»Laut & Luise«
07.08.2011
Der Computer wird von InsiderInnen Rechner genannt: „Du musst den Rechner runterfahren und rebooten“ - so reden die Eingeweihten.
Obwohl ich seit 1983 einen Computer besitze (inzwischen mindestens den zehnten), ist mir erst in diesen Tagen, seit ich Julie des Jardins’ Buch über die „Hidden History of Women in Science“ lese, klar geworden, dass computer ursprünglich eine Berufsbezeichnung war: A writer writes, a computer computes, a worker works.
Wie ich aus des Jardins’ Buch gelernt habe, war das berufsmäßige Rechnen vor den Zeiten des Computers eine überwiegend weibliche Tätigkeit. In der Astronomie beispielsweise fielen endlose Stunden öder Rechenarbeit an - das war die Sache von Frauen. Männer waren dafür zu schade; ihnen oblagen die höheren und höher bezahlten Tätigkeiten des Theoretisierens und Interpretierens der errechneten Daten.
Manchen Frauen gelang es, aus dem Meer der Zahlen aufzutauchen und etwas theoretische Luft zu schnappen. Sie durften dann ihre epochalen Beiträge zur Astronomie leisten wie Annie Jump Cannon, Williamina Fleming, Henrietta Leavitt - dann aber wieder huschhusch zurück an die niedrigen Tätigkeiten des Zählens und Rechnens.
Da nun „computers“ ursprünglich Frauen waren, sollten da die Eingeweihten nicht eher von ihren „Rechnerinnen“ sprechen, um die weibliche Tradition zu ehren und die Unterdrückung im Gedächtnis zu bewahren?
Vielleicht. Andererseits spricht auch einiges dafür, diese Tradition endlich hinter uns zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen.
Immer eine gute Idee ist allerdings die Feminisierung unserer Umwelt. Zu diesem Zweck habe ich schon 1984 vorgeschlagen, das Gerät lieber Compute oder kurz Pute zu nennen. „Dumme Pute“ würde ich - eben wegen der weiblichen Tradition - nur für Momente krassen Ärgers anraten.
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Gibt es nun mehr Platz für Frauen in den höheren Rängen der Astronomie und anderer Naturwissenschaften, nachdem die Rechenarbeit an die Rechenmaschinen delegiert wurde? - Nicht wirklich, wie wir wissen.
Das Buch von des Jardins sollten alle lesen, die noch daran glauben, dass es in der Wissenschaft um Erkenntnisgewinn und objektive Wahrheit geht. Es geht vielmehr um Ruhm, Ehre und Profit - für sich selbst, die Firma, die Uni oder das Land. Weibliche Konkurrenz stört da nur, und außerdem: Wer übernimmt dann die Rechenarbeit, von der Hausarbeit zu schweigen? Es geht um die sog. Beherrschung der Natur, die oft weiblich gedacht wird. Frauen kommt es nicht zu, die Natur zu beherrschen; sie sind vielmehr selbst die Natur, der Mann ist der Geist, der sich die Natur unterwirft.
Diese kulturellen Muster sitzen tiefer in uns, als wir wahrhaben möchten. Jüngste Studien ergaben, dass Frauen, die sich um Graduiertenstipendien bewerben, eine fünfmal so hohe Leistung nachweisen müssen wie Männer, um als gleich qualifiziert wahrgenommen zu werden (des Jardins, S. 292). Um diese Ungerechtigkeit zu überwinden, fordert des Jardins in ihrem Fazit (S. 292):
Je mehr Frauen Zugang zu wissenschaftlichen Institutionen bekommen, umso mehr müssen wir über bloße Statistik hinausdenken. Wir müssen sicherstellen, dass die Prämissen, Fragestellungen und Zielsetzungen dieser Institutionen eine egalitärere, weniger polarisierende Kultur widerspiegeln als die, die im zwanzigsten Jahrhundert vorherrschte. Bis dahin wird „the scientist“ in der amerikanischen Vorstellung männlich sein und „the woman scientist“ ein Oxymoron, eine Frau, die sowohl unangenehm auffällt als unsichtbar bleibt.
Apropos unsichtbar: Im Mai zeichnete Bundespräsident Wulff die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs „Jugend forscht“ aus: drei junge Männer. 
Peinlich, peinlich - aber für die deutsche Wissenschaftslandschaft und Kultur nicht untypisch: Als ich im Jahre 1978 meine Habilprüfung an der sogenannten Reform-Universität Konstanz ablegen musste, saßen rund 60 Leuchten der Geisteswissenschaft über mich zu Gericht, allesamt männlich bis auf Senta Trömel-Plötz, soeben habilitiert und somit zum Kreis der Erlauchten zugelassen. Ich ging hinein wie zu einer Hinrichtung und habe nur knapp überlebt: Unklugerweise hatte ich meine Ideen so formuliert, dass auch die Herren aus den Fächern Philosophie, Geschichte und Literaturwissenschaft sie verstehen konnten - und das kam denen doch äußerst suspekt vor.
In der Welt drumrum geht es zum Glück schon weniger provinziell zu: Im Juli endete der erste Google Science Fair, an dem über 10.000 junge Leute aus 90 Ländern teilgenommen hatten.
In jeder der drei Altersgruppe ging der erste Preis an eine junge Frau, der Hauptpreis an die 17-jährige Shree Bose (Bild, Mitte), die über Eierstockkrebs forscht. Sie erzählt, dass alle Professoren ihre Bitte ablehnten, sie im Labor forschen zu lassen. Eine Professorin aber ließ sich darauf ein…
(Mehr Infos hier) Mit zu dem Sieg der Frauen beigetragen hat sicher auch die Tatsache, dass in der zwölfköpfigen Jury immerhin fünf Frauen saßen. Beim Teilwettbewerb Jugend forscht: Sachsen bestand die Jury aus 21 Männern und 3 Frauen - in den anderen Bundesländern dürfte es ähnlich gewesen sein.
(Dank an Senta Trömel-Plötz für den Hinweis auf Julie des Jardins’ The Madame Curie Complex: The Hidden History of Women in Science. (2010)).
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30.07.2011
Nach vier Wochen skrupellosen Polit-Theaters um die Erhöhung der US-Kreditgrenze kennen sicher alle John Boehner: Republikaner, Sprecher des US-amerikanischen Repräsentantenhauses und hauptverantwortlich für die derzeitige Krise. Sollte Obama und seinem Vize etwas zustoßen, wird Boehner als Speaker of the House automatisch Präsident der Vereinigten Staaten. Bis zum Januar dieses Jahres war diese Ehre bzw. Bürde noch für Nancy Pelosi vorgesehen.
Obama, Boehner, Pelosi - lauter interessante Namen, die von ihrer unterschiedlichen Abstammung aus Afrika, Deutschland und Italien künden.
Boehners Vorfahren wanderten wahrscheinlich, wie so viele andere Deutsche, nach der fehlgeschlagenen Revolution von 1848 in die Staaten aus. Der deutsche Name Böhner ist für AmerikanerInnen schwer auszusprechen. Während Deutsche meist beflissen “Nju Jork” sagen und nicht “Neff Jork”, sagen AmerikanerInnen entweder “Mjunick” (Munich) oder “Mantschen”, und der Unterschied zwischen München und Mönchen spielt auch keine Rolle, wie wir bei der Berichterstattung über die Fußball-WM aus „Mantschen-Glädbäck“ hören konnten.
