Biographien Toni von Langsdorff
geboren am 30. September 1884 in Heidelberg
gestorben am 24. März 1976 in Essen
deutsche Ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe; Pionierin der Frauenbewegung
50. Todestag am 24. März 2026
Biografie • Zitate • Literatur & Quellen
Biografie
Es war ihre gefühlte Verpflichtung, „Dinge nicht verlorengehen zu lassen, die späteren Generationen vielleicht von Wichtigkeit sein könnten“, die Toni von Langsdorff veranlassten, als 91Jährige ihre Bildungsgeschichte zu publizieren. Ihr Leben ist insofern repräsentativ, als sie ständig von finsterster Frauenfeindlichkeit und ungezügelter patriarchaler Selbstherrlichkeit behindert wurde.
Allerdings provozierte diese schwarze Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (und weit darüber hinaus) den leuchtenden Widerstand ungehorsamer, nicht berechenbarer Frauen. Deren Rebellion gegen die herrschenden Regeln des Patriarchats spricht vom nicht zu zersetzenden Willen, vom unerschütterlichen Selbstbewusstsein, aber auch von der Sehnsucht derjenigen, die nicht bereit waren,ihren Traum aufzugeben.
Toni von Langsdorffs Traum war es, Ärztin zu werden, und sie schaffte es als eine der ersten in Deutschland. Es gehörte ein heute nicht hoch genug einzuschätzender Mut dazu, gegen die frauenfeindlichen Gesetze, die den Männern leichte Hand gewährten, zu Felde zu ziehen. Für Toni von Langsdorff und ihresgleichen waren Frauen bereit, auf die Straße, ins Gefängnis zu gehen – und, aufs Ganze gehend, ihr Leben zu riskieren. Erinnert sei allein an die Frauenrechtlerin Emily Davison (1872–1913), die 1913 in einem Akt der Verzweiflung auf die Rennstrecke des Epsom Derbys lief, um auf das Unrecht aufmerksam zu machen. Sie geriet unter das Pferd des Königs, vier Tage später erlag sie ihren Verletzungen. Toni von Langsdorff kam in ihrem Kampf um das Recht, einen Beruf auszuüben, nicht nur mit dem Leben davon, sondern wurde eine erfolgreiche, für sie Sache der Frauen berufspolitisch engagierte und hoch geehrte Gynäkologin.
Früh stand für Toni von Langsdorff fest, dass „ich allen Konventionen zum Trotz einen Beruf, der mich unabhängig machen würde, ergreifen musste“. Als seltenes Glück hatte sie dabei die Rückendeckung ihrer Eltern, besonders ihrer Mutter, der Leitfigur ihrer Kindheit und Jugend. Toni war die älteste von vier Töchtern, der Vater war Oberstleutnant, wurde mehrfach versetzt, wodurch die Familie immer wieder den Wohnort wechselte. Für die Mädchen zog dies häufigen Schulwechsel und wenig Gelegenheiten nach sich, einen festen FreundInnenkreis aufzubauen. Ihren Wagemut, sich für ein Studium zu entscheiden, noch dazu ein Medizinstudium, führt Toni von Langsdorff u.a. auf ihre Vorfahren zurück, zu denen Wissenschaftler, Theologen, Juristen gehörten, ganz besonders ein Naturwissenschaftler, der sich an großen Forschungsreisen beteiligt hatte – so lässt sich ihre eigene Biografie durchaus als eine Forschungsexpedition durch das Buschwerk einer erzkonservativen Gesellschaftsordnung begreifen.
