Winter-Olympiade waren die deutschen Frauen viermal besser als die deutschen Männer.

Von Wikipedia erfahre ich: “Deutschland nimmt an den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver mit 153 Athleten, darunter 58 Frauen und 95 Männer, in allen 15 Sportarten teil.”

Und diese doppelt so vielen Männer haben nur etwa halb so viele Medaillen geholt wie die Frauen. Proportional sind die deutschen Athletinnen also, ich wiederhole es gerne, viermal so stark wie die deutschen Athleten.

Über dieses auffällig schwache Abschneiden der Männer - auch das kann nicht oft genug gesagt werden -  wird aber kein Wort verloren. Ich habe in den Quellen, denen ich zugehört oder -geschaut habe (ARD, ZDF, Deutschlandfunk), nichts dazu vernommen, obwohl ich immer ungeduldiger und ungläubiger darauf wartete.

Die logische Konsequenz des männlichen Versagens wäre, demnächst viermal so viele Frauen loszuschicken wie Männer.

Die Platzierung im Medaillenspiegel richtet sich nach der Anzahl der Goldmedaillen. Obwohl die USA derzeit mit insgesamt 36 Medaillen an der Spitze liegen, belegen sie doch im Medaillenspiegel nur den dritten Platz, nach Kanda (Platz 1) und Deutschland (Platz 2), denn sie haben nur 9 Goldmedaillen geholt, die Deutschen dagegen 10 und die KanadierInnen 13, die insgesamt “nur” 25 Medaillen geholt haben.

Goldmedaillen also - sie sind es, die alles entscheiden, ob wir das nun gut finden oder nicht.

Von den 10 deutschen Goldmedaillen stammen acht von Frauen. Mit den zwei Goldmedaillen der Männer läge Deutschland derzeit auf dem 12. Platz.

Dass die Medien weiterhin fest in Männerhand sind, merkt frau u.a. daran, dass die Kraft der Frauen und die Schwäche der Männer nicht benannt, nicht thematisiert, nicht betrommelt wird. Denn das würde unweigerlich zu besseren Bedingungen für Frauen und schlechteren Bedingungen für Männer in der gesamten Sportförderung führen und im Geschäft mit dem Sponsoring und den Werbegeldern.

Um wieder auf Hannelore Kraft zurückzukommen: Ich hoffe, es ergeht ihr nicht wie Andrea Ypsilanti, Hertha Däubler-Gmelin, Rita Süßmuth, Heide Simonis, Heide Pfarr, Ursula Schmidt, Petra Kelly und anderen großen Hoffnungen der Frauen, die gemobbt und/oder gestürzt wurden oder über Kleinigkeiten gestürzt sind, die Männer entweder gar nicht wahrgenommen oder stur ausgesessen hätten, wie Kohl,  Althaus, Möllemann, Rüttgers, Friedman und wie sie alle heißen.

Zweierlei Maß - das konnten wir in dieser Woche wieder deutlich sehen am Verhalten von Margot Käßmann im Vergleich zu männlichen Würdenträgern der katholischen Kirche.

Die Verbrechen katholischer Priester gegen Jugendliche, die ihnen anvertraut waren, stinken zum Himmel, sie sind systemisch. Ich bin jeweils die Hälfte des Jahres in Boston, dort fing es vor rund 10 Jahren an mit der Aufdeckung der Sexualverbrechen der Priester gegen Jugendliche - und hört gar nicht mehr auf. Genau wie in Deutschland wurden auch dort pädophile Priester von ihren Oberen gedeckt, in den Urlaub geschickt und dann an anderer Stelle wieder eingesetzt, wo sie weiter ihren verbrecherischen Neigungen nachgehen konnten und es auch taten. Viele Leben wurden dadurch unheilbar vergiftet, ja zerstört.

Eigentlich müsste der Papst zurücktreten ob der Schandtaten seiner Organisation. Aber er denkt nicht dran. Stattdessen verlangt sein Erzbischof Zollitsch von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, die endlich mal Tacheles geredet hat, eine offizielle Entschuldigung.

Ewig schade ist es um Margot Käßmann, die so viel frischen Wind, Hoffnung und weibliche Kompetenz in die evangelische Kirche gebracht hat. Immerhin hat sie durch ihren Rücktritt dem Papst und seinen Bischöfen und Priestern gezeigt, wie sie auf die Verfehlungen reagieren könnten und sollten. Aber das ist nur ein kleiner Trost angesichts des großen Verlusts, der noch ganz besonders schmerzt, weil vier Tage zuvor Johanna Dohnal im Alter von nur 71 Jahren starb, auf die wir auch noch lange nicht verzichten können - obwohl wir es nun müssen.

Hoffen wir also auf die Kraft. Die Herrlichkeit hat versagt, auf der ganzen Linie.

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# | Luise F. Pusch am 02/28 um 10:47 AM

Frau Pusch, ich liebe Sie!

mo jour  on  02/28  at  11:41 AM

Frau Käßmann hätte nicht zurücktreten müssen - aber wer weiß, wieviel Druck von oben sie bekommen hat.

Viele Grüße

Trip  on  02/28  at  03:39 PM

Liebe Luise!

Trotz Umzug bist Du hier wieder zur Höchstform aufgelaufen - Danke.
Ich gestehe hier ein, dass ich beim Rücktritt von Dr. Käßmann in Tränen ausgebrochen bin. Auf diese Stimme für die Armen, Alten, Ausgegrenzten und Friedenswilligen können wir gar nicht verzichten. Es ist ein ungeheurer Verlust!