Die normale amerikanische Aussprache von “Boehner” klänge wie „boner“ - ein Slangwort für einen „Steifen“ oder „Ständer“ (von bone „Knochen“).
Diese Assoziation möchte Boehner gern vermeiden. Also lässt er seinen Namen wie „Bayner“ aussprechen. Alle halten sich freundlich an diese Ausspracheregelung.
Neulich scherzte Boehner, er sei immerhin froh, dass er nicht „Weiner“ heiße (wie der demokratische Abgeordnete Anthony Weiner, der Ende Juni wegen eines Sex-Skandals seinen Parlamentssitz räumen musste). Weiner wird in den USA wie „wiener“ ausgesprochen, und wiener ist ein weiteres Slangwort für den Penis wegen “Wiener Würstchen”, auf US-amerikanisch kurz „wieners“. Anthony Weiner hatte versäumt, für seinen Namen eine asexuelle Aussprache zu verordnen („winner“ wäre doch besonders nett gewesen). Und so kam zu dem Schaden, den er sich durch sein Verhalten selbst zugefügt hatte, noch der Spott hinzu. Ganz Amerika lachte über Weiner und seinen wiener.
Würden die US-AmerikanerInnen die deutschen Namen deutsch aussprechen, hätten weder Boehner noch Weiner ein sprachliches Penis-Problem. Anders liegt der Fall bei dem Dirigenten Christof Prick. Denn bei „prick“ ist nicht die Aussprache das Problem, sondern das Wort selbst ist ein weiteres Slangwort für den Penis; es wird sogar als Schimpfwort für Männer benutzt: „What a prick!“ Christof Prick behilft sich damit, dass er sich Perick nennt. Warum, das wird nicht verraten auf seiner FrankenWiki-Seite. Wenig auskunftsfreudig heißt es da nur: „Im amerikanisch-englischen Sprachraum tritt Christof Prick unter dem Namen Christof Perick auf.“
Noch ein Slangwort für den Penis ist Dick. Früher störte das anscheinend niemand, weder Dick Nixon („Tricky Dicky“), Dick Cheney noch Dick Francis. Heute allerdings ist mann empfindlicher, höre ich, und als Kurzform für Richard sind nur noch Rick, Ricky oder Ritchie in Gebrauch.
Ich bin keine Männerforscherin, aber so viel habe ich schon verstanden, dass sich beim Manne fast alles um sein bestes Stück dreht. Andererseits ist es nicht professionell, einfach alles raushängen zu lassen, im Gegenteil. Im öffentlichen, professionellen Bereich sind beim Manne Assoziationen an sein Geschlecht und erst recht sein Geschlechtsteil tabu. Erst kommt das Business, und erst danach die Verbrüderung im Sex Club. Das Geschlechtliche wird seit altersher auf die Frau projiziert, um nicht zu sagen: der Frau vorgeworfen und zur Last gelegt. In der Öffentlichkeit ist nur die Frau ein Geschlechtswesen, der Mann steht dadrüber. Bei offiziellen Anlässen, z.B. der Oscar-Verleihung, erscheint der Mann stets hochgeschlossen, und die Frau lässt alles raushängen, so nackt wie gerade noch vertretbar. Selbst männliche Sexsymbole wie Brad Pitt oder Leonardo die Caprio erscheinen nicht im Lendenschurz, sondern im Smoking. Und diese Kleidervorschriften haben nicht Frauen gemacht.
Der Frau wird also genau das vorgeschrieben, was der Mann für sich als tabu setzt: die Identifikation mit dem geschlechtlichen Aspekt der Persönlichkeit. Feministinnen ignorieren die Vorschrift und kleiden sich, wie sie wollen. Frauen, die in der Männerwelt Karriere machen wollen, müssen auf einem unmöglich schmalen Grat balancieren: Sie sollen sexy sein “wie eine Frau” und „professionell wie ein Mann“. Im Weltbild des Mannes schließen sich Sex und Kompetenz allerdings gegenseitig aus. Die Erinnerung an sein Geschlecht untergräbt die Autorität des Mannes.
Untergraben wir also fleißig. Fürs erste könnten wir John Boehners Namen normal aussprechen - in aller Unschuld natürlich.
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24.07.2011
Das „Massaker von Utøya“ - auf diese Bezeichnung scheinen die Medien sich geeinigt zu haben. Kein „Amoklauf“ wie in Winnenden - dazu ging der Täter wohl zu planmäßig vor, indem er durch sein „Ablenkungsmanöver“ der Bombe im Regierungsviertel sämtliche Polizeikräfte ins Zentrum von Oslo lenkte, um dann auf der Ferieninsel ungestört in 90 Minuten 68 Jugendliche abzuknallen.
Mir ist kein Massaker bekannt, in dem nicht Männer die Täter waren (eine schier endlose Liste von ihnen gibt es hier). Und mir ist kein Massaker bekannt, das irgendwelches öffentliches Nachdenken über die männliche Täterschaft ausgelöst hätte außer von Feministinnen, die dafür dann als Feminazis diffamiert und der „unzulässigen Verallgemeinerung“ beschuldigt wurden.
Aber Norwegen ist ein fortschrittliches und feministisch ziemlich hoch entwickeltes Land. Vielleicht beginnt jetzt, ausgehend von Norwegen, endlich ein Nachdenken über den „Gender-Aspekt“ dieses Massakers und aller anderen Massaker. Dann gäbe es nicht nur Schockstarre, Trauer und Abscheu, sondern vielleicht sogar Hoffnung.
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Das Wort Massaker von frz. massacre wird in den Lexika etymologisch sehr unterschiedlich erklärt. Manche sagen, der Ursprung sei unbekannt (Duden Herkunftswörterbuch). Andere verbinden es mit Metzeln, Metzger (Wiktionary englisch). Wieder andere mit mallet (Hammer) (dictionary.com).
Da also niemand so recht bescheid weiß, möchte ich hier einige feministische Vermutungen zum Ursprung des Wortes vortragen.
Auffällig, aber in den etymologischen Artikeln ebenso auffälligerweise niemals thematisiert, ist der Wortbestandteil sacre (heilig, geheiligt, Opfer), vgl. Sakrament, Sakralmusik, Sakrileg. Wir kennen es von Sacré Coeur, der Herz-Jesu-Basilika auf dem Montmartre (Märtyrerhügel!), von Strawinskys Sacre du Printemps (Frühlingsopfer). Das Ballett schildert die rituelle Opferung einer Jungfrau (!) im heidnischen Russland.
Das Alte Testament beginnt mit einem Brudermord (Kain und Abel), das Neue mit einem Massaker an Knaben unter zwei Jahren, dem Bethlehemitischen Kindermord (engl. Bethlehem massacre).
