Indira Gandhi

geboren am 19. November 1917 in Allahabad, Indien
gestorben am 31. Oktober 1984 in Neu-Delhi

Ministerpräsidentin Indiens
95. Geburtstag am 19. November 2012


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Indira Gandhis Lebensweg ist der einer typischen Vatertochter. Als einziges Kind Jawaharlal Nehrus wächst sie in einem politisch geprägten Haushalt auf. Ihr Vater entstammt einer vornehmen Brahmanenfamilie in Kaschmir und gehört damit zur angesehensten Gruppe innerhalb der Hindu-Gesellschaft Indiens. Nach Schule und Studium in Großbritannien kehrt er 1916 als Rechtsanwalt nach Indien zurück, wo er sich alsbald dem Kampf für die Befreiung Indiens von der englischen Kolonialherrschaft anschließt. Der politische Kampf hat bei ihm immer Vorrang vor familiären Anforderungen. Als engster Mitarbeiter Mahatma Gandhis teilt er dessen Schicksal: Bis zur Unabhängigkeit Indiens ist er mehrfach über längere Zeit in Haft. Von der Unabhängigkeit Indiens 1947 bis zu seinem Tode 1964 ist er Ministerpräsident seines Landes.

Die Karriere seiner Tochter weist erstaunliche Parallelen zu der ihres Vaters auf. Sie nutzt die Möglichkeiten, die die wohlhabende und gebildete Familie ihr bietet. Wie der Vater besucht sie Schulen und Universitäten in Indien und Europa. Sehr früh politisch aktiv, gründet sie die Jugendbewegung für die Unabhängigkeit Indiens und ist 1938, mit 21 Jahren, Abgeordnete des Indischen National-Kongresses. 1942 gerät sie vorübergehend in Haft.

Die Beschränkungen, denen die Frauen Indiens unterworfen sind, scheinen zunächst für sie nicht zu gelten. Aber nach ihrer Haftentlassung 1942, ihr Vater ist wiederum für fünf Jahre inhaftiert, beugt sie sich dem weiblichen “Normalschicksal” und heiratet Shri Feroze Gandhi. Er ist mit dem berühmten Mahatma nicht verwandt, doch erleichtert die Namensgleichheit später Indiras Karriere.

Nachdem ihre Söhne Rajiv und Sanjay das Teenager-Alter erreicht haben, geht die Mutter wieder in die Politik. 1959 wird sie Präsidentin des Indischen Nationalkongresses.

Damit hat sie die wichtigste Sprosse auf der Karriereleiter erklommen, denn die Herrschaft über diese wichtigste indische Partei ist die Voraussetzung für die Herrschaft über Indien. 1960 stirbt ihr Mann, 1964 ihr Vater – Startschuß für ihre Eroberung der Macht im Staat. Als Presse- und Informationsministerin sammelt sie administrative Erfahrungen, so daß sie 1966, nach dem Tod von Nehrus Nachfolger Shastri, Ministerpräsidentin Indiens werden kann.

Bei den nächsten Parlamentswahlen schneidet ihre Partei schlecht ab, aber Indira gelingt es mit Hilfe wechselnder Koalitionen, bis 1977 im Amt zu bleiben.

Politisch folgt sie weitgehend dem Kurs ihres Vaters, der innenpolitisch auf eine Art Staatssozialismus und außenpolitisch auf Blockfreiheit gesetzt hatte.

Obwohl Indiens Unabhängigkeit aus dem gewaltlosen Widerstand erwachsen ist, was dem Land außenpolitisch viel Kredit verschafft hat, verläßt Indira Gandhi diesen Weg mit der Entscheidung, zugunsten der Unabhängigkeitsbewegung in Bengalen Truppen gegen Pakistan einzusetzen. Die Kämpfe enden 1971 mit der Gründung des freien Bangladesh. Mit der Spaltung Pakistans hat Gandhi den Nachbarstaat entscheidend geschwächt. Indien wird zur stärksten Macht des Subkontinents.

Doch die sozialen Spannungen, bedingt durch wachsende Verelendung breiter Massen und damit verbundenen Regionalismus, nehmen zu. 1977 verliert Indira Gandhi die Wahlen. Ihr Nachfolger Desai wird mit den wirtschaftlichen Problemen des Landes noch weniger fertig als sie. 1980, nach gründlicher Umorganisation der Kongresspartei, erzielt sie einen triumphalen Wahlerfolg.

Weltpolitisch folgt sie mehr denn je ihrem Vater. 1983 wird sie Sprecherin der “Bewegung der Blockfreien”, die ihr Vater einst mitbegründet hat. Innenpolitisch zieht sie nun ihren Sohn Sanjay und – nach dessen Flugzeugabsturz 1980 – den älteren Rajiv als ihre Nachfolger heran.

1984 holen die innenpolitischen Probleme des Landes sie ein. Im Oktober wird sie von ihren Leibwächtern ermordet. Diese gehören den fundamentalistischen Sikhs an, deren Heiligtum, der Goldene Tempel von Amritsar, zum Zentrum schwerer Unruhen im indischen Bundesstaat Punjab geworden und wenige Monate zuvor auf Anordnung Indira Gandhis gestürmt worden war.

Indira Gandhi ist ein Beweis für die Fähigkeit der Frauen zur politischen Gestaltung – aber auch ein Beweis dafür, wie sehr es von familiären Voraussetzungen abhängt, ob Frauen politisch Karriere machen können. Was wäre gewesen, wenn Nehru ein einfacher Handwerker gewesen wäre oder außer der Tochter noch einen Sohn gehabt hätte?

Marianne Goch

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Literatur & Quellen

indira gandhiDommermuth-Costa, Carol. 2001. Indira Gandhi: Daughter of India. Lerner.

Frank, Katherine. 2001. Indira: The Life of Indira Nehru Gandhi. London. HarperCollins.

Ganeri, Anita. 2003. Indira Gandhi. Oxford. Heinemann.

Gandhi, Sonia. Hg. 1989. Freedom’s Daughter: Letters between Indira Gandhi and Jawaharlal Nehru, 1922-39. London. Hodder & Stoughton.

Malhotra, Inder. 1989. Indira Gandhi: A Personal and Political Biography. London. Hodder & Stoughton.

Moraes, Dom. 1980. Mrs Gandhi. L London. Cape

Wandel, Elke. Hg. 1991. Witwen und Töchter an der Macht: Politikerinnen der Dritten Welt. Reinbek b. Hamburg. rororo TB 8874.

Wunderlich, Dieter. 2004. WageMutige Frauen: 16 Porträts. Regensburg. Pustet.

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Hedwig Dohm