Angesichts des Versagens der männlichen “Eliten” möchte ich hier ausnahmsweise einen Beitrag von mir zum Besten geben, der sich mit dem offenkundigsten und derzeit gefährlichsten Totalversager beschäftigt, der auch im hohen Maße Frauen schädigt, die von der aktuellen Sozialstaatsdebatte wieder einmal besonders betroffen sind: Guido Westerwelle. Ich schrieb aus aktuellem Anlass an die ANNE WILL-Redaktion (ebenso dem Auswärtigen Amt zugeschickt):

Koalitionskrach um Hartz IV - Provozieren statt Regieren?

Sehr geehrte Redaktion!

Als Leserin sehr vieler Blogs und Kommentare zu Artikeln im Netz weiß ich: Westerwelle und die FDP haben ihr Ziel bereits erreicht. Eine beispiellose Spaltung geht durchs Land. Die eine Hälfte steigt mit Ressentiments, ja sogar Hass, voll ein, die andere Hälfte fragt sich händeringend, was Westerwelles eigentliche Aufgaben wären und warum er diese in keinster Weise wahrnimmt. Ich finde: Als Vizekanzler für all dies verantwortlich zu sein und Bevölkerungsgruppen aufeinander zu hetzen, dadurch hat er eine Unwürde in die Regierung gebracht, die ihresgleichen sucht. Außerdem ist das Amtsmissbrauch der schlimmsten Art.
Zudem hat er gleichzeitig noch seine Rolle als Außenminister in kürzester Zeit heruntergewirtschaftet - ein Außenminister, der dem eigenen Land unterstellt, zu “sozial” zu sein und “spätrömische Dekadenz” möglich zu machen ... Man stelle sich vor, einer der europäischen Kollegen oder gar Frau Clinton würde so etwas tun - diese Person wäre doch auf dem internationalen Parkett völlig erledigt, da unglaubwürdig als VertreterIn des eigenen Landes. Als frühere Mitarbeiterin in der Auswärtigen Kulturpolitik (im Dienste des Auswärtigen Amtes) kann ich da nur sagen: So etwas wäre unter einem der bisherigen Außenminister undenkbar gewesen, das Amt des Außenministers in dieser Weise zu beschädigen. Deutschland hat jetzt schon durch Herrn Westerwelle einen großen Schaden erlitten. Der Schaden ist in meinen Augen viel größer als der durch eine bloße Provokation, um Ihren Titel der Sendung anzusprechen - das Parkett der Außenpolitik ist nämlich ein sehr sensibles Terrain. Rechtspopulismus wird im Ausland sofort wahrgenommen, glauben Sie mir bitte, ich war selbst mehrere Jahre im europäischen Ausland tätig.
Als Vizekanzler jedoch ist Herr Westerwelle untragbar! 
Ich grüße euch alle und hoffe, dass ihr euch in Blogs, Foren, Leserinnen-Briefen etc. an der Sozialstaatsdebatte beteiligt: Hier wird besonders auf die Schwächsten eingedroschen, die vielen Frauen, die Alleinerzieherinnen sind und Hartz IV beziehen m ü s s e n, die Frauen, die massenhaft in den Niedriglohnsektor abgeschoben werden, gleich welche Bildung und Berufserfahrung sie mitbringen, und die vielen Frauen, die aus Altersgründen Hartz IV beziehen, weil sie ab Ende 40 “zu alt” für den Arbeitsmarkt sind!

Evelyn  on  02/28  at  04:04 PM

ja,  liebe Luise - eine wunderbare und starke glosse, danke! ich möchte mich auch @ Evelyns prima ausführungen zu Guido Westerwelle anschliessen; der in meinen augen mit einer erschreckenden gefühlskälte und borniertheit menschen (betroffen sind hier überwiegend frauen) gegeneinander aufhetzt, die zu den `sozial`schwächsten zählen und wenig zukunft haben.  von der rücksichtlosigkeit der abertausenden steuerhinterzieher (sicherlich die klientel der fdp-befürworter) die mio euro-beträge an der steuer vorbei ins ausland verschaffen, wird somit bewusst abgelenkt.  wenn es stimmt, geht es hier um ca. weit über 4oo mrd. euro.  die soziale kälte und die `schreibtischtäter` nehmen zu.

Zu Margot Käßmann - ich hätte mir auch gewünscht, sie könnte ihre ämter weiterführen . die häme und spott (versteckt oder offen), die eine starke, überzeugende frau als bischöfin in anderen blogs/zeitungsartikeln von männern und so mancher männerpresse erfuhr, zeigen mir wieder einmal die starke abneigung gegenüber erfolgreichen frauen. heute in den himmel gehoben, morgen von der presse zerrissen, ist ein hässlicher, unwürdiger tatbestand, womit manche herren der männerpresse ihre macht ausnutzen , um menschen fertig zu machen.
es war so wichtig, dass sich M. Käßmann im afghanistan-einsatz auch zur tagespolitik äusserte. hier wurden nach fehleinschätzungen und unter waffenGewalt schon hunderte unschuldiger frauen, männer, kinder ermordet. kein entscheidungsträger ist daraufhin zurückgetreten -ein paar leise worte des bedauerns fielen; dafür wurde uns schnell verkündet “mann ist im krieg” ..

auf diese vielen männl. vorbilder und versager der männl. elite aus kirche, politik, bankenwesen, gesellschaft etc. kann ich gut verzichten, auf die hoffnungsträgerin Margot Käßmann leider nicht ... ihr `signal` wird sicherlich bei manchen(u.a. kath.) oberhäuptern abprallen - denn einige werden jetzt froh sein, eine `unbequeme` losgeworden zu sein.
llg Anne

Anne  on  02/28  at  05:52 PM

Dass die deutschen Frauen viermal besser waren als die deutschen Männer, liegt selbstverständlich daran, dass die Männer sich zunehmend der Leistungsgesellschaft verweigern. Gegen diese hat letztes Jahr das Cabaret Voltaire (http://www.cabaretvoltaire.ch), das Geburtshaus des Dada, eindrucksvoll protestiert. Roland Wagner brach seinen inszenierten Weltrekord-Versuch über 50 Meter Crawl in der Mitte der Bahn ab. Die Postdadaisten schrieben hierzu: “Wagner setzte ein künstlerisches Denkmal zu Ehren des kriegerischen neoliberalen Konkurrenzsystems und Leistungswahns.” Vielleicht sind ja diejenigen am stärksten, die sich solchen Systemen entziehen? Natürlich sind dies - entgegen meiner anfänglichen Einlassung - gerade nicht die Männer. Und genau dies könnte das Problem sein.