In „christlichen“ Religionskriegen und auf Kreuzzügen massakrierten sich die Anhänger unterschiedlicher Glaubensrichtungen gegenseitig. In der Zeit des Hexenwahns verbreitete die christliche Kirche Angst und Schrecken und brachte Zehntausende unschuldiger Frauen und Männer dem “rechten Glauben” zum Opfer.* Die Azteken brachten ihrem Sonnengott Menschenopfer dar. Im sogenannten Heiligen Krieg (Dschihad) moderner Spielart opfern Selbstmordattentäter sich selbst und möglichst viele andere zur höheren Ehre Allahs. Der Massenmörder von Oslo und Utøya präsentierte sich im Internet als Rechtsradikaler und christlicher Fundamentalist.
Es besteht eine unheilige Allianz zwischen Religionen mit einem männlichen Gott im Zentrum und Massakern im „heiligen“ Dienst an diesem herrischen Gott. Der Gott verlangt Opfer. Gläubige müssen für ihn sterben (als Märtyrer) und Ungläubige erst recht.
Zwar verkündete Jesus ein Evangelium der Liebe, aber er drang nicht durch; vielmehr wurde seine Botschaft im Laufe der Zeit ins Gegenteil verkehrt.
All diese Männerreligionen ziehen eine breite, endlose Blutspur durch die Jahrtausende. Es wird Zeit, dass wir ihnen abschwören und entweder gar keiner Religion mehr anhängen oder einer mit liebevollen Göttinnen, gemäß den alten feministischen Sprüchen: “God is coming - and is she pissed!” und “I’ve seen God, and guess what - She’s black.“ Vielleicht bringt das auch nichts, aber eine Chance hätten sie verdient. Die patriarchotische männliche Selbstvergottung mit Hilfe männlicher Götter hat jedenfalls wieder und wieder bewiesen, dass sie direkt ins Inferno führt.
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Nachtrag am 25.7.: “Der Massenmörder ist getrieben vom Hass auf Frauen, speziell Feministinnen”, das geht aus seinem 1500-Seiten-Manifest hervor, das er kurz vor dem Massaker ins Internet stellte. Emma bringt dazu eine Analyse von Michelle Goldberg. Dank an Anne Beck für den Hinweis.
Nachtrag am 28.7.: Amy Goodman von Democracy Now im Gespräch mit Jeff Sharlet über Rechtsextremismus und Hass auf Feministinnen in dem Internet- Manifest des Massenmörders Breivik. Dank an Brigitta Huhnke für den Hinweis.
Nachtrag am 31.8.: Regina Frey “Zur geschlechterpolitischen Verortung des Norwegen-Attentäters Breivik”.
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*Zum Thema Hexenverfolgung empfiehlt FemBio:
Joey Horsley. “Weise Frauen, Hebammen und die europäische Hexenverfolgung.” In Tönnies-Forum 3/92 1. Jg. (1992): 26-42 (PDF-Datei)
(aktualisierte, aber auf Vortragslänge gekürzte deutsche Fassung von “On the Trail of the ‘Witches’” siehe unten.)
Ritta Jo Horsley and Richard A. Horsley. “On the Trail of the ‘Witches’: Wise Women, Midwives and the European Witch Craze.” Women in German Yearbook 3. Marianne Burkhard and Edith Waldstein, eds. University Press of America, 1986. 1-28.
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16.07.2011
Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Fünfundfünfzigste Lektion.
Österreich hat ein neues Wort kreiert: die Töchterhymne. In der jetzt noch gültigen österreichischen Nationalhymne heißt es in der vierten Zeile: „Heimat bist du großer Söhne“ - und den großen Töchtern Österreichs missfiel es schon lange gründlich, dass sie in ihrer eigenen Nationalhymne unterschlagen werden. Das soll sich nun ändern. Die Frauensprecherinnen der ÖVP, der SPÖ und der Grünen erklärten am 13. Juli in einer Pressekonferenz, im Herbst solle die Änderung beschlossen werden, und ab 1. Januar könnte die neue Fassung - im Volksmund schon bekannt als die „Töchterhymne“ - gesungen werden. Statt „Heimat bist du großer Söhne“ soll es heißen „Heimat großer Töchter, Söhne“. Sogar die Reihenfolge - Ladies first - kommt hin, wenn auch nur des Reimes wegen: die entpatrifizierte neue Zeile muss sich reimen auf „Volk, begnadet für das Schöne“. Diese Zeile klingt allerdings eher nicht so begnadet.
Umgehend gründeten stramme Maskulinisten auf Facebook Anti-Töchterhymnen-Blogs, in denen wir die großen Söhne Österreichs beim beleidigten Schwadronieren beobachten können: Sie seien keine „Töchtersöhne“, maulen sie. Aber natürlich sind sie das, alle Männer - was denn sonst?
Der Artikel zum Thema, den der Standard veröffentlichte, generierte seither schon 2697 (!) überwiegend gehässige Kommentare der üblichen Art. Nicht einmal der österreichische Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle mochte die Töchter in der Nationalhymne sehen - vielleicht ist er nach endlosen Hänseleien in seiner Jugend gegen Töchter überhaupt allergisch?
Die österreichische Ex-Frauenministerin Rauch-Kallat, die den Antrag im Nationalrat hatte einbringen wollen und von ihren eigenen männlichen Parteigenossen durch absichtliche Bandwurmreden daran gehindert wurde, ließ weitere Taten folgen: Es kam die Pressekonferenz mit den Kolleginnen der anderen Parteien, dann ein vielbeachteter musikalischer Auftritt, in dem die Opernsängerin Ildiko Raimondi den eingeladenen Presseleuten vorsang, wie hübsch die „Töchterhymne“ in Wirklichkeit klingt, und dass selbst ein eingefügtes „und“ („Heimat großer Töchter und Söhne“) die Melodie nicht aus dem Takt bringt, höchstens den Text. Aber mit was für einem Gewinn. Die Facebook-Blogger können ihre Töchtersöhne-Schmollerei einstellen und sich endlich wieder den „wichtigeren Themen“ widmen. (Seltsam übrigens, dass das angeblich so unwichtige Thema „Geschlechtergerechte Sprache“ in sämtlichen Mainstream-Medien regelmäßig bei weitem die meisten Kommentare generiert, kurz: am wichtigsten genommen wird.)
Die österreichische Original-Söhne-Hymne wurde pikanterweise von einer Frau gedichtet. 1946 regte der Ministerrat das Volk mit einem Preisausschreiben zu Textvorschlägen für eine neue Nationalhymne an - das Nazi-Deutschlandlied mochte mann nicht mehr. 1800 österreichische Töchter und Söhne beteiligten sich, und Paula von Preradovic gewann, vielleicht weil sie - typisch weiblich - sich selbst und alle anderen Frauen übergangen hatte? Die Jury des Preisausschreibens war vermutlich rein männlich und hatte ihre Freude dran. Sie bastelten noch ziemlich robust an Paulas Text herum (Paulas Verlag erklärt heute das Reparatur-Ergebnis für heilig und lehnt nun jede Einarbeitung artfremder Elemente wie bspw. „großer Töchter“ ab).
Es ist des weiteren in der Hymne die Rede von einem Brüderchor - der soll vorerst nicht zu einen Schwestern- oder Frauenchor veredelt werden:
Einig lass in Brüderchören,
Vaterland, dir Treue schwören.