Die Mutter war seit der Geburt des dritten Kindes leidend. „Aber sie war eine Frau von außergewöhnlicher Willensstärke und Selbstdisziplin, die sehr gebildet war, sehr viel gelesen hatte in der Zeit ihrer Bettlägerigkeit und neuen Ideen sehr aufgeschlossen war.“ Durch die Mutter habe sie wohl zum ersten Mal von der Möglichkeit einer neuen Frauenbildung und sogar eines Studiums gehört. Die Gedankenfreiheit von Frauenrechtlerinnen wie Helene Lange, Gertrud Bäumer und Franziska Tiburtius, die sich u.a. für das Frauenstudium einsetzten, kamen ihrem „unbändigen Unabhängigkeitsdrang“ entgegen. „Der Gedanke, nur auf einen Mann warten zu müssen oder als ‚alte Jungfer‘ ohne eine selbständige Arbeit mein Leben führen zu müssen, war mir unerträglich.“
Toni von Langsdorffs Kindheit und Jugend war nicht nur vom chronischen Leiden der Mutter überschattet, sondern auch von der schweren Krankheit ihrer jüngeren Schwester Hertha (1891 – 1981). Hertha hatte sich im Alter von sechs Jahren mit Tuberkulose angesteckt, war jahrelang ans Bett gefesselt und hatte mehrere Operationen überstehen müssen. Die Tuberkulose heilte aus, allerdings blieben schwere Behinderungen zurück. Auch Hertha wurde Ärztin, praktizierte viel später als Kinderärztin, von 1926 bis 1937 sogar in gemeinsamer Praxis mit ihrer älteren Schwester Toni.
Diese führte den Berufswunsch, Ärztin zu werden, auf die beständige Gegenwart von Leid und Schmerz in ihrer Familie zurück, wo der Arzt als Helfer und Heiler immer präsent war und so zu ihrem Vorbild wurde.
Das große ABER auf dem Weg zur Erfüllung ihres Traums lautete jedoch: Frauen galten als ungeeignet für das Medizinstudium und erst recht für die Ausübung ärztlicher Tätigkeit. Zahlreiche Gründe wurden dafür angeführt, an erster Stelle die tradierte Aufgabenverteilung zwischen Frau und Mann. Von noch stärkerem Gewicht aber waren Vorurteile wie die Gefährdung der Sittlichkeit studierender Frauen durch die „genierliche“ Körperlichkeit der Medizin ganz allgemein. Schlagend aber war die „wissenschaftliche“ Argumentation von der sogenannten anatomisch und physiologisch erwiesenen Minderwertigkeit der Frau: Untersuchungen des Münchener Professors für Anatomie und Physiologie Theodor von Bischoff (1807 – 1882) hatten ergeben, dass das Gehirn von Frauen durchschnittlich 134 g weniger wog als das von Männern, was den minder hohen Entwicklungsstand von Frauen für Bischoff einleuchtend bewies. Seine Schlussfolgerung, dass daher die Frau in allen Belangen dem Kind näherstünde als dem Mann, fand große Beachtung nicht nur beim Fachpublikum. Wie irre und irrig es ist, vom Hirngewicht auf intellektuelle Fähigkeiten zu schließen, ist längst nachgewiesen, nicht zuletzt dank Hedwig Dohm durch ihren spöttischen Hinweis auf das enorme Gewicht des Elefantengehirns. Mehr als die Wissenschaft aber war es der fundamentale gesellschaftliche Wandel im 20. Jahrhundert, der den Frauen den Weg ebnete zur sozialen, politischen und gesellschaftlichen Emanzipation - ein Weg, der allerdings längst noch nicht sein Ziel erreicht hat.
Toni von Langsdorffs Studienwahl wurde von der Mutter deutlich unterstützt; die Zusage des Vaters bedeutete ihr fast noch mehr. Sie wusste, dass er in seinem militärischen Umfeld Spott und Unverständnis begegnen würde für seine aufmüpfige Tochter.
