Jubilate Deo
Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Achtzehnte Lektion
Bei jenem Seminar mit Frauen der feministisch-matriarchalen Akademie Alma Mater, von dem ich hier neulich schon berichtet habe, habe ich außer fräuen noch ein anderes schönes Wort gelernt.
Während der Vorstellungsrunde erzählten die Teilnehmerinnen von ihren Berufen und Tätigkeiten. Eine sagte: “Ich bin Jubilate”. Merkwürdig, dachte ich, aber da die Runde das anscheinend ganz selbstverständlich fand, wollte ich nicht unterbrechen und beschloss, die Jubilate im Anschluss zu fragen, was das denn sei, eine Jubilate.
Ich kannte Jubilate nur aus dem Lateinunterricht ("jubelt, jauchzt, frohlockt"), als komplizierten Kanon, den wir drei Kinder mit unserer Mutter beim Spülen und Abtrocknen sangen und als Bezeichnung für den dritten Sonntag nach Ostern, benannt nach dem Beginn des 66. Psalms, Jubilate Deo = Lobet den Herrn oder Jauchzet dem Herrn oder Jauchzet Gott (in allen Landen). Ja, im christlichen Kulturgut wurde ich gründlich unterwiesen. Das Seminar fand übrigens direkt nach dem Sonntag Jubilate statt.
Weiter ging es mit der Vorstellungsrunde, und alsbald erklärte eine zweite Frau: “Ich bin auch Jubilate”. Jetzt konnte ich meine Neugier nicht mehr bezähmen und fragte: “Und was heißt das?”
Das heißt "Rentnerin", erklärten sie mir, und Jubilate gefiele ihnen viel besser als das olle Rentnerin.
Klar, Rentnerin klingt kaum nach Jubel.
Die Idee käme von Erni Kutter, sagten sie, und es sei ein Import aus dem Spanischen. Dort heißt die Rentnerin jubilada und der Rentner jubilado.
Zu Hause dachte ich weiter über die Jubilaten nach. Mir fiel ein, dass eine Freundin sich Freifrau nannte, als sie „in Rente ging“ - aber dieses Wort benutzen auch schon geschiedene und sonstwie befreite Frauen. Statt “Ich bin geschieden/Witwe/ledig/kinderlos” oder “die Kinder sind aus dem Haus” heißt es einfach “Ich bin Freifrau”.
Damit nun die Anzahl der Freifrauen nicht ins Uferlose wächst, nennen wir die Rentnerinnen Jubilaten. Sehr erfräulich!
Und was ist nun mit Jubilate Deo? Das ist ein besonders hautfreundliches Deo für die Jubilate.
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4 Kommentare
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26.04.2015 um 17:02 Uhr Naomi Stephan
Dear Luise,
I have been posting on Facebook and elsewhere for some time now talking about the takeover of the Alto voice, and often the Soprano) called der Alt und der Sopran as you know in German) by counter tenors and boys in Early Music performances and recordings. The circles goes on because as boys are spawned in boy choirs. They go on tour are introduced to conductors and vocal ensembles, get an education the girls don’t and then they get the performance gigs. I have been waging a battle with SR2 here in Saarbrücken, and with little luck. I also posted to Choral Net, which elicited a number of angry emails. And now on the radio as I speak, KUSC is playing “The Sixteen” which consists of 10 men and 6 women.
The Begründung? Klangliche Transparenz und historische Genauigkeit wie man hier bei der Tamis in Saarbrücken - Tage alter Musik in S. so schön sagt. Als ehemalige Sängerin von Bach Kantaten habe ich so zu sagen, GENUG!
Ich schicke meine Post an die Leiter der Musiktage.
Vielen Dank für die Post und die Idee von Freifrau.
Naomi Stephan (WIG Mitglied)
11.05.2008 um 14:54 Uhr Anne
Jubelnde Zustimmung auch für die gut duftende neue Begrifflichkeit bzw. Definition `Jubilate Deo`- endlich fernab der altherrgebrachten sowie ständig bejubelten Herrenkultur - die nicht nur im letzten Absatz der v. Joachim Neander 1680 hochgelobten Jubelposse `Lobe den Herrn .... alles was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen ... sich ständig beweihräuchern muss.
Ja - und erst die Freifrauen - mögen sie sich wie die Jubilaten zahlenmässig vermehren - Freiheit ist das höchste Gut, wichtiger als die Erwartungen anderer ständig erfüllen zu müssen.
Aber auch die Assoziation zu den `Stiftsdamen`einfach göttinlich.
Danke für dieses sehr erfräuliche Feminar
von Anne
11.05.2008 um 10:56 Uhr Duerr
Liebe Luise,
die (wirklich) Heilige Geistin ist über Dich gekommen. DANKE!
Ab sofort nenne ich mich auch Freifrau… und hoffe dabei - im Gegensatz zu Dir - dass MILLIONEN von Frauen sich so nennen mögen und können!! Geschiedene, lustige Witwen, Ledige wie ich (damit sie nicht dauernd erklären müssen, dass sie sich dieses Zustands mit seit Jahrzehnten wachsender Begeisterung erfreuen…) und anders wie auch immer Befreite.
Ich sehe schon jetzt bei der anderen Sorte die nackte Panik ausbrechen, besteht doch immerhin die Wahrscheinlichkeit, dass die Muttis und Mammis künftig nicht mehr einfach für sämtliche Bedürfnisse, Boboli und Wehwehchen selbstverständlich 24 Stunden zur Verfügung stehen werden, denn wenn Weiber so etwas öffentlich bekennen, wird’s ernst.
Also: JUBILATE! (Und da grad Muttertag ist auch der Grossen Mutter!!)
Dürr
10.05.2008 um 21:17 Uhr joey
Die Jubilaten hiessen dann wohl Stiftsdamen? Sehr erfräuliche Glosse!