Vielgeliebtes Österreich,
Vielgeliebtes Österreich.
Auch das Vaterland soll vorerst erhalten bleiben.
Dieselben patriarchalischen Relikte finden wir ja auch in unserer Nationalhymne, der dritten Strophe des „Deutschlandlieds“:
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach laßt uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Diese feste Verbindung zwischen Nationalstolz und Machismo - die Brüder schließen sich zusammen unter Ausschluss der Frauen - sollte uns zu denken geben. Wollen wir diese Lieder für einen Männergesangverein überhaupt mitsingen? Wollen wir nicht lieber Tomaten werfen, wenn diese Hymnen erklingen? Wäre vielleicht schade um die vielen Tomaten, es wurden während der EHEC-Krise schon genug vernichtet.
Behalten wir also die - passend aufgehübschten - Hymnen ruhig bei, damit bei gewissen Anlässen (Olympiade, Gaylympics, Fußball-Weltmeistaschaft) das Nationalgefühl sich mit lautem Gesang ausleben kann. Aber sie sollten regelmäßig aktualisiert und den neuen Sensibilitäten angepasst werden, wie die Töchterhymne. Alle zehn Jahre eine Überprüfung, ob der Text noch erträglich ist. Andernfalls ein schönes Preisausschreiben, um die Hymne wieder auf Vorderfrau zu bringen.
(Dank an Heidi Hintner und Gertrude Eigelsreiter-Jashari für den Hinweis auf die schönen Neuheiten aus Österreich.)
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10.07.2011
Die Fußball-WM nähert sich ihrem Höhepunkt und Ende. Gestern haben wir hier in Boston per Internet das Spiel Deutschland gegen Japan gesehen und heftig mit den deutschen Spielerinnen getrauert. Heute sahen wir Brasilien gegen die USA - den spannendsten Fußballkrimi der Geschichte. Joey fieberte für ihr Land, ich für Brasilien, einfach weil es die Sache noch spannender macht, wenn wir uns für verschiedene Teams engagieren - von meiner Seite aber auch aus Verehrung für Marta, das Fußballwunder. Aber Abby Wambach und Hope Solo bewundere ich auch sehr, und eigentlich fand ich, Marta und Abby hätten nicht gegeneinander spielen sollen, weil eine ja verlieren musste, und das konnte doch den vielen Fans von beiden nur das Herz zerreißen.
Anyway, wir haben alles überstanden und sitzen schon wieder an der Arbeit. Gleich nach dem Spiel Deutschland gegen Nigeria wollte ich natürlich eine Glosse über Lesben im Fußball schreiben, aber Bastian Sick kam mir mit seinen Sicksismen dazwischen. Ich wurde bereits aus Leserinnenkreisen gemahnt, mich doch bitte zu der nigerianischen Lesbendiskriminierung und der lahmen Reaktion der FIFA zu äußern. Voilà:
Zunächst mal: Wen oder welche interessiert denn die Frage, ob eine Spielerin nun lesbisch ist oder nicht, noch nach so einem Jahrhundertspiel wie dem eben zwischen USA und Brasilien? Jedenfalls spielten weder Abby noch Marta mit Makeup (wie Bajmaraj) oder Nagellack (wie Kulig). Also sind sie wohl beide Lesben, oder? Aber Marta hat einen Pferdeschwanz, wie fast alle Brasilianerinnen. Also doch keine Lesbe? Aber sie spielt in einem US-Team, da müssen alle mindestens einen Pferdeschwanz tragen, um mit den langen Haaren gegen den Lesbenverdacht anzuarbeiten. Denn sonst gibt es weniger Werbeeinnahmen. Aber Abby setzt sich einfach darüber hinweg.
Ach wer soll sich denn da noch auskennen. Über Lesben im Fußball ist seit dem Spiel gegen Nigeria schon viel Kluges gesagt worden, ich will das hier nicht wiederholen und gebe nur ein paar Links (Dank an Anne Beck für die Recherche):
http://www.l-talk.de/gesellschaften/homophobie-im-sport.html
http://www.taz.de/1/sport/wm-2011-tribuene/artikel/1/lesben-raus/
http://11freundinnen.de/newsticker/140702/WM-FIFA-kritisiert-homophobe-uerungen-von-Trainerin
http://www.frauenrat.de/deutsch/infopool/informationen/informationdetail/back/11/article/lesbenfeindlichkeit-auf-der-frauen-wm.html
http://www.tagesspiegel.de/kultur/fussballerinnen-in-der-nachschminkzeit/4278166.html
http://www.taz.de/1/sport/wm-2011-tribuene/artikel/1/suesse-maedels-zeigen-fussball/
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/35917
Die Lesben wollen demnach schon, dass die Lesben in der Nationalelf sich outen, damit wir aller Welt zeigen können: Seht her, wir Lesben sind auch was wert. Sehr verständlicher Wunsch. Genau so wie „die Deutschen“ Weltmeister werden wollen oder wenn ein Deutscher Papst wird, stolz ausrufen „Wir sind Papst“. Na dann kann ja nix mehr schiefgehen.
Also diese Sache mit dem Fanwesen und der Selbstvergrößerung durch Idole, die „wie wir“ sind oder „aus demselben Land wie wir“ ist komplex und allgemein menschlich.
Wir sollten also das Problem offensiv angehen statt defensiv à la „Don’t ask, don’t tell“ oder „die sexuelle Orientierung ist Privatsache und geht niemand was an“. Denn wie ich an anderer Stelle schon ausgeführt habe, ist „das Privatleben“ keineswegs Privatsache, sondern gesellschaftlich vorgeschrieben. Nur wenn ich die Vorschrift erfülle und das „richtige (heterosexuelle) Privatleben“ zum öffentlichen Vorzeigen habe, gibt es kein hämisches Gerede und Gemunkel und einen kräftezehrenden Stressfaktor weniger.
Warum wehren Männer sich so vehement gegen den Frauenfußball, dass sie ihn erst verbieten und dann, nachdem das Verbot aufgehoben ist, als Lesbenfußball diffamieren? Für mich ist das ja eher ein Ehrenprädikat, aber das sehen nicht alle so, besonders die Werbebranche nicht, und um die geht es ja hier. Kurz: Es geht um Geld und knappe Ressourcen. Sollte der Frauenfußball populärer werden, wird die Werbebranche entsprechend mehr investieren wollen - Geld, das dem Männerfußball verloren geht. Das Schreckgespenst Lesbe hat schon immer geholfen, ängstliche Frauen von Tätigkeiten fernzuhalten, die mehr Spaß machen als Kinderhüten, den Haushalt zu besorgen und den Gatten oder Freund rundum zufrieden zu stellen. Früher galten Frauen, die studieren wollten, als Mannweiber. Und erst Frauen, die in die Politik wollten. Oder zu Gericht sitzen. Oder von der Kanzel predigen.
Mann hat das Problem mit der weiblichen Konkurrenz schon immer mittels des Schreckgespensts Mannweib/Lesbe zu lösen versucht, in der Regel sehr erfolgreich, weil die Frauen mitgespielt haben. Der Mann definierte einfach alle MENSCHLICHEN Tätigkeits- und Interessengebiete als MÄNNLICH bis auf die Pflege des Haushalts, der Kinder und des Gatten - und schon hatte er alle Ressourcen für sich gepachtet.