Für Toni von Langsdorff selbst taten sich schon hohe Barrieren auf, längst bevor sie an eine Zulassung zur Universität denken konnte. Sie brauchte den Abiturabschluss, aber Gymnasien nahmen keine Mädchen auf. Es war ein glücklicher Zufall, dass sich in Köln, wo die Familie gerade wohnte, ein Kreis von Frauen gebildet hatte, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Mädchen, die das Abitur anstrebten, mit allen - auch finanziellen - Mitteln zu unterstützen. Die Hindernisse schildert Toni von Langsdorff in ihren Erinnerungen: „...mit unendlicher Mühe wurden einige Gymnasiallehrer gewonnen, die sich bereit erklärten, uns zu unterrichten. Die meisten hielten es für unter ihrer Würde, Mädchen ‚mit ihrem inferioren Intellekt‘ Dinge beizubringen – wie Griechisch, Latein, Mathematik -, die dem ‚überlegenen männlichen Geist‘ vorbehalten waren.“ Weitaus feindseliger noch verhielt sich der Direktor der Höheren Töchterschule in Köln, wo Toni zusätzlich als Hospitantin Kurse besuchte. Er hielt sie für ein „beleidigendes revolutionäres Element“ und erklärte ihrer Mutter unter Zuhilfenahme der Bibel, “wenn dich ein Auge ärgert, so reiße es aus“!
Zur Abiturprüfung mussten Mädchen damals als „Externe“ in einer anderen Stadt von fremden Lehrern geprüft werden. „Dass uns das angetan worden ist, sie uns zur Prüfung hierher zu schicken“, lautete der Empfang am renommierten Kaiser-Karl-Gymnasium in Aachen. Die Folge dieser Herabwürdigung war eine so mangelhafte schriftliche Prüfung Toni von Langsdorffs, dass es der Intervention ihres bisherigen Lehrers bedurfte, sie zur mündlichen Prüfung zuzulassen. Nach bestandenem Abitur schrieb Toni von Langsdorff sich als Gasthörerin im Fach Medizin an der Universität Bonn ein – eine Immatrikulation war Frauen noch nicht erlaubt. Seit 1896 bestand in Preußen immerhin die Möglichkeit, sich als Gasthörerin einzutragen. Es bedeutete allerdings, sich von jedem Dozenten die Erlaubnis erbitten zu müssen, seine Vorlesungen besuchen zu dürfen. Viele Frauen beschritten diesen Umweg, um dann über Sondergenehmigungen der jeweiligen Universität doch noch zum Ziel zu kommen.
Im europäischen Vergleich zeichneten sich damals die einzelnen Staaten des Deutschen Reiches durch besondere Rückständigkeit aus – waren Frauen doch in den meisten europäischen Ländern schon im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Medizinstudium zugelassen: in Frankreich seit 1863, in der Schweiz (Zürich) seit 1864, in Russland (St. Petersburg) seit 1872, in Italien seit 1876. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts war an mehreren Colleges der USA ein Medizinstudium für Frauen selbstverständlich. Im Deutschen Reich sollte es bis 1899 dauern, bis Frauen das medizinische Staatsexamen und damit die ärztliche Approbation ermöglicht wurde.
Nach kurzer Zeit wechselte von Langsdorff von Bonn an die Universität Heidelberg, zum einen, um den Nachstellungen ihres Anatomieprofessors zu entgehen, zum andern immatrikulierten die süddeutschen Staaten nach dem Züricher Vorbild bereits Frauen, die damit dieselben Rechte genossen wie ihre männlichen Kollegen.
1908 wechselte von Langsdorff an die Universität Marburg/Lahn, weil nun auch Preußen die Immatrikulation für Frauen ermöglichte. Sie legte zwar dort noch ihr Physikum ab, sah sich aber derselben Geringschätzung wie früher ausgesetzt: eine Klausel im Erlass erlaubte frauenfeindlichen Dozenten weiterhin, die Zulassung von Studentinnen zu ihren Vorlesungen zu verweigern. Einmal wurde Toni von Langsdorff sogar von der Sittenpolizei aufgesucht, die wohl aufgrund einer Denunziation auf ihrer „Bude“ erschien, wegen ihrer glaubhaften Verblüffung jedoch bald wieder abzog.