Oliver Bendel  on  02/28  at  06:16 PM

“bei den männern fehle manchmal der teamgeist, der die frauen besonders auszeichne und zusammenschweisse - mit ein grund weiblicher erfolge - da kommt kein knatsch auf, da gibt es keine schrägen blicke, beschreibt Uwe Müssinggang, bundestrainer d. biathlon-frauen, die situation, als er Martina Beck beibringen musste, warum er die olympiazweite von turin bei diesen winterspielen f.d. wettbewerbe im sprint und der verfolgung nicht nominieren werde. da gibt es keine aufstände gegen die trainer. U. Müssinggangs motto als zukünftiger cheftrainer f. frauen und männer für seinen neuen aufgabenbereich heisst: von den frauen lernen.

durchhaltevermögen, leidenschaft, aber auch leidensfähigkeit, biss und der wille zum sieg zeichnen frauen im leistungssport aus”, sagt Meike Evers. die zweimalige ruder-olympiasiegerin (2oo, 2oo4) aus kiel ist die dt. vertreterin i.d. athletenkommission der weltantidoping-agentur (wada) . in dieser funktion begleitet die antidoping-vertrauensperson des dt. olymp. sportbundes (DOSB) die winterspiele in vancouver. “in wenigen ländern nur”, sagt Evers, “finden frauen ähnliche gute gesellschaftliche rahmenbedingungen und sportliche trainingsmöglichkeiten vor wie in deutschland. auch die gleichberechtigung ist anderswo nicht selbstverständlich, in deutschland werden frauen und männer gleichermassen staatlich gefördert. davon profitiert unser sport (Ulf Tippelt, sportwissenschaftler und leistungssportdirektor des dosb).
auch wenn in deutschland jeder vor dem gesetz gleich ist, werden im berufsleben frauen oft noch benachteiligt. karrieren sind oft männersache. diese wenig motivierende perspektive könnte junge sportlerinnen stärker als ihre männl. kollegen ermutigen, im leistungssport ihre lebenschance zu suchen. das emanzipatorische niveau einer gesellschaft bestimme auch den umfang der unterstützung weibl. sportkarrieren. in traditionellen gesellschaften definieren sich die männer in der regel über ihre arbeit, die frauen über die familie. der zeitpunkt der eheschliessung wie die geburt des ersten kindes lassen hier laufbahnen für frauen im leistungssport kaum zu, zumal eine athletische frau, die sich über den sport selbst verwirkliche , nicht in die traditionelle rollentypologie passe. männliche olympiateilnehmer kommen aus allen ländern der welt, weibliche sind dagegen oft die vorzeigefrauen einer nicht oder nur in ansätzen existierenden femininen sportbewegung (M. Friederici, sportsoziologe)(quelle: internet)

ich glaube auch die kanadischen sportlerinnen haben in vancouver mehr medaillen geholt als ihre männl. sportkollegen.

aber skispringen bleibt immer noch eine männerdomäne. frauen durften auch in vancouver nicht von den schanzen springen. eine richterin in vancouver nennt den ausschluss der frauen eine diskriminierung. deshalb protestierten die `adlerinnen` seit längerer zeit, gleichberechtigt neben den Loitzls, Ammanns und Schmitts dieser welt an olympischen spielen teilnehmen zu können.

Noch in den neunziger jahren verbreitete der generalsekretär des FIS die erkenntnis, die emanzipation habe auf diesem gebiet keine chance, schliesslich zerstöre beim skispringen die wucht des aufsprungs die gebärmutter der frauen (grusel). Helmut Weinbuch vom dt. skiverband fand überdies, die weibliche wirbelsäule sei der belastung bei der landung nicht gewachsen.
irren ist menschlich, vergeben ist göttinlich…

http://www.faz.net/s/Rub987B0DA694D74356A1FA6C5C40084A07/Doc~EC0D6B1B992DC4AD1BD36D1C3603EE21E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Anne  on  03/01  at  01:13 AM

Liebe Luise,

hier eine gute Nachricht! Ich nehme mal an die gestrige Tagesthemen Redaktion hat ihre Glosse gelesen.;) Dort wurde das Thema gestern breit ausgewalzt. Es gab auch einen netten Einspieler dazu in dem explizit die Athletinnen gefeiert wurden. Dieser endete mit einem Eislaufpaar bei dem er nach einem Sprung hinfiel und sie weiterfuhr. Ist doch auch mal was.

Viele Grüße

Christiane

Christiane  on  03/01  at  11:29 AM

Auch in Oesterreich jammern alle von der OeSV Pleite - dabei meinen sie nur, dass kein einzige Schifahrer ein Medaille geholt hat.  Aber die OeSV hat ausgezeichnete Schifahrerinnen, die in Gold, Silber und Bronze glaenzten. Dies wurde kaum kommentiert.
Hier in den USA werden die Medaillen-Spiegel nach Anzahl der Medallien geschrieben.  Also USA zuerst. Gold hat mehr Gewicht nur bei Gleichstand der Medaillenmenge. Natuerlich ist da USA zuerst und Kanada, mit Rekord-Goldmenge nur Dritte. Kleine Oesterreich, dank seiner Frauen, sogar 5. vor Russland!
Der Verlust von Johanna Dohnal ist gross.