Das Schreckgespenst Lesbe schadet ALLEN Frauen. Denn jede Frau, und sei sie noch so hetero, kann - solange das Schreckgespenst lebt und mächtig abschreckt - als Lesbe diffamiert und so ganz leicht aus dem Rennen um die knappen Ressourcen gedrängt werden. ALLE Frauen täten also gut daran, Lesben zum bewunderten Vorbild zu erheben oder sich als Lesben zu outen, um aus dem Schreckgespenst Lesbe eine ganz normale Frau zu machen, wie du und ich und Marta, Abby, Birgit, Nadine, Kim und Lira. Erst dann gibt es eine gleichberechtigte Konkurrenz um SponsorInnengelder und alle anderen Vergünstigungen, die die Männer lieber nicht mit uns teilen würden.
Ende der siebziger Jahre waren wir schon mal fast soweit, und die Schwulen beneideten uns glühend um die Solidarität zwischen Frauen, ob Lesbe oder Hetera. Inzwischen ist uns durch raffinierte Machopropaganda viel Terrain verloren gegangen, das es schleunigst wiederzuerobern gilt.
Diese Fußball-WM ist ein guter Anfang. Und wenn bei der nächsten WM die Lesben in der deutschen Nationalelf nicht mehr so gestresst werden durch den Kampf mit dem Stigma „Lesbe“, haben sie alle Kräfte für ihre fabelhaften Ballkünste frei, und „wir“ werden ganz bestimmt Weltmeista.
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02.07.2011
Heute früh schickten mir zwei LeserInnen den Link zu einem Interview der Sportschau vom 1. Juli über „die neue Fußballsprache“. „Sprachguru“ Bastian Sick gibt darin erschöpfend Auskunft zu der Frage „So spricht Frau Fußball, oder?“
Ähnlich wie bei den fast ausschließlich männlichen TV-Kommentatoren der Spiele dieser WM wollte mann offenbar auch hier keine Fachfrau zu Wort kommen lassen. Die internationale feministische Sprachkritik blickt auf 40 Jahre erfolgreicher Arbeit zurück, ohne die es auch für dieses Interview keinen Anlass gäbe - aber als Experte wird nun Bastian Sick herangezogen, der sich gerade dadurch auszeichnet, dass er zu dem gesellschaftlich relevantesten Problem der deutschen Sprache - nämlich wie sie mit Frauen umgeht - nichts Nennenswertes beizutragen hat und sein Publikum stattdessen lieber mit oberflächlichen Späßchen unterhält. Manche seiner Kolumnen habe ich gern gelesen - umso mehr enttäuschten mich seine sexistischen Ausfälle in diesem Interview.
Üblicherweise halte ich mich mit Auffassungen, wie Sick sie hier vertritt, nicht lange auf und verweise nur auf die Literatur zum Thema, die inzwischen Bibliotheken füllt. Da Sick aber ein großes Publikum bedient, ist es sinnvoll, seine Thesen zu untersuchen und zu widerlegen. Los geht’s:
Auf die Frage der Interviewerin Susanne Mayer „Was wäre denn die Alternative zum Manndecker? Ist es nicht absurd, von einer Manndeckerin zu sprechen?“ fällt Sick nichts Besseres ein als dies:
Es gibt viele schöne absurde Wörter im Deutschen, auf die ich nicht verzichten wollte. Zum Beispiel die Obmännin, die Landsmännin, die Schirmherrin, das Erdmännchenweibchen, Herrchens Frauchen, der weibliche Ein-Mann-Betrieb und natürlich die Damenmannschaft. Oder spricht man bereits von der “Fußballnationalfrauenschaft”?
Das letzte Wort ist eine hinterhältige Anspielung auf die NS-Frauenschaft (NSF), die Frauenorganisation der Nazis. Ein Schlag über die Gürtellinie, sozusagen. Diese Leistung verdient ein kräftiges „Sick Heil“!
„Schön absurd“ war es ja auch, unverheiratete Frauen mit „Fräulein“ zu bezeichnen und erwachsene schwarze Männer mit „boy“. Wir Frauen können auf Sicks Lieblingswörter schon lange verzichten und haben sie abgeschafft. Der springende Punkt ist hier nicht, ob Sick die Wörter schön findet, sondern ob die bezeichneten Personen damit lächerlich gemacht werden und ihre Identität beschädigt wird. Sicks Antwort ist eine unakzeptable Trivialisierung ernster Anliegen sprachlicher Identitätspolitik, die an verantwortlicher Stelle zum Glück nicht so leichtfertig auf Erdmännchen-Niveau abgetan werden.
Vom Fußball hat Sick auch nicht viel Ahnung. Haben Sie je das Wort „Torwärter“ gehört? Ich auch nicht. Aber Sick findet: “Kürzlich wurde ich gefragt, ob es für den Begriff ‘Keeperin’ keine deutsche Entsprechung gäbe. Es gibt sogar zwei: Torwartin und Torwärterin. Nicht zu verwechseln mit der ‘Torwartsfrau’, die gibt es auch, aber die hat andere Aufgaben.“
Neckisch, unser Sprachguru. Die nächstliegenden Wörter - Torfrau und Torhüterin - fielen ihm nicht ein. Ob er sich mit dem fragwürdigen Vorschlag “Torwärterin”, für den es kein männliches Pendant gibt (wir kennen höchstens den “Gefängniswärter”) wieder über weibliche Anliegen lustig machen will, ist nicht zweifelsfrei auszumachen. Interessanter als die „Aufgaben der Torwartsfrau“ wäre hier die Beobachtung, dass es im Deutschen weder den Torwartinmann noch die Torwartinfrau gibt, genau so wenig wie die Spielerinnenmänner oder -frauen als Pendant zu den Spielerfrauen, die immer zur Siegerehrung mit auf den Römerbalkon dürfen. Dabei wären die doch auch “schön absurd”.
Referee lehnt Sick auch ab. Da hat er mal Recht. Es heiße
“Schiedsrichter” oder kurz „Schieri“. Für die Frau “Schiedsrichterin“ oder kurz “Schierie” - hierbei aber mit “ie”!
Frau kommt aus dem Staunen nicht heraus. Erstens heißt es Schiri, nicht Schieri (aber das mag auch ein Tippfehler der Redaktion sein), und zweitens wird „die Schiri“ doch nicht am Ende mit „ie“ geschrieben. Wir sagen der Studi und die Studi. Eine Studie ist was anderes, die hätte vielleicht Bastian Sick verdient. Eine Studie zu “Sexismen bei Bastian Sick” bzw. “Sicksismen”.
Die Interviewerin findet: “Das Deutsche ist in vielen Bereichen eine Männersprache. Beim Sport zeigt sich das ganz besonders. Oder wie sehen Sie das?”