Sie kehrte nach Heidelberg zurück, wo sie sich „Erleichterung von der bedrückenden Atmosphäre“ erhoffte und schließlich einen Kreis von befreundeten KommilitonInnen aufbaute. Zum ersten Mal fühlte sie sich geschützt vor Angriffen und der Isolation als Außenseiterin der medizinischen Fakultät. Eine Facharbeit, mit der sie sich an einer Preisausschreibung der Fakultät für Innere Medizin beteiligte, wurde lobend erwähnt, verschwand aber unter mysteriösen, nie geklärten Umständen…Auf Nachfragen sagte man ihr, die Arbeit sei bei einem Umbau verbrannt. Für sie war mit dieser Arbeit die Grundlage für ihre Doktorarbeit verschwunden, eine Abschrift hatte sie nicht angefertigt.
In der Gestalt des Leiters der Augenklinik traf sie erneut einen „wilden Gegner des Frauenstudiums“, der sie „so unerhört behandelte, dass man mir den Rat gab, mich beim Ministerium zu beschweren“. Sie aber konnte sich „einer solchen Marter nicht mehr unterziehen“.
1910 schloss Toni von Langsdorff ihr Studium mit dem Doktorexamen ab. Ihre 1911 erschienene Dissertation trug den Titel “Über das Verhalten der Erythrocytenzahlen und der Blutviskosität nach Bluttransfusion. Ein Beitrag zur Frage nach der Möglichkeit einer experimentellen Plethora“. Dann begann die mühselige Suche nach einer einjährigen Stelle als „Medizinalpraktikantin“ zur Erlangung der 1911 erfolgten Approbation – ihre Bewerbungen wurden stets abgelehnt. Weibliche Kräfte wollte niemand einstellen –trotz des „ungeheuren geistigen Gesinnungswandels“ des neuen Jahrhunderts, den von Langsdorff auch in der Ärzteschaft zu verspüren meinte.
Schließlich wurde sie in einem kleinen Belegkrankenhaus mit einer so geringen Fortbildungsmöglichkeit angestellt, dass ihr wohlgesonnener Doktorvater ihr schließlich eine Stelle an den Städtischen Krankenanstalten in Essen (heute Universitätsklinikum Essen) vermittelte. „Damit begann ein schwerer aber immerhin normaler beruflicher Lebenslauf. Was es aber an Einsatz von seelischer und körperlicher Kraft bedeutet hatte, bis zu diesem Punkt zu gelangen, davon kann sich die kühnste Phantasie der heutigen Generation keine Vorstellung machen.“
Von etwa 1912 – 1913 arbeitete sie als Assistenzärztin an der Inneren Klinik in Essen, danach in gleicher Funktion an der neugegründeten Frauenklinik.
Während des 1. Weltkrieges vertrat sie den Chefarzt, sie galt als gute Chirurgin.
1919 ließ sie sich nach siebenjähriger Ausbildung als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Essen nieder. Noch einmal musste sie eine große berufliche Enttäuschung verkraften: nachdem an einem anderen Krankenhaus der Gynäkologe verstorben war, empfahl ihr vorheriger Chef ihr, sich auf die freigewordene Stelle zu bewerben. Aufgrund ihrer Qualifikation und der ausgezeichneten Referenzen ihres ehemaligen Chefs stimmte das Kuratorium des Krankenhauses ihrer Bewerbung zu. Der leitende Chirurg aber erklärte, man könne ihm „nicht zumuten, auf gleicher Ebene mit einer Frau zu arbeiten“ und stellte die Alternative: er oder sie. Es ist klar, wie die Entscheidung ausfiel – was bekanntermaßen bis heute immer wieder der Fall ist.