Alison  on  03/01  at  10:13 PM

Liebe alle!

Wir sind hier doch rund 9 000 bis 10 000 Frauen (darunter auch ein paar Männer), sehe ich das richtig? Wir werden es vielleicht nicht schaffen, den Papst zu stürzen oder zu erreichen, dass die Medien nur noch die Frauen im Sport ernst nehmen, aber eine stattliche Macht ist diese Zahl allemal.

Und die könnte mal wieder sehr wichtig sein.

Anlässlich des gestrigen Anne-Will-Polittalks erschien heute ein Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG (online). Dieser trägt den Titel “Ein Häschen namens Homburger”. Frau Homburger, FDP, war Gast in der Sendung. Als weiterer weiblicher Gast diskutierte Frau Schwesig, SPD, mit. Diese drei Frauen, Will, Schwesig und Homburger, werden in diesem Artikel auf übelste Weise behandelt, sexistisch bis in die Buchstaben hinein, aber in ihren politischen Positionen überhaupt nicht wahrgenommen. Das Brisante: Dies wurde von einer Frau geschrieben. Ich nehme an, da möchte eine durch Anbiederung auf der Sprossenleiter etwas höher kommen, in der Redaktions-Männer-Welt, und findet sich dabei auch noch witzig, wenn sie über Anne Will ausschüttet, da möchte eine auch “endlich mitschnattern”.

Nun, ich finde das gar nicht witzig. Es ist einfach tiefstes Niveau, wenn ein intensiver und auch harter Diskurs zwischen politischen Gegnerinnen wie Homburger und Schwesig als “Zickenkrieg” verunglimpft wird. Ihr könnt den ganzen sexistischen Verunglimpfungssumpf hier nachlesen:
http://www.sueddeutsche.de/medien/414/504624/text/

Entscheidend ist aber, ob wir alle leidenschaftlich gegen eine solche Journaille protestieren - zum Beispiel telefonisch, bis das Telefon in der Online-Redaktion in Flammen aufgeht, oder per e-Mail - am besten an die Chefredaktion - bis der e-Mail-Empfang zusammenbricht. Hier können wir nur durch Taten etwas erreichen, informieren allein verändert nichts.

Die Forderung: Den Artikel sofort aus dem Netz nehmen!

Was passierte, wenn tatsächlich alle rebellierten? Wir würden siegen, denn Tausende und Abertausende von Proteststimmen stören und halten den ganzen Betrieb auf ... Na, dann mal los!

Evelyn

P.S.: Habe heute schon viele wichtige Frauen in ganz Deutschland sowie Verbände etc. informiert, wir bekommen Unterstützung - parteiübergreifend, meinungsübergreifend!

Evelyn  on  03/01  at  11:42 PM

supra @ Evelyn und danke für diese hinweise - ich werde mich auch an dieser aktion beteiligen. schlimm genug, wenn frauen versuchen, die `besseren männer` zu sein - an ihnen geht der feminismus vorbei.

tiefstes niveau lieferte kürzlich ein herr Mittermeier (spassvogel) im morgenmagazin bei seiner buchvorstellung - witzig findet er hier seinen angebl. `humorigen` vorschlag zu dem essverhalten von schwangeren frauen (wenn ich nicht sofort was zu essen kriege, dann töte ich.. )

“wenn ich könig eines landes wäre und krieg führen müsste - ich würde keine männerarmee aufnehmen, sondern tausende schwangere und würde warten bis die hunger kriegen….dann würde ich sagen, drüben bei den feindlichen stellungen da gibt es geiles essen - die hätten keine chance -  schicke ein bataillon schwangere mariners nach afghanistan und ein monat später kannst du den taliban beim spanferkel-grillen zuschauen.”

diese in meinen augen dümmlichste art von witzchen wird auch noch beklatscht - niveaulos wie die sexistischen texte mancher porno-rapper.. sowie der ganze mediale sexistische verunglimpfungssumpf - das ist halt der zeitgeist, der menschen desensibilisiert, und wer da nicht mitmischt, gilt wohl als humorlos. zum k…!

Anne  on  03/02  at  02:00 PM

Vielen Dank, Anne, für den Hinweis zu Mittermeier. Ich werde das verwenden. Ich bin nämlich eine unermüdliche Protestlerin.

Für alle Leserinnen: Reaktion von ANNE WILL MEDIA GMbH - Anne Will freut sich riesig über die Unterstützung, für sie selbst und die weiblichen Gäste. Überlichweise geht immer wieder Kritik, Häme und ähnl. ein. Da ist unsere Aktion etwas besonderes. Macht beim Protest gegen den Artikel “Ein Häschen namens Homburger” alle mit - nur so können wir etwas erreichen. Ich zähl auf euch, zumal es nur wenige Minuten “kostet”

Evelyn

P.S.: Was in Australien geht, den Feministinnen dort sei Dank, geht auch bei uns!
Siehe:http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,681223,00.html

Evelyn  on  03/02  at  04:36 PM

@ Evelyn - schon geschehen! ich hoffe auch, dass viele frauen sich einmischen und gegen sexismus protestieren werde - wie die australischen feministischen bloggerinnen es erfolgreich getan haben. 