Darauf Sick:
Das Deutsche ist in dieser Hinsicht flexibler als manche unserer Nachbarsprachen. Im Englischen ist es nicht möglich, mithilfe eines Suffixes eine weibliche Form zu bilden; im Französischen kann man zwar zwischen “Sängerin” und “Sänger” (Chanteur/Chanteuse) und zwischen Kanzler und Kanzlerin (Chancelier/Chancelière) unterscheiden, nicht aber zwischen Arzt und Ärztin oder zwischen Präsident und Präsidentin. Das französische Wort “homme” bedeutet sowohl “Mensch” als auch “Mann”. Dagegen erscheint mir die deutsche Sprache weit weniger mannbezogen.
An dieser Antwort ist so ziemlich alles daneben. Natürlich ist es im Englischen möglich, mit Hilfe eines Suffixes eine weibliche Form zu bilden (z. B. actor/actress, waiter/waitress etc) - aber zum Glück ist das meist nicht nötig, da die englischen Personenbezeichnungen zu 99 Prozent wirklich neutral sind. Auf the writer, the doctor, the teacher, the nurse kann ich mich mit she oder he beziehen, je nach Geschlecht. Das geht im Deutschen nicht. Ich kann nicht sagen Der Schriftsteller betrat das Podium. Sie wurde mit herzlichem Applaus begrüßt.
Die deutsche Sprache weniger mannbezogen? Das ist Blödsinn. Alle Genussprachen sind “mannbezogen” und folgen dem Gesetz MAN = Mann als Norm. Zwar ist es schön, dass wir feminine Bezeichnungen leichter bilden können als andere Sprachen, aber dieser Vorteil wiegt doch das Fehlen neutraler Bezeichnungen nicht auf. Die männliche Bezeichnung wird für beide Geschlechter gebraucht; sie wird uns als neutral verkauft: 99 Sängerinnen und 1 Sänger sind auf Deutsch 100 Sänger, auf Französisch 100 chanteurs. Die Frauen können selbst zusehen, wo sie geblieben sind. Sie sind buchstäblich nicht der Rede wert.
Und zum traurigen Schluss wartet Bastian Sick noch mit diesem Unfug auf:
Frage: Ist ein radikaler Sprachwandel nicht längst überfällig, hin zu mehr Gleichberechtigung?
Sick: Der Wandel hat doch längst eingesetzt. Schauen Sie sich nur mal an, was die in der Schweiz machen! Dort werden seit einiger Zeit alle “geschlechtsspezifischen” Formen aus der Amtssprache getilgt. […] Selbst die Wörter “Vater” und “Mutter” sollen im Schweizer Amtsdeutsch künftig vermieden werden. Stattdessen soll man “der Elternteil” schreiben - oder - noch besser: das “Elter”! Der Muttertag wird dann wohl irgendwann zum “Tag des austragenden Elters” und der “Vatertag” entsprechend zum “Tag des einschenkenden Elters”.
Dass Sick da einer frauenfeindlichen Zeitungsente aufgesessen ist, hat er bis heute nicht mitgekriegt. Im Juni 2010 wurde der frei erfundene Elter-Unsinn von dem Schweizer Boulevardblatt Blick in die Welt gesetzt und sofort von allen Nachrichtenagenturen und Zeitungen abgeschrieben und verbreitet unter dem Motto: „Jetzt sind die Sprachfeministinnen endgültig durchgeknallt“.*
Diese Einstellung vertritt auch Sick, anders lässt sich die folgende Entgleisung nicht erklären:
Auch in Deutschland sind die Sprachkastrationsbeauftragten eifrig am Werk: Der Spielmannzug in meinem Heimatdorf hat sich vor einiger Zeit umbenannt in “Musikzug”. Ich sage dazu: “Das kann man machen, das muss frau aber nicht.”
Die „Fußballnationalfrauenschaft““ und die „Sprachkastrationsbeauftragte“ verdienen beide die saure Gurke oder die goldene Schwanzfeder für sexistischen Overkill. Früher hieß es immer, wir Feministinnen vergewaltigten die deutsche Sprache. Sie hat anscheinend im Laufe der Jahre das Geschlecht gewechselt: Nunmehr kastrieren wir sie.
Damit wollte Sick uns zum Schluß noch so richtig einen reinwürgen. Aber - um zum Fußball zurückzukehren - es ist ein Eigentor. Zuerst befindet unser Sprach-Schiri, gegen alle Vernunft und guten Sitten, die deutsche Sprache sei nicht besonders männlich. Andererseits meint er, sie werde kastriert. Ja wie denn nun?
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*Ich habe über die haarsträubende Geschichte, die das Sommerloch 2010 vom Juni bis zum September füllte, zwei Artikel geschrieben, einen für die NZZ und einen für die EMMA. Sie können sie hier nachlesen: Pusch/NZZ, Pusch/EMMA. Hilfreich könnte auch noch dieser Link sein, (mit weiterführenden Links): (Link aufrufen)
(Dank an Rolf Löchel und Doris Hermanns für die Zusendung des Links zum Sick-Interview).
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25.06.2011
Es gibt Frauenfußball und Fußballfrauen. Fußballmänner sagt man nicht, und Männerfußball nur dann, wenn von “Frauenfußball” die Rede ist.
Der „Deutschen Fußballnationalmannschaft“ ist in Wikipedia ein Eintrag von enzyklopädischer Gründlichkeit gewidmet. Dass es sich bei der Mannschaft, wie schon der Name sagt, um Männer handelt, wird ansonsten nicht weiter thematisiert, so selbstverständlich ist das. Neben dieser richtigen, eigentlichen Nationalmannschaft gibt es noch die „Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen“; auch ihr hat Wikipedia einen Eintrag gewidmet, der natürlich viel kürzer ist als der für die Männermannschaft.
In den Medien höre und lese ich in letzter Zeit immer häufiger das Wort Fußballfrauen statt etwa Fußballerinnen oder Fußballspielerinnen. Fußballdamen wäre noch ein bißchen kürzer, aber dennoch scheint es out zu sein: zu herablassend. Da hat immerhin die feministische Sprachkritik etwas bewirkt. Auch werden unsere Nationalspielerinnen nicht mehr zu Fußballmädchen geschrumpft wie ehedem. Fußballmädchen wird reserviert für den weiblichen Fußball-Nachwuchs.
Was ist gegen die Bezeichnung Fußballfrauen einzuwenden? Eigentlich nichts, nur symmetrisch ist sie halt nicht. Männliche Spieler heißen schlicht Fußballer oder Fußballspieler, nicht Fußballmänner.
Wörter auf -mann bezeichnen oft ungelernte oder dubiose Männerberufe und -machenschaften wie Milchmann, Müllmann, Staatsmann, Dunkelmann, Hintermann und Hampelmaann. „Klingelingeling, hier kommt der Eiermann“ - solche Lachhaftigkeit passt nicht zu unseren Helden der Nation, die für die nationale Ehre ihre Knochen hinhalten, wie uns immer versichert wird.
Aber „We’ve come a long way, baby!“ Frauen, denen der DFB noch bis 1973 das Fußballspielen verbot*, sind inzwischen Weltklasse, besonders die deutschen Spielerinnen. „Second class don’t turn me on at all“ - die zweite Klasse passt uns überhaupt nicht mehr.