Beredtes Zeugnis legt die Tatsache ab, dass es bis zum Jahr 2000 dauerte, bis Dr. med. Marion Kiechle als bisher erste Frau auf einen Lehrstuhl für Gynäkologie und Geburtshilfe berufen wurde und als Direktorin der Frauenklinik des „Klinikums rechts der Isar“ tätig ist. Zitiert sei Dr. Thomas Gerst, Deutsches Ärzteblatt 1-2 2000:
Vorausgegangen waren allerdings monatelange Auseinandersetzungen um die von der Berufungskommission der Fakultät aufgestellte Kandidatenliste, auf der Kiechle trotz gleichwertiger Qualifikation lediglich Rang zwei hinter einem männlichen Mitbewerber einnahm. Gleiches Schicksal ist schon so mancher Wissenschaftlerin widerfahren, ohne dass eine glückliche Fügung dazu führte, dass ein Kultusminister seine politische Entscheidungsbefugnis gegenüber einem Universitätsgremium in Anspruch nahm. Im Vorfeld der Entscheidung hatte neben anderen Organisationen auch der Deutsche Ärztinnenbund für politischen Druck gesorgt. Dessen Präsidentin Dr. med. Astrid Bühren wies in einem Schreiben an Zehetmair darauf hin, dass die Entscheidung für eine Frau auf dem Lehrstuhl auch aus Sicht der Patientinnen überfällig sei.
1928 und 1929 war Toni von Langsdorff als Bahnärztin der Deutschen Reichsbahn tätig, ihre Praxis führte sie erfolgreich bis zu ihrem 80. Lebensjahr.
Es waren die erlittenen Kämpfe und Erfahrungen ihres eigenen Bildungsweges, die sie dazu führten, sich bis zum Ende ihrer Tätigkeit berufspolitisch für die Sache der Frauen einzusetzen. Sie zählte zu den Wegbereiterinnen des Deutschen Ärztinnenbundes. Mit ihr waren die Ärztinnen Hermine Heusler-Edenhuizen (1872 – 1955) – die erste Frauenärztin in Deutschland - Laura Turnau (1882 – 1978), Lilly Meyer-Wedell (1881 – 1944) und Dorothea Dietrich (1879 - ?) die Gründerinnen des 1924 in Berlin ins Leben gerufenen Bundes Deutscher Ärztinnen, der Vorläuferin des Deutschen Ärztinnenbundes. Sie wollten junge Frauen unterstützen und ihnen den leidvollen Weg ersparen, den sie selbst hatten gehen müssen. Der Deutsche Ärztinnenbund spricht heute von diesen Frauen als den „Riesinnen“, auf deren Schultern heutige Ärztinnen stünden und dank deren Engagements die Gleichberechtigung der Frauen im ärztlichen Beruf gelungen sei.
Von Langsdorff war viele Jahre als Schatzmeisterin im Vorstand und im Ausschuss des BDÄ (heute DÄB) für Fragen der Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten tätig.
Bereits 1924 entstand auf ihre Initiative hin die Ortsgruppe Essen.
Auch auf internationaler Ebene war von Langsdorff engagiert: zum ersten Mal seit 1914 wirkten Frauen aus Deutschland beim Internationalen Ärztinnenkongress (Medical Women’s International Association MWIA) 1924 in London mit. Toni von Langsdorff gehörte zu den Delegierten.
Nach 1933 war sie Anwärterin des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes, zugelassen vom Amt für Volksgesundheit. Ihr Haus und damit auch ihre Praxis wurden im 2. Weltkrieg zerstört und wurden an anderer Stelle wiederaufgebaut. Nach dem Ende des Krieges wurde sie als politisch Unverdächtige in den Vorstand der der Ärztekammer Rheinland gewählt. Ebenfalls war sie in den gewählten Ausschüssen für Facharztanerkennung und Zulassung tätig. Schon ab 1946 lud sie Ärztinnen zu regelmäßigen Treffen in ihre Privatwohnung in Essen-Bredeney ein und unterstützte die Kolleginnen bei Problemen der Niederlassung und der Kassenzulassung.