männer im duell, frauen im zickenkrieg. männer debattieren, nennen sich kontrahenten oder (politische) gegner ; während frauen häufig als zicken im zickenkrieg abqualifiziert werden. das `mitschnattern` als synonym für debattieren ist ja noch die krönung von abwertung.
die berichterstattung der süddt. zeitung online mischte hier auch früher schon tatkräftig mit: “zickenkrieg im kabinett” von Torsten Denkler, 22.04.09 zwischen den politikerinnen von der Leyen und Zypries (gesetz gegen kinderpornographie)
dagegen geht Birgit Kruse v.d. süddt. de mit den politikern von Guttenberg und Röder anders um: “duell der kronprinzen”, 15.04.09.
aber auch spiegel online hält sich an das abwertende klischee mit “zickenkrieg bei maischberger” v. 7.09.05.
beim googeln wird frau überaus fündig und erlebt, wie häufig und systematisch frauen (zickenkrieg) von der presse herabgewürdigt und lächerlich gemacht werden.

Anne  on  03/02  at  10:19 PM

Luise F. Pusch bemerkt richtig, dass die Verbrechen katholischer Priester gegen Jugendliche systemisch sind. Eine Frage ist, ob man hier betonen sollte, dass möglicherweise mehr Jungen als Mädchen zu den Opfern gehören. Wir sollten es auch betonen, wenn mehr Mädchen als Jungen missbraucht werden - oder getötet, etwa von einem Attentäter. Allerdings kenne ich keine Zahlen - und wäre an solchen interessiert. Luise F. Pusch bemerkt weiterhin, dass eigentlich der Papst zurücktreten müsste “ob der Schandtaten seiner Organisation”. Ich bin der Meinung, dass die Organisation aufgelöst werden sollte. Wenn das Verbrechen systemisch ist, sollte nicht nur ein temporärer Anführer des Systems verschwinden, sondern das System selbst. Es muss auch deshalb verschwinden, weil es ein Fehler im System des Rechtsstaats ist: ein Staat im Staate.

Oliver  on  03/03  at  07:27 PM

Dank für die Glosse, liebe Luise! Die Herr-lichkeit bricht ein. Und nicht nur bei Olympia! Im Uebrigen wäre es - Du bist ja ein Sprach-phäno-feminar - angebracht, die so genannten Pädo-philen als das zu bezeichnen, was sie sind: Kriminelle. Also: Pädokriminelle, wie sie Monika Gerstendörfer zu nennen pflegte. (Auch sie ist letzte Woche verstorben; eine wunderbare Frau, eine der 1000 Frauen, die für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen waren.) Und der Papst hat exakt das auf dem Gewissen, was Du beschreibst: Er hat jahrzehntelang im Vatikan alle Fälle der Pädokriminalität seiner Brüder im Herrn entgegengenommen und es war SEINE AUFGABE, dies zu vertuschen! Im Uebrigen zur Information: Die katholische Kirche hat seit dem Jahr 2000 insgesamt 760 Millionen US-Dollar an aussergerichtlichen Leistungen bezahlt - soweit dies öffentlich bekannt geworden ist. Man kann also getrost von EINER MILLIARDE US-Dollar ausgehen allein in den USA. Frau stelle sich einmal vor, was damit an Frauenhäusern, Mütterhilfe und Nahrung für Kinder hätte beschafft werden können!!

Noch ein Wort @Anne: Dass Frauen einen besseren Teamgeist, mehr Durchhaltewillen, Biss und Kraft haben als Männer, wissen alle, die es wissen wollen. Es sind die schwachen, kleinen Männekens, die Frauen auf diese Art herabsetzen müssen - eben, damit man nicht merkt, wie schwach sie sind. Teamgeist hielt und hält Frauen immer dann zusammen, wenn die Männer wieder einmal grölend in den Krieg ziehen und den Frauen den Rest überlassen. Durchhaltewillen: Das sollten die Deutschen bestens kennen: Wer ist den von Ostpreussen mit Handwagen, Kind und Kegel bis zum Rhein marschiert, mitten im Winter - und hat überlebt samt Brut?! Biss: Wohin flüchten denn die Männer, wenn sie nicht mehr weiter wissen? Zur Frau! (Sie ist abgesehen vom Biss auch um einiges intelligenter…) Und Kraft: Wieviele Männer stemmen die Doppelbelastung von Beruf, Familie und Haushalt über viele Jahre hinweg und das gleich auch noch zu Millionen?

Ich kenne kein Vorurteil über Frauen, das nicht exakt auf Männer zuträfe!
Und die Goldmädels - genauso wie die FussballweltmeisterINNEN - beschämen einfach nur die Grossmäuler.
Dürr

Dürr  on  03/03  at  11:06 PM

es steht fest, dass allgemein zwei drittel   opfer sexueller gewalt mädchen sind, ein drittel jungen. ob dieses zahlenverhältnis auch für all die kirchlichen einrichtungen zutrifft, in denen die tsd.  missbrauchsfälle vorliegen, das wird wohl nicht sein?
in den meisten artikeln/internet über weltweite missbrauchsskandale wird von jungen und mädchen als opfer gesprochen. allein in irland wurden ca. 35.ooo kinder zwischen 1914 und 2ooo in kirchlicher obhut geschlagen, gepeinigt oder vergewaltigt mit duldung der kath. kirche.
“Lt. Mona Lisa/zdf ... stehen i.d. derzeitigen diskussion um die opfer des jesus-kollegs männliche opfer im vordergrund. die kath. kirche unterschätze dabei, wie hoch die zahl der mädchen sei, die opfer von priesterlichen sexuellem missbrauch geworden sind. dabei meldet sich aus
scham nur ein kleiner teil der betroffenen, meist frauen. für betroffene männer ist der schritt sich als opfer zu bekennen meist noch größer. in kanada hat sich ein ehemaliger kath. priester schuldig bekannt, 47 junge mädchen sexuell missbraucht zu haben. der heute 84-jährige gestand vor gericht die taten zwischen 1954-1985. sexueller missbrauch dürfte auch nie verjährt werden.
seit jahrzehnten werden diese verbrechen verschwiegen oder vertuscht - das hat eine lange tradition in der missbrauchsdebatte. der heutige papst Benedict hat zwar eine null-toleranz-politik verfügt, doch noch 2oo1 ermahnte er als präfekt der glaubenskongregation die bischöfe der welt, dass die fälle des missbrauchs der päpstlichen schweigepflicht unterliegen.
sein rücktritt wäre angebracht und ein gutes signal für das verschwinden eines unrechtsSystems mit tradition ...     
http://www.theologe.de/sexuelle_vergehen.htm