Der heutige Präsident des DFB, Theo Zwanziger, gibt offen zu, dass Frauen besseren Fußball spielen als Männer: “[weil sie] fairer miteinander spielen, weil sie respektvoller miteinander umgehen, weil sie nicht diese knüppelharten Zweikämpfe führen, weil da nicht die brutalen Fouls passieren.” (Quelle: hier)
Was können wir tun, damit die Besseren nicht mehr wie Zweitklassige behandelt werden?
Wir könnten z.B. die Fußballstatuten dahingehend revidieren, dass eine Fußball-Nationalelf selbstverständlich die Nation repräsentieren sollte, sonst verdient sie ja den Namen nicht. Die Nation besteht bekanntlich zu 52 Prozent aus Frauen. Die Nationalelf sollte also aus 6 Frauen und 5 Männern bestehen. Wie bei einem „Mixed“, einem gemischten Doppel im Tennis oder Badminton, über das uns Wikipedia wie folgt belehrt:
Beim Mixed wird in der Regel das Spielsystem gegenüber dem Herren- bzw. Damendoppel verändert, um die geschlechtsspezifischen Besonderheiten besser einsetzen zu können (z. B. mehr Muskelkraft des männlichen Teamspielers). So besetzt z. B. beim Badminton der Mann im gemischten Doppel primär die Angriffsposition im hinteren Teil des Spielfeldes.
Wie üblich werden hier zwar nur die Stärken des männlichen Spielers erwähnt, die weiblichen existieren aber durchaus: Theo Zwanziger hat sie für den Fußball oben aufgezählt.
Eine gemischte National-Elf könnte auch unsere Fußballmänner auf Weltmeista-Niveau** bringen. Für die Spielerinnen hätte die Regelung den Vorteil, dass sie endlich für voll genommen würden und dieselben Privilegien einfordern und genießen könnten wie die Männer.
Für das weibliche Fanvolk ergäbe sich das seltene Schauspiel, dass Frauen von Männern einmal gleichberechtigt behandelt würden. Denn wenn es um das gemeinsame Gewinnen geht, hilft nur bedingungslose Kooperation, egal welche Gefühle mann außerhalb des Spiels für die Teamkameradin hegen mag.
Wird uns das nicht immer als leuchtendes Beispiel vorgehalten: Die Jungs lernen den Teamgeist schon als Kleinkinder auf dem Bolzplatz und stellen damit die Weichen für ihren Erfolg im Leben, Mädchen hingegen lernen es nie, denn die Fußball-Jugendkultur ist uns verwehrt (nicht mehr, es bessert sich allmählich, aber dennoch …).
Nach dem beliebten Top-Down- oder Trickle-down-Prinzip hätte eine Neuregelung Konsequenzen von der Bundesliga bis in den letzten Vorstadt-Fußballverein. Soll eine Nationalelf herangebildet werden, muss der weibliche Nachwuchs genau so gefördert werden wie der männliche - eine Zeitlang sogar mehr, bis die jahrzehntelange Bevorzugung der Jungs kompensiert ist.
Goldene Zeiten stünden uns bevor: Eine ganze fußballverrückte Nation könnte buchstäblich von Kindesbeinen an zu echter Gleichberechtigung erzogen werden - einfach, weil sonst kein Gewinn zu erzielen ist. Das gilt zwar überhaupt und in jeder irgendwie relevanten Hinsicht - aber so begreifen sie es vielleicht besser.
Die Jungs täten gut daran, sich für dieses Modell des Mixed-Fußballs noch rechtzeitig zu begeistern. Sonst ziehen die Besseren endgültig an ihnen vorbei zu immer neuen Höhen der Spielkunst und Faszination - und sie bleiben auf ihren „brutalen Fouls“ sitzen. Wir hätten dann eine “Fußball-Nationalelf” (weibliche Profis) und daneben eine “Fußballnationalmannschaft der Männer” (mit Amateurstatus).
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*Aus der Begründung des DFB in den fünfziger Jahren: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
**feministisch für “Weltmeisterinnen-Niveau”.
19.06.2011
Gestern hörte ich ein „Zeitzeichen“-Podcast vom 27. März zum 125. Geburtstag des Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969). Ich weiß leider nicht viel über Architektur, Architekturgeschichte und Design. Ich wußte nur, dass Mies van der Rohe die Neue Nationalgalerie in Berlin gebaut hat. Und seinen Barcelona-Sessel kannte ich. Ich wußte nicht einmal, was er für ein Landsmann war. Der Name klingt ziemlich niederländisch, aber in den fünfziger Jahren, auf der Höhe seines Ruhms, operierte Mies van der Rohe ja überwiegend von den Vereinigten Staaten aus, und in diesem Einwanderungsland haben die Leute bekanntlich alle möglichen Namen.
In der Sendung erfuhr ich, dass der Mann mit dem vollmundigen Namen ursprünglich Ludwig Mies hieß und aus Aachen stammt. Er war das jüngste Kind des Steinmetzmeisters Michael Mies und seiner Frau Amalie Mies. Frau Amalie war acht Jahre älter als ihr Mann und bei der Geburt ihres Jüngsten 43 Jahre alt. Ob Ludwig Mies mit der berühmten feministischen Soziologin Maria Mies verwandt ist?
Der Name Mies macht sich ja nicht gut für einen aufstrebenden jungen Mann, und so nannte Mies sich ab 1921 Mies van der Rohe. Seine Mutter war nämlich eine geborene Rohe. „Rohe“ hat allerdings auch nicht gerade positive Assoziationen. Warum nannte er sich nicht „van der Waal“ oder „van der Bilt“? Es scheint, dass er nicht nur sich selbst erhöhen, sondern zugleich seine Mutter ehren wollte. Diese Möglichkeit war und ist im deutschen Namensrecht ja nicht vorgesehen.
Der Name “Mies van der Rohe” hat was - und das liegt nicht nur daran, dass Mies sich damit durch außerordentliche Leistungen eben „einen Namen gemacht hat“. Die syntaktische Analyse beweist, dass Mies nicht nur in der Baukunst systematisch, innovativ und PR-bewusst vorging. Mit dem Bau seines neuen Nachnamens gelang ihm ein ziemlich schlauer PR-Trick.
Sein Motto war bekanntlich „Weniger ist mehr“, und er fügte wohl auch hinzu: „Verwechseln Sie bitte nicht das Einfache mit dem Simplen“.
Zunächst scheint es ja so, als habe er mit der Verlängerung seines Nachnamens seinem eigenen Grundsatz zuwidergehandelt. Das sieht aber nur so aus. Denn meist wird er dann schließlich doch nur Mies genannt. Ähnlich wie Rembrandt van Rijn auch immer nur Rembrandt genannt wird. Oder Leonardo da Vinci gern nur Leonardo. Von Michelangelo, Raffael, Elvis, Madonna und Angie ganz zu schweigen.
In Mies van der Rohes Branche ist weniger tatsächlich mehr, besonders in Sachen Namen: In der höchsten Liga nennt man die Künstler gern nur noch beim Vornamen. Es ist ein Adelsprädikat bildender Künstler - ähnlich wie das „die“ in „die Callas“.
