Karen Horney
(Karen Clementine Theodore Danielsen [Geburtsname])
geboren am 16. September 1885 in Hamburg-Blankenese
gestorben am 4. Dezember 1952 in New York
deutsch-amerikanische Psychoanalytikerin
125. Geburtstag am 16. September 2010
Biografie • Zitate • Weblinks • Literatur & Quellen • Bildquellen
Biografie
Ihr unkonventioneller Denkstil und ihre Kritik an der orthodoxen Psychoanalyse brachten ihr Ablehnung und große Anerkennung gleichermaßen.
Mit Hilfe ihrer freidenkerischen und aufgeklärten Mutter und dem Bruder setzt sie gegenüber ihrem tiefreligiösen und autoritären Vater, der auch schon mal im Wutausbruch mit der Bibel nach den Familienmitgliedern wirft, ein Medizinstudium durch, das sie über Freiburg und Göttingen nach Berlin führt, wo sie mit der Promotion abschließt.
Im Gegensatz zu den anderen »Psychoanalytikerinnen der ersten Stunde« (z.B. Helene Deutsch, Lou Andreas-Salomé und Anna Freud) betet sie nicht die leidige frauenfeindliche Weiblichkeitstheorie Freuds nach, in der die Frau nur mit Kategorien der Pathologie zu begreifen ist, sondern kommt zu der Erkenntnis, dass kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen die seelischen Strukturen und die Position der Frau mitbestimmen, ein Gedanke, der von der zweiten Frauenbewegung und den feministischen Theoretikerinnen bis zur Gegenwart ausdifferenziert und empirisch belegt wird.
Sie unterscheidet sich insofern von den orthodoxen PsychoanalytikerInnen, als sie schon früh soziologische, kulturpsychologische und ethnologische Befunde in ihr Denken einbezieht und vom rein biologistisch-deterministischen Standpunkt ihrer FachkollegInnen abweicht. Dies ist schließlich auch der Grund, warum sie 1941 aus der New Yorker Psychoanalytischen Gesellschaft ausgeschlossen wird, was einem »Todesurteil« nahekommt. Doch mutig und stolz gründet sie ein eigenes Institut und vertritt ihre fortschrittliche Theorie sehr erfolgreich in Forschung, Lehre und als Therapeutin bis an ihr Lebensende.

Als Medizinstudentin lernte sie in Freiburg ihren künftigen Ehemann, Oskar Horney, einen Wirtschaftsjuristen, kennen, den sie 1909 heiratet. In rascher Folge bekommt sie drei Töchter, Brigitte, die berühmte Schauspielerin, Marianne und Renate. Karen Horney leistete viel: Ehe, Kindererziehung, Haushalt und gleichzeitig die Ausbildung zur Psychoanalytikerin und Arbeit als Therapeutin.
1926 trennte sie sich von ihrem Mann und sorgte allein für ihre Töchter. Als sie aufgefordert wurde, beim Aufbau des Chicagoer Psychoanalytischen Instituts mitzuarbeiten, verließ sie Deutschland 1932, zumal der aufkommende Nationalsozialismus sich als Gegner der Psychoanalyse entpuppte. 1934 ging Karen Horney nach New York, arbeitete dort weiterhin als Psychoanalytikerin, veröffentlichte wichtige, immer wieder neu aufgelegte Bücher. Ihr Interesse am Zen-Buddhismus führte sie noch kurz vor ihrem Tod nach Japan. Sie starb an einem Krebsleiden.
(Text von 2001)
Sibylle Duda
Zitate
Ich glaube daran, daß ein Mensch sich ändern kann, solange er lebt.
(Karen Horney)
Links
Berliner Institut für Tiefenpsychologische und existentielle Psychotherapie (BITEP): Über Karen Horney. Kurzer Überblick über Einfluss Karen Horneys auf Entwicklung der Psychoanalyse und der Psychotherapie.
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Chronik der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (1907–1958)
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International Karen Horney Society (IKHS)
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Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Karen Horney. Bücher und Medien.
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Klumbies, Hans (2010): Karen Horney: »Eine Neurose verbirgt das wahre Ich«
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Lütge, Michael (1997): 1.2.2.4 Karen Horney: Interpersonalität. Ausführlicher Text zu Leben und Werk (optisch und sprachlich sehr anstrengend!) – In: Wachstum der Gestalttherapie und Jesu Saat im Acker der Welt. Psychotherapie als Selbsthilfe, Frankfurt, 1997, S. 290-298.
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Wikipedia: Karen Horney. Umfangreicher Artikel zu Leben und Werk.
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Literatur & Quellen
Werke
Horney, Karen (1915): Ein kasuistischer Beitrag zur Frage der traumatischen Psychosen. Medizinische Dissertation. Berlin.
