Ruth First

(Heloise Ruth First)

geboren am 4. Mai 1925 in Johannesburg
gestorben am 17. August 1982 in Maputo (Moçambique)

südafrikanische Antiapartheidaktivistin, Journalistin und Soziologin

25. Todestag am 17. August 2007


BiografieZitateLinksLiteratur


Biografie

Ruth First

Ruth First verfügte über alle Eigenschaften einer Karrierefrau: Scharfer Verstand, enorme Energie, Organisations- und Redetalent, das Ganze verbunden mit einer Leidenschaft für schicke Kleider und elegante italienische Schuhe. Sie hätte ihr Leben ihrem persönlichen Erfolg widmen können, doch stattdessen führte ihr politisches Gewissen sie in den Kampf gegen das südafrikanische Apartheidsystem. Für diesen Kampf lebte – und starb – sie.

Schon in ihrer Kindheit waren Debatten zwischen Angehörigen aller Rassen und Klassen an der Tagesordnung. Ihre Eltern, jüdische Einwanderer aus Lettland, gehörten zu den Gründungsmitgliedern der kommunistischen Partei Südafrikas.
Nach einem mit 21 Jahren erfolgreich abgeschlossenen Soziologiestudium, währenddessen sie sich in verschiedenen Studentenorganisationen und der kommunistischen Jugend engagierte, begann Ruth First unter Hochdruck für die linksgerichtete Wochenzeitung The Guardian in Johannesburg zu arbeiten. In jeder Ausgabe erschienen ihre gründlich recherchierten Reportagen über die sklavereiartigen Arbeitsbedingungen der Land- und Minenarbeiter, das Leben in den Townships, Busboykotte und Revolten gegen die diskriminierenden Passgesetze.
First wurde zu einer der wichtigsten ChronistInnen, die die Folgen der in den 1950er Jahren von der regierenden Burenpartei sukzessive eingeführten Rassentrennungsgesetze dokumentierten und anprangerten.

Ruth First

1949, mit 24 Jahren, hatte sie den jungen Rechtsanwalt Joe Slovo geheiratet, auch er Kommunist und aktiv in der Antiapartheidbewegung (Slovo wurde später einziges weißes Mitglied im Führungsgremium des ANC und einer der meistgesuchten „Staatsfeinde“ des rassistischen Regimes). In den folgenden vier Jahren kamen ihre drei Töchter zur Welt, während die Familie zunehmend unter politischen Druck geriet. First wurde „gebannt“, d.h. sie erhielt Reise-, Publikations- und Versammlungsverbot, ihre Arbeiten durften nicht mehr zitiert werden, ihre politischen Aktivitäten – besonders der Aufbau eines freien Radiosenders und eines „weißen“ Flügels des ANC – spielten sich nur noch im Untergrund ab.
Ruth First mit ihrem Ehemann Joe Slovo

1956 wurden First und Slovo verhaftet und des Hochverrats angeklagt, allerdings wieder freigelassen, nach den Sharpeville-Massakern von 1960 floh sie mit ihren Kindern nach Swaziland, 1963 wurde sie – wie 155 andere ANC-AktivistInnen (darunter Mandela, Sisulu, Mbeki) – aufs Neue festgenommen und verbrachte 117 Tage in Isolationshaft. In ihrem später veröffentlichten Gefängnistagebuch (Gefangener Mut) berichtet sie mit erschütternder Offenheit über die erlittene psychische Folter, aber auch ihre Ängste und Selbstzweifel, die zu einem Selbstmordversuch führten.
Nach ihrer Freilassung entschloss sie sich schweren Herzens, wie zuvor schon ihr Mann und ihr Vater, für das Exil. Während Slovo von London aus im Geheimen den bewaffneten Einsatz der südafrikanischen Untergrundarmee (Umkhonto we Sizwe) organisierte, verdiente First den Lebensunterhalt der Familie als Dozentin an der Durham University, verfasste bzw. publizierte zahlreiche Bücher und wurde durch ihre Teilnahme an Kongressen und öffentlichen Debatten zu einer der bekanntesten VertreterInnen des südafrikanischen Exilwiderstands.

Ruth First auf einem Plakat (Italien)

1977 begann ihre glücklichste Lebensphase – als Forschungsdirektorin des Instituts für Afrikanische Studien erhielt sie einen Lehrstuhl an der Universität von Maputo, Moçambique, und konnte so endlich in einem Land leben und arbeiten, dessen damals sozialistische Regierung offiziell Partei ergriff gegen das Apartheidsystem des südafrikanischen Nachbarn. Sieben Jahre später wurde sie dort in ihrem Büro an der Universität von einer Briefbombe getötet – der bis heute unbekannte Absender wird in militärischen Kreisen Südafrikas vermutet.
An ihrer Beerdigung nahmen Präsidenten, Parlamentarier und Botschafter aus 34 Ländern teil. Zwei Töchter dokumentierten ihr Leben (Gillian Slovo in ihrer Familienbiografie Every secret thing und Shawn Slovo in ihrem Film A world apart), wobei beide sehr offen das Drama ihrer Kindheit schildern – die Bewunderung für ihre großartige Mutter und die Wut über all die unverständlichen Geheimnisse, Gefahren und das Verlassenwerden.