Anne  on  03/03  at  11:30 PM

@Oliver: Die Männer haben sich schon immer der Leistung verweigert! Nämlich vor allem der Leistung FÜR das Leben. Sie waren immer sofort bereit, in Kriege und “Entdeckungsreisen” aufzubrechen und sich damit der täglichen Mühle zu entziehen. (Um hinterher die Leistung der Frauen, die mit Kindern und Alten nicht nur sich selber durchgebracht, sondern auch noch die Heere durchgefüttert haben, zu kritisieren.)

Sie haben es allerdings über die männerüblilche Gewaltanwendung in Jahrtausenden fertig gebracht, ihre Nicht-Leistung gesellschaftlich als Leistung darzustellen und die wirkliche Leistung der Frauen als Nicht-Leistung derart zu diffamieren, dass diese als solche gar nicht mehr gesehen wird.
So fehlen in sämtlichen BIP-Rechnungen von Volkswirtschaften die unbezahlten Leistungen in den Ländern. Die Schweiz hat 2004 zum ersten Mal die unbezahlte Arbeit in einem “Satellitenkonto Unbezahlte Arbeit” detailliert aufgenommen. Dabei zeigten sich folgendes Resultate:
1. In der Schweiz werden mehr Stunden unbezahlte Arbeit geleistet als bezahlte. (8 Milliarden Std.)
2. Von diesen unbezahlten Arbeiten leisten die Frauen 2/3 (exakt: 64 %)
3. 85 % der unbezahlten Arbeit bei Frauen ist im Bereich Soziales, also bei Menschen in Familie,Krankenpflege usw., während Männer 90 % dieser Arbeit in Vereinen leisten.
4. Bei den Zeitangaben fand man, dass Frauen in der Regel die Zeiten um 30 % zu wenig angaben, während Männer diese um den etwa gleichen Prozentsatz überschätzten.

Diese Resultate sind selbstverständlich auf keiner Titelseite irgend eines Presseerzeugnisses erschienen und auch in keinen Nachrichten…
(Die Situation dürfte in ganz Europa in etwa ähnlich sein.) Also wie gehabt: Frauen sind nicht der Rede wert, es sei denn, mann kann eine öffentlich hinrichten - wie etwa Frau Kässmann!
Kraft? SelbstHerr-lichkeit - alleweil!
Dürr

Dürr  on  03/04  at  09:19 AM

Mir tun die Millionen Männer leid, die in Kriegen gestorben sind. Manche sind vielleicht mit Begeisterung hineingezogen. Andere hatten nicht besonders grosse Lust, sich ein Bein wegbomben zu lassen oder - wie mein Grossvater - ein Auge zu verlieren. Oder eben auf dem Schlachtfeld oder im Lazarett zu sterben. Auch die hohe Zahl von Militärdienstverweigerern (ein Dienst, der trotz Gleichstellung von Mann und Frau nur von Männern geleistet werden muss) spricht heute für sich.

Frau Kässmann hat so integer gehandelt, wie es viele Männer nicht getan hätten. Trotzdem habe ich Mühe, die Begeisterung verschiedener Feministinnen für sie zu verstehen. Sie ist bzw. war Vertreterin einer menschenverachtenden und speziell auch frauenverachtenden Religion und Kirche.

Oliver  on  03/04  at  11:41 AM

vielen dank an @ Duerr - heute wurde in einer bundesdt. tageszeitung eine durchschnittl. bruttogehaltstabelle pro monat in euro veröffentlicht (ca. 1oo verschiedene berufe), getrennt nach frau/mann -
das ergebnis zeigt deutlich, wie unterschiedlich die gehälter (bis zu 400 euro) zwischen den geschlechtern ausfallen bei gleicher berufl. tätigkeit. beispiel: altenpfleger verdienen mehr als altenpflegerinnen, obwohl dieser beruf überwiegend von frauen ausgeübt wird. die grösste verdienstspanne betrug ca. 800 euro bei jorunalistInnen zugunsten der journalisten. auch hier haben frauen einen schlechteren stand.

mir tun die mio männer auch leid, die sich in den tsd. kriegen von dem hurra-patriotismus der kriegsverherrlicher haben verheizen lassen.
frauen `durften` wie am fliessband kinder für die kriegsmaschinerie gebären - frauen, kinder wurden opfer von kriegs- und nachkriegsgreuel, verloren ihre angehörigen und mussten die hinterlassenschaften der kriegswütigen männer wegräumen. im letzten weltkrieg wurden in deutschland bei/nach kriegsende ca. 1 mio frauen/mädchen von soldaten vergewaltigt. jedeR kann sich ausrechnen, wie hoch die zahl der insgesamt vergewaltigten frauen, mädchen durch soldaten/söhne im letzten weltkrieg ausfiel.   
warum sollten sich frauen für das menschenverachtende system `wehrpflicht` entscheiden, ein ort, an dem sog. männlichkeit konstruiert, sozialisiert und reproduziert wird.
“nie wieder krieg”  wurde nach 1945 verkündet.

