Biographien Gunda Niemann-Stirnemann
* 7. September 1966 in Sondershausen (Thüringen)
deutsche Eisschnellläuferin
60. Geburtstag am 7. September 2026
Biografie • Zitate • Weblinks • Literatur & Quellen
Biografie
Vom 8. bis 23. Februar 1992 fanden in Albertville im französischen Département Savoie die XVI. Olympische Winterspiele statt. Für das deutsche Team waren es besondere Winterspiele, denn erstmals seit 1964 trat wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft an. Die deutsche Einheit 1990 hatte das möglich gemacht. Außerdem waren die Winterspiele aus deutscher Sicht überaus erfolgreich, denn erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele errang man Platz Eins in der Medaillenwertung. Einen wesentlichen Beitrag zu dieser Erfolgsbilanz lieferte die damals 25-jährige Eisschnellläuferin Gunda Niemann mit zwei Goldmedaillen über die langen Strecken 3000 m und 5000 m.
In ihrer Kindheit hatte sich Gunda Kleemann (so ihr Geburtsname) zunächst in verschiedenen Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Leichtathletik versucht, ehe sie 1983 zum Eisschnelllauf wechselte. Das Training begann sie beim SC Turbine Erfurt (heute ESC Erfurt). Da war sie bereits 17 Jahre alt. Obwohl Gunda das Schlittschuhlaufen erst lernen musste, stellten sich bald erste Erfolge ein. Ihren ersten internationalen Auftritt hatte sie dann 1987 im Weltcup. Es folgte eine Berufung in das DDR-Olympiaaufgebot für die Winterspiele 1988 im kanadischen Calgary, wo sie in zwei Rennen an den Start ging. Über ihre Lieblingsstrecke von 5000 m unterlief ihr allerdings ein Lauffehler, der zum Sturz führte. Nur Rang sieben, eine Enttäuschung.
Der Rückschlag war aber ein Ansporn und so zählte Kleemann ab der Wintersaison 1988/89 zu den weltweit führenden Eisschnellläuferinnen mit zahlreichen Siegen und Titeln im Weltcup und bei den Welt- und Europameisterschaften.
Am 9. Dezember 1990 stellte Kleemann (nach ihrer Hochzeit 1991 Niemann) über 3000 m mit einer Zeit von 4:10,80 Minuten erstmals einen Weltrekord auf, den sie bis auf eine Unterbrechung bis 2001 innehatte. Der nächste sportliche Höhepunkt waren dann die Olympischen Winterspiele 1992. Für die 3000 m-Strecke hatte das deutsche Team zwei heiße Kandidatinnen: Gunda Niemann und Heike Warnecke, die beide aus der Erfurter Trainingsgruppe kamen.
Am Morgen hatte es in Albertville noch geschneit – ein schlechtes Omen für die Freiluftbahn. Nach den üblichen Vorbereitungen ein letztes In-sich-Gehen. Ihre Klubkameradin Warnecke musste vor ihr an den Start und legte mit 4:22,88 Min. eine Fabelzeit vor, die jetzt zum Maßstab wurde. Von Beginn an lief Niemann voll auf Risiko … doch bloß nicht nach hinten raus zusammenbrechen. Am Ende unterbot sie mit 4:19,90 Min. die Bestzeit um fast drei Sekunden. Die Goldmedaille und auch die Silbermedaille gingen nach Erfurt. Die jahrelange Trainingsschinderei hatte sich gelohnt. Niemanns Sieg hatte auch eine geschichtsträchtige Dimension: Es war die allererste Goldmedaille für das wiedervereinigte Deutschland. Acht Tage später triumphierte Niemann auch über die 5000 m. Heike Warnecke (Silber) und Claudia Pechstein (Bronze) komplettierten den deutschen Dreifach-Erfolg.
Vier Jahre später wollte Gunda Niemann ihren Triumph wiederholen, doch die Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer (Norwegen) wurden für sie zu einer großen Enttäuschung. Als haushohe Favoritin ging sie in das 3000 m-Rennen … doch dann stürzte sie über eine Markierung. Ein Albtraum und Schock. Die Silber- und Bronzemedaille über 5000 m bzw. 1500 m waren da nur ein schwacher Trost. „Auch das gehört eben zu meiner sportlichen Geschichte”, sagte sie rückblickend, „ich habe damals viele Tränen geweint.“ Die Erfurterin ließ sich jedoch nicht unterkriegen. Intensiv bereitete sie sich auf die Olympischen Spiele 1998 im japanischen Nagano vor. Nach der „Schmach“ von Lillehammer war Niemann-Stirnemann (nach der Heirat mit dem Manager Oliver Stirnemann) wieder die „Gold-Gunda“ über 3000 m. Claudia Pechstein und Anni Friesinger machten den deutschen Dreifacherfolg perfekt. Mit zwei Silbermedaillen über 5000 m und 1500 m war es für Niemann-Stirnemann ein äußerst erfolgreicher Olympia-Start.
Eine fünfte Olympiateilnahme 2002 in Salt Lake City wurde durch eine Schwangerschaft verhindert. Nach der Geburt ihrer Tochter kehrte Niemann-Stirnemann noch einmal für zweieinhalb Jahre aufs Eis zurück. 2004 beendete die „Eiskönigin“ ihre sportliche Karriere und hängte nach 17 Jahren an der Weltspitze die Schlittschuhe an den Nagel. Die 1999 als „Eisschnellläuferin des Jahrhunderts“ geehrte Niemann-Stirnemann hatte bei vier Winterspielen drei Olympiasiege geholt, gewann 19 WM- sowie 8 EM-Titel und stellte 19 Weltrekorde auf. Ihre Bestleistung von 98 Weltcupsiegen gilt bis heute als Rekord für die Ewigkeit.
Während ihrer Laufbahn erhielt Niemann-Stirnemann viele Auszeichnungen, so wurde sie dreimal mit dem „Eisoscar“ des Osloer-Skoiteclubs geehrt, der höchsten Auszeichnung, die im internationalen Eisschnelllaufsport vergeben wird. 2019 folgte die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports. Nach einem Fernstudium an der Trainerakademie Köln arbeitete sie als Trainerin am Olympiastützpunkt in Erfurt. Seit September 2020 ist Gunda Niemann-Stirnemann Co-Bundestrainerin der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft.
(Text von 2025)
Verfasserin: Manfred Orlick
Zitate
Erst im September 1983 wurde ich fast zufällig und eigentlich viel zu spät Eisschnellläuferin.
(Gunda Niemann-Stirnemann)
Links
https://de.wikipedia.org/wiki/Gunda_Niemann-Stirnemann/
https://www.hall-of-fame-sport.de/mitglieder/detail/Gunda-Niemann-Stirnemann
Literatur & Quellen
Niemann-Stirnemann, Gunda. 2000. Ich will: Traumkarriere mit Tränen und Triumphen. Berlin. Das Neue Berlin.
Simon, Eva & Jörg Schieke. 2006. Morgens in Mitteldeutschland. Kamprad. Altenburg.
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