Ida Dehmel

(geb. Coblenz)

geboren am 14. Januar 1870 in Bingen
gestorben am 29. September 1942 in Hamburg

deutsche Kunstfreundin, Gründerin der GEDOK
70. Todestag am 29. September 2012


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Ida Coblenz, jung, schön und begabt, stammte aus großbürgerlichem Haus. Stefan George hätte ihr fast einen Gedichtzyklus gewidmet, im Sommer 1892, als sie zusammen lange Spaziergänge in der Umgebung von Bingen machten. Doch drei Jahre später heiratete sie den wohlhabenden Tuchhändler und Konsul Auerbach. Sie ging mit ihm nach Berlin, wo ihr Haus im Tiergartenviertel ein Treffpunkt für KünstlerInnen, KritikerInnen und WissenschaftlerInnen wurde.

Durch den Bankrott ihres Mannes scheiterte auch die Ehe. Ida zog mit ihrem Sohn in die Nähe des Ehepaars Paula und Richard Dehmel (Richard war ein bekannter Schriftsteller). Nach dem mißlungenen Experiment einer Dreierbeziehung trennte sich Richard von Frau und Kindern und begann mit Ida ein “neues Leben” in der Nähe Hamburgs. Wieder wurde ihr Haus ein Zentrum für KünstlerInnen und junge Talente.

Nach dem Tod Richards 1920 ordnete sie seinen Nachlass, gab seine Briefe und Tagebücher heraus und gründete die Dehmel-Gesellschaft.
Ida Dehmels Name ist vor allem verbunden mit der Idee zur Gründung eines “Frauenkunstverbands”. Nach dem “Bund Niederdeutscher Künstlerinnen” gründete sie 1926/27 die Gedok (Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und KunstfreundInnen), einen Interessenverband für Künstlerinnen aller Sparten. In vielen deutschen Städten entstanden Zweigstellen. Die Gedok wurde von bekannten Künstlerinnen unterstützt (Kollwitz, Sintenis, Huch, Kolb). Ida Dehmel übernahm den Vorsitz, wurde aber nach der Machtergreifung Hitlers zum Rücktritt gezwungen, da sie Jüdin war. Die Gedok wurde zur “Reichsgedok” umfunktioniert.  Aus Solidarität mit Ida Dehmel traten 5000 Mitglieder aus.

Ida Dehmels Lage wurde zunehmend schwieriger, doch sie wollte ihr Archiv und das Haus nicht aufgeben. Im Herbst 1942 nahm sie sich das Leben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Ideen der Gedok wieder aufgenommen, und in vielen Städten sind seitdem neue Gruppen entstanden. Ida Dehmels Lebenswerk und Schicksal sollten unvergessen sein.

 

Renate Rochner

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Zitate

Aber plötzlich war die Jugend da, jene Jugend, die studierte, die auf den sozialen Frauenschulen erzogen war, und diese Jugend lehnte es ab, ihren jungen Wein in die alten Schläuche der Frauenbewegung zu füllen…

Wir wissen, daß, so wie die Sonne Blüten erweckt, Liebe Gegenliebe hervorruft. Öffnet Eure Herzen Euern Mitschwestern! Wenn Alle geben, werden Alle empfangen.
(Aus der Rede Ida Dehmels anläßlich der Gründung der Gedok, 1927)

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Links

Zum 70. Todestag am 29. September 2012 veranstaltet die Hamburger GEDOK im September “Ida-Dehmel-Tage”. Mehr hier:

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Literatur & Quellen

Dehmel, Ida. 1986 [1927]. “Mannheimer Rede”, in:  Gegenlicht: 60 Jahre Gedok. Hg. Gedok Berlin. Nachdruck in Ariadne 8/1987.

Frisé, Maria. o.T. Biographische Notizen über Ida Dehmel.

Kontrapunkt - GEDOK gestern, heute: Dokumentation der GEDOK Rhein-Main-Taunus zum 50. Todesjahr der GEDOK-Gründerin Ida Dehmel (1870-1942). Hg. Margarete Sorg & Margarete Sorg-Rose. Mainz. GEDOK Rhein-Main-Taunus. 1992.

Reicke, Ilse. 1984. Die großen Frauen der Weimarar Republik: Erlebnisse im Berliner Frühling. Freiburg/Br. Herderbücherei 1029.

Winkler, Michael. 1970. Stefan George. Stuttgart. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Poeschel Verlag.

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Hedwig Dohm