für viele menschen ist Margot Käßmann eine hoffnungsträgerin für frieden, gewaltüberwindung, erneuerung und wandel in der ev. kirche “mann und frau sind gleich geschaffen. das ist nicht nur eine kulturelle errungenschaft, das ist eine glaubensüberzeugung, die wir haben. die menschenrechte der frau sind für uns teil unserer glaubensüberzeugung” M.K.
mit grossem engagement setzt sie sich für die schwerpunkte arbeit - frauen, ökumene, geistliche leitung und zukunft der kirche ein - und arbeitet in vielen wichtigen gremien mit , u.a…. der zentralstelle für recht und schutz der kriegsdienstverweigerer(fembio).

wenn es darum geht abzuwägen, wer ein menschenverachtendes system vertritt, möchte ich erinnern an das menschenverachtende system des bankenwesens, das `freiheitsliebende` vertreter auch noch nutzen, verbrecher wie steuerhinterzieher mit wohlwollen hilfestellung zu erteilen.

Anne  on  03/04  at  10:12 PM

Das Wortpaar der Überschrift “Die Kraft und die Herrlichkeit” stammt aus dem Schluss des Vaterunsers, in dem es heißt: “Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.” Amen heißt soviel wie “Genauso ist es”, als Bestätigung des patriarchalen Gottes. Die ev. Kirche vertritt das Vaterunser und das Glaubensbekenntis sowie die 10 Gebote ebenso wie die kath. Kirche. Auch für sie ist die Bibel die Offenbarung eines patriarchalen Gottes, da hilft auch keine sog. gerechte Übersetzung, die leider den Androzentrismus nur verschleiert, und da helfen auch keine Pfarrerinnen, Bischöfinnen und Theologinnen im Ratsvorsitz und wenn sie noch so sozial und friedensbewegt usw. eingestellt sind wie Frau Käßmann. In kath. wie ev. Ländern sind Frauen als Hexen beschuldigt, gefoltert, verurteilt und verbrannt worden. In allen Demokratien musste die Würde und die Gleichberechtigung der Frauen gegen beide Kirchen erkämpft werden. Beide Kirchen entsprechen nicht unserer Verfassung. Wann verlassen endlich ausreichend Frauen die Kirchen? Dann ist es mit deren Herrlichkeit wirklich vorbei.

Gudrun Nositschka  on  03/05  at  12:13 AM

@anne: Danke für die Zahlen! Hast Du den Link? Ich habe ihn nicht gefunden. Die Lohnunterschiede sind eigentlich “logisch”: Uns Frauen fehlt eben das massgebliche Organ zum Denken!
Und nicht nur im Berufsleben: frau kann einfach keine derart verquere Logik von (Un-)Wertekanon, (Un-)Ethik und (Un-)Moral ersinnen, wie wir das in unseren patriarchalen Gesellschaften haben - und das dann trotz hochwissenschaftlicher Männerschar noch nicht einmal merken wollen/dürfen/können. Uns fehlt einfach das Denk-Organ für Sprachverdrehungen wie Pädo-Philie (Philos = Liebe, Zuneigung), “Familiendrama” für Mord an Frau und Kind, “Verteidigung” für Krieg im Ausland, “Schutz des Lebens” für Kondomverbot in AIDS-verseuchten Ländern usw.usf.
Und so lange Frauen Männer wählen wird sich nichts ändern, gar nichts.

Im Uebrigen stimme ich zu: Pädokriminalität darf nicht verjähren! Ein solches Gesetz kann aber “erzwungen” werden: Wir, eine Handvoll Schweizer Frauen, haben seinerzeit anlässlich der Massenvergewaltigungen in Bosnien eine Petitionslawine losgetreten und von der UNO verlangt, dass Vergewaltigungen im Krieg als Kriegsverbrechen aufgenommen werde. (Diese verjähren nicht!) Innerhalb von 18 Monaten trafen bei der UNO 1,5 Millionen Briefe ein! 5 Jahre später wurden Vergewaltigungen im Krieg zu Kriegsverbrechen erklärt und die ersten Verurteilungen sind in Den Haag schon ausgesprochen worden! Wollen wir uns zusammentun?! (... und die Herren Prälaten mal das Fürchten lehren??)
lgDürr

Dürr  on  03/05  at  02:16 AM

@Gudrun Nositschka: Amen kann ich nicht sagen, aber danke, genau so ist es. Keine der monotheistischen Religionen lässt sich geschlechtergerechtifizieren. Man sollte die Religionen so lassen, wie sie sind. Dann werden sie sich irgendwann von selbst erübrigen. Die Kirchen aber müssen sich endlich an rechtsstaatliche Prinzipien halten, und der Rechtsstaat muss sich ihrer entledigen, damit seine Wunden heilen können. Wir haben nicht nur ein System, in dem Missbrauch in grossem Massstab entstehen konnte. Sondern auch ein System, in dem Missbrauch in grossem Massstab verschwiegen wurde. Nicht nur in den Beichtstühlen, sondern an vielen dunklen Orten der Kirchen.