Damit etwas vereinfacht werden kann, muss es aber zunächst mal eine gewisse Komplexität haben. „Mies“ lässt sich nicht vereinfachen - wohl aber „Mies van der Rohe“. In der Wortfolge „Mies van der Rohe“ klingt „Mies“ wie der Vorname, einfach weil er dort steht, wo wir üblicherweise den Vornamen erwarten. Im Niederländischen gibt es ja viele fremdartige Vornamen, zum Beispiel hieß Anne Franks Vertraute Miep Gies. Warum soll dann ein Mann nicht mit Vornamen Mies heißen?
Ludwig Mies hat also seinen Nachnamen verlängert, um ihn edel zum „Vornamen“ vereinfachen zu können. Raffiniert. Und was lernen wir daraus?
Zunächst mal, dass wir uns mit miesen Karten nicht einfach abfinden müssen, wir können was draus machen. Zweitens könnten wir unsere Nachnamen ebenfalls um die Namen unserer Mütter verlängern, um sie zu ehren. Ich hieße dann Luise Pusch van der Fries. Oder auch Luise van der Irmela, denn den Namen Fries hat meine Mutter ja auch von ihrem Vater. Ihre Mutter musste bei der Ehe den Namen Fries annehmen, undsoweiter: Auslöschung der mütterlichen Abstammung durch alle Generationen. Aber Irmela war ihr eigener Name.
Zurück zu Mies. Dem Prinzip „Weniger ist mehr“ folgte er in seinen Liebschaften kein bisschen. Und wie er seine Frau und seine drei Töchter behandelt hat, war auch nicht vom Feinsten. Und der Anteil seiner Gefährtin, der bedeutenden Innenarchitektin und Designerin Lilly Reich (1885-1947), an seinen Arbeiten gehört auch noch feministisch aufgearbeitet. Vermutlich haben sie den Barcelona-Sessel zusammen entworfen. Überhaupt hat sich Mies weder vor noch nach seiner Zeit mit Lilly Reich als Möbeldesigner betätigt, vgl. hier.
Aber um all das kümmern wir uns ein andermal.
Ich widme diese Glosse der großen feministischen Linguistin, Lesben-Forscherin und -Aktivistin Julia Penelope, die heute 70 Jahre alt wird. Sie legte ihren Nachnamen Stanley ab und nannte sich fortan Penelope, ob nach ihrer Mutter oder nach der mythischen Penelope, die sich der miesen Freier jahrelang erfolgreich erwehrte, ist mir nicht bekannt.
11.06.2011
Haben Sie auch immer „Ehekrise“ verstanden, wenn von der EHEC-Krise die Rede war?
Verwunderlich ist es ja nicht, denn Ehekrisen sind total normal, die EHEC-Krise hingegen hatten wir so noch nicht. Sie ist hoffentlich bald ausgestanden, die Ehekrisen aber gehen weiter.
Ansonsten aber gibt es zwischen EHE und EHEC wohl leider mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
EHEC soll überwiegend Frauen geschädigt haben - bei der EHE ist das keine Vermutung, sondern traurige Gewissheit. EHE hat Millionen mehr Frauen auf dem Gewissen als EHEC (Tod im Kindbett, Gewalt von EHE-Männern bis hin zum Mord, etc.) Das Krisenmanagement des Gefahrenherds EHE ist nicht nur kritikwürdig wie bei EHEC - es ist nicht vorhanden. Und so kommen jahraus jahrein zahllose Frauen durch EHE und EHE-ähnliche Zustände zu Schaden oder gar ums Leben.
Würden Sie nicht empört aufschreien, wenn jemand Ihnen ein EHEC-Bett verkaufen wollte? Aber vor einem EHE-Bett warnt uns niemand!
Diese giftigen Sprossen, die uns als Inbegriff der Gesundheit verkauft wurden - welche von uns denkt da nicht an die lieben Sprösslinge!
Und schließlich: Dieser eklige Erreger, tückisch, widerlich, brutal und manchmal tödlich. Hüten wir uns vor Erregern jedwelcher Art. Oder, wie eine wortgewaltige Lesbengruppe schon mal befand: Lieber Erregerin als Erreger!
05.06.2011
„Ist Petra Gerster schwanger?“ fragte mich Joey gestern bei den heute-Nachrichten. „Glaube ich nicht“, sagte ich, sie ist doch neulich fünfzig geworden. Und „neulich“ ist auch schon wieder Jahre her. Das sieht man ihr nicht an - aber schwanger ist eher unwahrscheinlich.
Während wir noch rätselten, weshalb sie mit ihrem Outfit einen schwangeren Look anstrebt, trat Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein ganz ähnlich gewandet auf. Als Wetterfrau Inge Niedek angekündigt wurde, rief Joey: „Ob sie wohl auch diese Mode vorführt?“ Und tatsächlich - sehen Sie selbst.



Offenbar waren die drei ZDF-Moderatorinnen gestern Abend alle von derselben Firma eingekleidet worden: Weißes Top, darüber ein eng anliegendes Jäckchen, neckisch gerafft wie bei Frontfrau Petra Gerster, so dass der Eindruck entsteht, die Jacke schlüge unfreiwillig Falten und die Schwangere platze bereits aus allen Nähten. Die beiden anderen Moderatorinnen ebenfalls taillenbetont zugeknöpft und oberhalb und unterhalb der Taille interessant Wäsche hervorblitzen lassend, aber in klassischem Schwarzweiß à la von der Leyen.
Der Schwangeren-Look erinnerte uns an die Kinderkleidchen, die viele Frauen derzeit anstelle von Blusen tragen. Sie verkleiden sich als kleine Mädchen, zugleich erwecken sie aber einen schwangeren Eindruck:



Brigitte.de schreibt in ihrem Luxuslexikon über die neue Mode unter dem Stichwort Empire:
Elegant, anmutig, mädchenhaft zart: Ein Empire-Kleid schmeichelt der Figur mit seiner hoch unter dem Busen sitzenden Taille und dem weich fließenden Stoff und macht eine schöne Silhouette. Beim Anblick eines zarten Empire-Kleides denkt man an die Frauenfiguren, die Jane Austen schuf.
Form: Erkennungsmerkmal eines Empire-Kleides ist die hohe Taille direkt unter dem Busen, den ein Band hält. Die Kleider gibt es in allen Längen, als Abendkleider ärmellos. Im Empire waren kleine Puffärmel beliebt. Heute ist der Stil wieder angesagt, nicht nur Kleider, auch viele Blusen und Jacken haben eine geraffte, hohe Taille.
Aha, da trugen die drei Moderatorinnen also den angesagten Empire-Stil zur Schau: Eine Empire-Jacke mit (bei Gerster sehr) geraffter, hoher Taille!
Die „beliebten kleinen Puffärmel“ machen die Trägerin noch kindlicher (bei Brigitte heißt das „mädchenhaft“). Zusammen mit dem hochgeschürzten Busen und der Schwangeren-Anmutung eine total geile Sache, die jeden Mann verrückt machen muss. Assoziationen an den Babystrich und Kinderpornographie sind seitens der Modemacher vermutlich intendiert, dürften aber weit von der Hand gewiesen werden. Dennoch ist unbestritten: Wer Puff-Ärmel sagt, muss auch Puff Sagen.
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