Entscheidenden Anteil am Wiederaufbau des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hatte sie als Leiterin und stellvertretende Vorsitzende der Frauenarbeit im Kreisverband Essen. Bis 1967 hielt sie ihren Sitz im Vorstand inne, 1968 wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt.
Von 1949 bis 1952 war sie außerdem Mitglied im Deutschen Akademikerinnenbund und im Hartmannbund.
Für ihr unermüdliches berufspolitisches Engagement wurde Toni von Langsdorff 1961 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.
Ihre Kolleginnen in Ärztinnenschaft und Verbandsarbeit schilderten sie als eine „zielstrebige Frau mit einer gewissen Kompromisslosigkeit, einer Eigenschaft, die es ihr ermöglichte, ihre angestrebten Ziele zu erreichen… Sie war für ihre konsequente Haltung bekannt und vielleicht auch ...sogar etwas gefürchtet.“
Diese Aussagen mögen den mühevollen, beschwerlichen, mit Steinen und Sperren übersäten Weg spiegeln, den junge, begabte und bildungshungrige Frauen gehen mussten, um etwas zu erlangen, was vielen heute selbstverständlich erscheint: Selbstverwirklichung und Selbstermächtigung. Zu Recht hat sie im hohen Alter ihre Geschichte der Nachwelt geschenkt.
(Anmerkung der Verfasserin: alle Zitate von Toni von Langsdorff entstammen ihrer Autobiografie sowie der u.e. Festschrift)
(Text von 2025)
Verfasserin: Christa Matenaar
Zitate
Langsam aber setzte ich mich als Ärztin bei der Bevölkerung durch und darf ...mit hoher Befriedigung auf meine Tätigkeit bis zu meinem 80. Jahr zurückblicken.
Literatur & Quellen
Quellen
Booz-Funke et.al.. 1999. “Toni von Langsdorff und der DÄB in Essen”. S. 16ff. In: Wilmans, Juliane C., “Die ersten Ärztinnen in Deutschland”, in: Ärztin in Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft 1924 – 1999, Festschrift des Deutschen Ärztinnenbundes e.V., Köln 1999, S. 6 ff.
Langsdorff, Toni von: “Dr. med. Toni von Langsdorff 90 Jahre.” In: Deutscher Ärztinnenbund e.V. (Hrsg.): Ärztin. Band 7, 1975, S. 5–8.
“Toni von Langsdorff”. In: Ärztinnen im Kaiserreich. Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Charité, Berlin, 2015.
Literatur
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Berger, Uta (Hg.) (1999): Ärztin in Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft. 1924 - 1999 ; Festschrift des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. Deutscher Ärztinnenbund Greven. WWF Verlags-Gesellschaft. ISBN 3-931031-05-5.
Mehr dazu unter https://www.aerztinnenbund.de/downloads/9/75_Jahre_DAeB_Festschrift_1999.pdf
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Langsdorff, Toni von (1911): Über das Verhalten der Erythrocytenzahlen und der Blutviskosität nach Bluttransfusionen. Ein Beitrag zur Frage nach der Möglichkeit einer experimentellen Plethora. Heidelberg, Univ., Diss., 1911. Borna-Leipzig. Noske.
Langsdorff, Toni von (1975): Dr. med. Toni v. Langsdorff 90 Jahre. Autobiografie. In: Ärztin – Zeitschrift des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. ; offizielles Organ des Deutschen Ärztinnenbundes, Jg. 22, Heft 7. . S. 5–8.
Ogilvie, Marilyn Bailey; Harvey, Joy Dorothy (2000): The biographical dictionary of women in science. Pioneering lives from ancient times to the mid-20th century. 2 Bände. New York. Routledge. ISBN 9780203801451.
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