Oliver  on  03/05  at  09:49 AM

@ Dürr
ganz ausgezeichnet die o.a. fraueninitiative - gerne bin ich bei weiteren aktionen dabei!

die zahlen habe ich nicht aus einer “online”-tageszeitung. quellenangabe: hans-böckler-stiftung - hier ein lohnspiegel aus 2oo4. lt. fs-info bekommen weibl. arbeitnehmer in deutschland durchschn.  23,2 % weniger an gehalt als ihre männl. kollegen. der eu-schnitt liegt bei 18 % unterschied, spitzenreiter ist estland mit 3o,3 % lohndifferenz.
lt. info gilt auch für die kirchen `die wichtigsten ämter in deutschlands kirchen besetzen nach wie vor männer, die frauen aber halten den betrieb am laufen (haupt-ehrenamt, diakonie, all die wohlfahrtsverbände etc.,  häufig in teilzeitarbeit)  auch hier werden sie genauso schlecht bezahlt, wie das in anderen berufen ist, wo mit menschen gearbeitet wird (Brunhilde Raiser) “wenn die frauen eine woche streiken würden, würde nichts mehr gehen “(Elfriede Schießleder)
auch dann wäre es vorbei mit der herrlichkeit ! und frauen könnten daran kraftvoll mitwirken…
liebe grüsse Anne

  http://www.lohnspiegel.de/main/zusatzinformationen/berufsanfaenger-innen/bereits-berufsanfaengerinnen-verdienen-weniger-als-ihre-maennlichen-kollegen

Anne  on  03/05  at  03:56 PM

Ich bin dankbar für die verschiedensten Hinweise hier. Zunächst ganz aktuell: Jetzt nimmt sich eine Frau an der Spitze der EU der Lohnungerechtigkeit an - gerade in Bezug auf Deutschland, das keine Verbesserungen zeigt und im europäischen Vergleich sehr lahm daherkommt. Siehe:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,681866,00.html
In einem anderen SPIEGEL online-Artikel steht heute, dass die Kluft zwischen Frauen- und Männerverdiensten noch größer geworden ist. Es lässt sich leider sagen: Wir stehen hier ganz am Anfang des Kampfes! Unterstützung von ganz oben ist dabei aber gut! Die SPD hat in einer gestrigen Bundestagsdebatte wieder um die Gleichstellung gekämpft, davon kein Wort in den Medien - diese Themen gehen immer unter. Vollständiges Verschweigen auf allen Ebenen. Ihr Gesetzesantrag, der zum gesamten Arbeitsbereich (von Top-Frauen im Hinblick auf Quoten für Führungspositionen bis zu den Hartz Iv-Empfängerinnen) Stellung bezieht, ist gut: Käme er durch, würde das unsere rechtliche Stellung im Arbeitsleben erheblich verbessern. Er ist erhältlich im Büro der Frauenpolitischen Sprecherin der SPD, Caren Marks, Tel. 030/227-75843. Ich habe die Debatte nicht gehört, aber ich glaube kaum, dass sich die Regierungsparteien dafür interessieren, denn dies würde die Wirtschaft in die Pflicht nehmen, und zwar ordentlich.
Was die Kirche betrifft, so hilft auch hier wieder nur unser Handeln: Ich konfrontiere die Spitzenstellen der Kirchen in Deutschland mit den ganzen Veröffentlichungen ihrer Dreckshandlungen - es wird von Tag zu Tag schlimmer, was da ans Licht kommt. Eine Protest-e-Mail an Zollitsch oder die Bischofskonferenz zu schreiben, ist so einfach. Hier die e-Mail von Radio Vatikan, wo ich heute den Rücktritt des Papstes gefordert habe: .(Javascript muss aktiviert sein, um diese Mail-Adresse zu sehen) .
Ich kann nur immer wieder dazu aufrufen zu handeln, auch die Männer in unseren Reihen. Es ist unsere Würde als mündige BürgerInnen zu protestieren und zu zeigen - hier sind wir und wir tragen das nicht mit!

Evelyn  on  03/05  at  07:45 PM

@Evely: Genauso muss frau es machen. Ueberall! Denn nichts hassen diese Kerle mehr, als Zoff mit Weibern! Dann geben sie nach - wenn nicht aus Ueberzeugung, so doch damit sie endlich Ruhe haben. Das fängt zu Hause an und ist in der Politik nicht anders! Ich werde auch von der kleinen Schweiz aus rebellen!

Zum Vatikan: Das einzige Mittel, das dort hilft, ist: Geldentzug. Aus der Kirche austreten! Denn wenn ihnen kein Geld mehr zufliesst, hört das Ganze von selbst auf. Allerdings wird Ratzinger sicher nicht zurücktreten wegen ein paar Knaben, denn der hat ja seit 20 Jahren den vollen Durchblick als Vertuschungsmanager des Vatikans, der er war. (Hans Küng)
lgDürr

Dürr  on  03/05  at  08:07 PM

im fernsehen gab es kürzlich eine berichterstattung zum missbrauch i.d. kath. kirche
und die aktionen einer prominenten irischen sängerin, die ebenfalls den rücktritt des papstes fordert/e - hier zur info , u.a. ein video.
dennoch finde ich es wichtig, sich gehör zu verschaffen und auch neben anderen forderungen gegenüber den kirchen lautstark den rücktritt des papstes zu fordern. je mehr kritik geäussert wird, um so mehr bürgerInnen werden dafür sensibilisiert, sich endlich kritisch mit diesem system und mit den verantwortlichen auseinanderzusetzen. ca. 3oo.ooo   kirchenaustritte gab es 2oo8. ich könnte mir vorstellen,  dass infolge der vielen aufgedeckten missbrauchs/verbrechen die zahlen steigen werden?
aber auch einige theologen haben schon 2009 den rücktritt des papstes gefordert wegen der rehabilitierung von vier bischöfen der ultrakonservativen pius-bruderschaft, darunter holocaust-leugner R. Williamson.

http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,lte9jz208cskkmix~cm.asp

Anne  on  03/05  at  11:23 PM

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