Elly Ney

geboren am 27. September 1882 in Düsseldorf
gestorben am 31. März 1968 in Tutzing

deutsche Pianistin
45. Todestag am 31. März 2013


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

“Sie haben eine schlechte Hand… Wenn Sie sich und mich künftig nicht blamieren wollen, dürfen Sie vor drei Jahren öffentlich nicht spielen.”

Elly Ney, die derart entmutigte Meisterschülerin des Klavierpädagogen und Czerny-Schülers Leschetitzky, ging am folgenden Tag zu dem Liszt-Schüler Emil von Sauer und fragte, ob er sie denn als Schülerin aufnehmen könne. Nach ihrem Vorspielen urteilte er: “Sie haben alles, was nötig ist. Eine so gute Hand habe ich noch nie gesehen.” Ney war damals 21 Jahre alt, Absolventin eines Klavier-Studiums bei Isidor Seiß am Kölner Konservatorium, wo sie mit zehn Jahren die Aufnahmeprüfung bestanden hatte; außerdem war sie seit zwei Jahren Mendelssohn-Preisträgerin. Ihre quälenden Erfahrungen bei Leschetitzky hatten ihre Ursache darin, daß der Lehrer notentechnische Perfektion lehrte, während die Schülerin intuitive Klanggestaltung anstrebte. Ney entschied sich für ihren inneren Maßstab, den von Sauer offenbar höher schätzte als sein Kollege. Sie beendete ihr Studium 1904, trat danach die Nachfolge ihres Lehrers Seiß am Kölner Konservatorium an und begann ihre internationale Karriere.

FrauenbildDen Mittelpunkt ihres musikalischen Nachschaffens bildete Beethoven, dem sie sich seelenverwandt fühlte. Sie empfand es als ihre Berufung, ihren Mitmenschen seine Musik nahezubringen. Dieser Aufgabe widmete sie sich mit schier unglaublichem Einsatz. Selten gönnte sie sich Erholungszeiten von mehr als einer Woche. Neben ihren Konzertverpflichtungen spielte sie für Kinder in Schulen, für Soldaten in Lazaretten und für Strafgefangene in Zuchthäusern. Ohne Gage spielte sie für ArbeiterInnen, die kein Geld für Konzertkarten hatten.

Von 1921 bis 1930 konzertierte sie vorwiegend in Amerika. In diese Zeit fällt auch ihre Scheidung von Willem van Hoogstraten (Vater ihrer Tochter Eleonore) und die zweite Ehe mit Paul Allais, die später ebenfalls geschieden wurde. In den Kriegsjahren unterrichtete Ney am Salzburger Mozarteum. Eine ihrer damaligen Schülerinnen schrieb: “Elly Ney, der jedes Besserwissen und Belehrenwollen vollkommen fremd ist, wußte uns immer wieder durch ihren ... Rat zu helfen.”

Während der NS-Zeit stand Elly Ney auf der “Gottbegnadeten-Liste” (Führerliste) der wichtigsten PianistInnen des NS-Staates. Am 14.12.1940 schreibt sie über eine Reise ins besetzte Holland an das Propagandaministerium: “Es ist mir nicht sehr angenehm, daß ich dort im Hotel Central wohnen muß. Jedenfalls hoffe ich, daß sich dort keine Juden mehr aufhalten, so wie es früher war.” In ihren Erinnerungen und Betrachtungen: Mein Leben aus der Musik von 1957 blendet sie ihre Nazi-Vergangenheit völlig aus. (nach Klee 2007:432).

Nach dem Krieg wurden in den Konzertsälen brillierende Klavier-Virtuosen populär, und Elly Ney kam “aus der Mode”, wie der Musikkritiker Joachim Kaiser es (etwas taktlos?) formuliert. Er fährt aber fort: “Man muß sich – wie man auch sonst über die Gefahren pianistischen Hohepriestertums denken mag – vor Elly Ney verneigen ...”

Zitate:

Die Jugend vertraut ihren Führern bedingungslos, weil diese sich die idealistischen, von Adolf Hitler vorgeschriebenen Ziele zu eigen gemacht haben. (Elly Ney, 1938)

Bei München wohnt eine ... Frau, die besser als Michelangeli und Gould fühlt, wie Beethoven gespielt sein will. ... Immer wieder versuchte sie…, herauszuholen, worüber blendende Pianisten gern hinwegwollen: die Innigkeit. (Joachim Kaiser)

(am 31.3.2007 aktualisiert von Luise F. Pusch)

Mechthild Winkler-Jordan

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Links

Elly Ney - Nazi und Antisemitin?
MUGI (Musik und Gender im Internet)

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Literatur & Quellen

Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Allgemeine Enzyklopädie der Musik. 1989 [1955]. 17 Bde. Unter Mitarbeit zahlreicher Musikforscher des In- und Auslandes hg. von Friedrich Blume. München; Kassel. dtv und Bärenreiter.

Kaiser, Joachim. 1989. Große Pianisten in unserer Zeit. München. Piper.

Klee, Ernst. 2007. Das Kulturlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt/M. Fischer.

Maurina, Zenta. 1956. Begegnung mit Elly Ney: Eine Danksagung. Memmingen. Dietrich.

Ney, Elly. 1957. Erinnerungen und Betrachtungen: Mein Leben aus der Musik. Aschaffenburg. Paul Palloch.

Valentin, Erich. 1962. Elly Ney – Symbol einer Generation. München. Walter Ricke.

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Hedwig Dohm