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Horney, Karen (1990): Analytische Technik. Die letzten Vorlesungen. Herausgegeben von Douglas H. Ingram. Aus dem Amerikanischen von Bernadette Eckert. Dt. Erstausg. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verl. (Fischer, 42313) ISBN 3-596-42313-9.
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Horney, Karen (1951): Der neurotische Mensch unserer Zeit. Gießen. Psychosozial-Verl. 2004. ISBN 3-89806-279-1.
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Horney, Karen (1977): Die Psychologie der Frau. 3., unveränderte Auflage. Eschborn bei Frankfurt. Klotz. 2007. ISBN 978-3-88074-488-2.
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Horney, Karen (1951): Neue Wege in der Psychoanalyse. 4., unveränd. Aufl. Eschborn bei Frankfurt, M. Klotz. 2007. ISBN 3-88074-489-0.
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Horney, Karen (2007): Neurose und menschliches Wachstum. Das Ringen um Selbstverwirklichung. 4., unveränd. Aufl. Eschborn bei Frankfurt. Klotz. ISBN 3-88074-485-8.
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Horney, Karen (2007): Selbstanalyse. 6., unveränd. Aufl. Eschborn bei Frankfurt. Klotz. ISBN 3-88074-486-6.
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Horney, Karen (2007): Unsere inneren Konflikte. Neurosen in unserer Zeit – Entstehung, Entwicklung und Lösung. 5., unveränd. Aufl. Eschborn bei Frankfurt. Klotz. ISBN 3-88074-487-4.
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Quellen
Danzer, Gerhard (1997): Karen Horney oder der allmähliche Umbau der Person durch die Kraft der Skepsis.
In: Danzer, Gerhard (Hg.): Frauen in der patriarchalischen Kultur. Psychographien über Rahel Varnhagen, Madame de Staël, Karen Horney und Simone de Beauvoir. Würzburg. Königshausen und Neumann; Königshausen & Neumann. ISBN 3-8260-1392-1S. 119–166
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Horney, Karen (1967): Die Psychologie der Frau. Ungekürzte Ausg., 22. - 23. Tsd. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag. 1997. (Fischer-Taschenbücher, 42246) ISBN 3-596-42246-9.
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Olvedi, Ulli (1992): Frauen um Freud. Die Pionierinnen der Psychoanalyse. Orig.-Ausg. Freiburg im Breisgau, Basel, Wien. Herder. (Herder-Spektrum, 4057) ISBN 3-451-04057-3.
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Rubins, Jack L. (1978): Karen Horney. Sanfte Rebellin der Psychoanalyse. Biographie. Aus dem Amerikanischen von Ute Seeßlen. Lizenzausgabe. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag. 1983. (Fischer, 5624) ISBN 3-596-25624-0.
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Weiterführende Literatur
Butler-Bowdon, Tom; Schilasky, Sabine (2007): 50 Klassiker der Psychologie. Die wichtigsten Werke von Alfred Adler, Sigmund Freud, Daniel Goleman, Karen Horney, William James, C. G. Jung, Jean Piaget, Viktor Frankl, Howard Gardner, Alfred Kinsey, Abraham Maslow, Iwan Pawlow, Stanley Milgram, Martin Seligman und vielen anderen. Heidelberg. Mvg. ISBN 3-636-06287-5.
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Hölker, Reinhold (1982): Karen Horney. Leben und Werk. Dissertation A, Fachbereich Medizin. Mainz. Universität.
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Paris, Bernard J. (2006): Karen Horney. Leben und Werk. Neuauflage der Ausgabe von 1996. Gießen. Psychosozial-Verlag. ISBN 3-89806-461-1.
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Rathfelder, Isolde (1981): Erich Fromm und Karen Horney. Eine vergleichende Darstellung zentraler Elemente ihres Werks. Dissertation. Würzburg. Universität.
(WorldCat-Suche)
Sayers, Janet; Mertens, Wolfgang (1994): Mütterlichkeit in der Psychoanalyse. Helene Deutsch, Karen Horney, Anna Freud, Melanie Klein. Stuttgart. Kohlhammer. ISBN 3-17-011782-3.
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Schädlich, Susanne (2006): Karen Horney. Die Rivalin Freuds. Stuttgart. Kreuz. (Kreuz Biografie) ISBN 3-7831-2709-2.
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Wiegand, Ronald (1973): Gesellschaft und Charakter. Soziologische Implikationen der Neopsychoanalyse ; von Erich Fromm über Karen Horney zu Harry Stack Sullivan. Orig.-Ausg. München. Kindler. (Kindler-Taschenbücher, 2098) ISBN 3-463-18098-7.
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Bildquellen
American Psychological Association (APA)
Both Brains and Beauty
PTypes Personality Types
Wikipedia
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