Andrea Schweers

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Zitate

She was a special writer who loved debate and dialogue, and also a natural critic who challenged everything. But perhaps the most special contradiction was that she was a woman in a mostly male-dominated political world.
(Albie Sachs, Quelle)

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Links

African National Congress – Ruth First 1925-1982


African National Congress: Ruth First (1925-1982).

African National Congress Home Page


African National Congress Home Page. Weitere Artikel zu Ruth First über Suchfunktion abrufbar.

AIM25: Institute of Commonwealth Studies – FIRST, Heloise Ruth 1925-1982


AIM25: Institute of Commonwealth Studies: FIRST, (Heloise) Ruth (1925-1982). Archivbestand. Mit Kurzbiografie.

Answers.com – Ruth First


Answers.com: Ruth First – Biography and Much More.

Blockbuster Online – A World Apart


Blockbuster Online: A World Apart.

brainyquote.com – Ruth First Quotes


brainyquote.com: Ruth First Quotes.

Communist Party of South Africa 2000 – Ruth First Memorial Lecture


Communist Party of South Africa: Ruth First Memorial Lecture. 28. August 2000.

da Silva – The gift of free media


da Silva, Issa Sikiti: The gift of free media and speech – remembering Ruth First. Media community of South Africa, 19. Nov. 2006.

Mandela – Address by ANC president Nelson


Mandela, Nelson: Address by ANC president Nelson R. Mandela to the Ruth First tenth anniversary commemoration trust.

Marks – Ruth First


Marks, Shula: Ruth First: A Tribute. In: Journal of Southern African Studies, Vol. 10, No. 1, Special Issue on Women in Southern Africa (Oct., 1983), pp. 123-128.

Review of African Political Economy – Author Profile


Review of African Political Economy: Author Profile – Ruth First. Mit Links zu Texten von Ruth First.

Rhodes University – Biography of Ruth First


Rhodes University: Biography of Ruth First.

The Presidency - Republic of South Africa – The Order of Luthuli


The Presidency - Republic of South Africa: The Order of Luthuli in Silver. Ruth First. Mit Biografie.



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Literatur


Quellen
First 1991 – Gefangener Mut

First, Scott 1980 – Olive Schreiner


First, Ruth (1991): Gefangener Mut. 117 Tage in einem südafrikanischen Gefängnis. Frankfurt am Main: Fischer (Fischer-Taschenbücher Die Frau in der Gesellschaft, 4754).


First, Ruth; Scott, Ann (1980): Olive Schreiner. New York: Schocken Books. Mehr dazu: Fembiografie Olive Schreiner


Slovo, Shawn (1988): A world apart. London and Boston: Faber & Faber.


Slovo, Gillian (1997): Every secret thing. My family, my country. London: Little Brown & Co.


Weitere Werke von Ruth First

First 1963 – South West Africa

First 1965 – 117 days


First, Ruth (1963): South West Africa. Baltimore: Penguin Books (Penguin Africa library).


First, Ruth (1965): 117 days. New York: Stein and Day.


First, Ruth (1970): The barrel of a gun. Political power in Africa and the coup d’état. London: Allen Lane.


First, Ruth (1971): Portugals Krieg in Afrika. Freiburg: Informationszentrum Dritte Welt.

First 1970 – The barrel of a gun

First 1974 – Libya


First, Ruth (1974): Libya. The elusive revolution. Harmondsworth , Baltimore: Penguin (Penguin African library).


First, Ruth (1983): Black gold. The Mozambican miner, proletarian and peasant. Pictures by Moira Forjaz ; work-songs and interviews recorded by Alpheus Manghezi. Brighton Sussex , New York: Harvester Press; St. Martin’s Press.


First, Ruth; Davies, Robert H. (1981): Migrant labour to South Africa. Asanctions programme? London: Africa Bureau.


First, Ruth; Steele, Jonathan; Gurney, Christabel (1972): The South African Connection. Western Investment in Apartheid. London: Smith.


Mandela, Nelson; First, Ruth (1965): No easy walk to freedom. Articles, speeches, and trial addresses. Foreword by Ahmed Ben Bella. Introd. by Oliver Tambo. Edited by Ruth First. New York: Basic Books.

Weiterführende Literatur

Pinnock 1995 – Ruth First

Frankel 1999 – Rivonia's children


Frankel, Glenn (1999): Rivonia’s children. Three families and the cost of conscience in white South Africa. Über Hilda und Rusty Bernstein, Ruth First und Joe Slovo, James Kantor und Harold und AnneMarie Wolpe. New York: Farrar Straus and Giroux.


Pinnock, Don (1995): Ruth First. They Fought For Freedom – a biography. Cape Town: Maskew Miller Longman.

Wyk – Ruth First

Pinnock 1997 – Ruth First


Pinnock, Don (1997): Ruth First. Voices of Liberation: Volume 2. Pretoria: HSRC Publishers.


Wyk, Chris van: Ruth First. Gallo Manor: Awareness Publishing (Learning African History Freedom Fighters Series 2, 4).

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Hedwig Dohm