FemBio-Special: Berühmte Komponistinnen

Louise Farrenc

geboren am 31. Mai 1804 in Paris
gestorben am 15. September 1875 in Paris

französische Komponistin, Pianistin und Musikwissenschaftlerin


Vorbemerkung zum 200. Geburtstag:

Der 200. Geburtstag der bedeutenden französischen Komponistin Louise Farrenc wird, ähnlich wie der ihrer Landsfrau und (auf wenige Monate exakten) Zeitgenossin George Sand (1804-1876), international mit vielen Veranstaltungen gefeiert – eine Tatsache, die wir der unermüdlichen Aufklärungsarbeit der neuen Frauenbewegung verdanken und die vor zehn Jahren noch undenkbar schien – damals kannte fast niemand Louise Farrenc. Zwar sind es nicht ganz so viele Feiern wie im letzten Jahr zu Hector Berlioz’ 200. Geburtstag – aber immerhin. Das FrauenMusikForum Schweiz (http://www.fmf.ch) meldet:

“Die ersten grossen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag … finden in Bern statt. Drei Konzerte und zwei Vorträge sind dem Schaffen und dem Leben der romantischen Musikerin und Musikwissenschaftlerin gewidmet. An drei Abenden präsentieren die diesjährigen Portrait-Konzerte des FMF die kammermusikalischen Meisterwerke der Reicha-Schülerin. …
Vom 28.-31. Mai 2004 findet unter dem Titel “Louise Farrenc und die Klassik-Rezeption in Frankreich” ein Internationales Symposium der Fachgruppe Frauen- und Geschlechterforschung der Gesellschaft für Musikforschung im Sophie Drinker Institut in Bremen statt. Ebenfalls im Mai 2004 werden in der Bibliothèque nationale de France in Paris Handschriften der Komponistin ausgestellt. Am 6. Oktober 2004 findet in Tokyo ein festliches Konzert zu Ehren der Komponistin statt. Die Gesamtedition der Werke von Louise Farrenc ist nun vollständig erhältlich.”

Leben und Werk:

“Sie ist eine große Frau mit vergeistigten Zügen, fast männlicher Erscheinung, silbernem Haar, ergraut weniger vom Altern als durch das Fieber ihrer Gedanken, mit einer breiten und hohen Stirn, die eine Begabung zum Kombinieren offenbart, mit festem und leicht forschendem Blick...” - so beschrieb ein zeitgenössischer Kritiker die Komponistin. Ein anderer schilderte sie als “eine distinguierte, aber strenge und kühle Erscheinung… reserviert, blaß und asketisch.”

In einer freiheitlichen Umgebung aufgewachsen, genoß Louise Dumont schon als Kind ein reiches kulturelles Bildungsangebot. Mit fünfzehn Jahren begann sie ein Kompositionsstudium bei Anton Reicha am Pariser Konservatorium. Mit siebzehn heiratete sie den Flötisten Aristide Farrenc, der später als Musikverleger ihre ersten Klavierwerke druckte und ihr bei der Organisation ihrer Konzerte half. 1826 wurde ihr einziges Kind, die Tochter Victorine, geboren (sie wurde wie ihre Mutter Komponistin und Pianistin; 1859 starb sie, mit 32 Jahren, an Tuberkulose). 1834 schrieb Farrenc ihre ersten Orchesterwerke. 1842 wurde sie zur Professorin für Klavier am Pariser Konservatorium ernannt, wo sie - als einzige Frau auf einem solchen Posten - bis zu ihrer Pensionierung junge Mädchen und Frauen unterrichten durfte. Eine besondere Auszeichnung erhielt sie 1862, als ihr die Akademie der Künste den begehrten “Prix Chartier” fur ihre Orchesterwerke verlieh.

Doch Louise Farrenc verstand sich nicht nur als Komponistin und Pianistin, sondern arbeitete auch lebenslang auf musikwissenschaftlichem Gebiet. Zusammen mit ihrem Mann gab sie eine 23bändige Notensammlung für Tasteninstrumente von 1500 - 1850 heraus: “Le Trésor des Pianistes”, eine sorgfältige Zusammenstellung der besten Werke vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, wobei jedem Stück historische, biographische und interpretatorische Angaben beigefügt wurden. Diese bedeutende Sammlung hat heute noch Bestand. Als ihr Mann gestorben war, edierte sie sie neun Jahre lang allein.

Nach ihrem Tod vergaß man sie, bis sich die neue Frauenbewegung wieder auf sie besann. Derzeit wird an der Universität Oldenburg im Rahmen eines großangelegten Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Freia Hoffmann eine mehrbändige Ausgabe der Werke Louise Farrencs herausgegeben. Ihre erste und dritte Sinfonie wurden aufgrund dieser Vorarbeiten vom Radio-Philharmonie–Orchester Hannover des NDR bereits auf CD eingespielt. Ihre Werke sind bis ins Detail thematisch ausgearbeitet, formal überzeugend und voller melodischer Einfälle. Farrenc stützt sich auf die Tradition der Wiener Klassik, die sie mit farbiger Instrumentation und harmonisch-romantischem Gestus zielstrebig weiterentwickelt. Auch ihre Kammermusik, darunter ein Nonett und ein Sextett, bietet viel Genuß fürs Ohr.

(zu Farrencs 125. Todestag im Jahr 2000
Für FemBio aktualisiert von Luise F. Pusch)

Eva Rieger

Louise Farrenc

Friedland, Bea. 1980. Louise Farrenc 1804 to 1875. Composer - Performer - Scholar. Diss. Ann Arbor, Mich.: UMI Press

Legras, Catherine. 2003. Louise Farrenc, compositrice du XIXe siècle: musique au féminin. Paris. L’Harmattan.

Roster, Danielle. 1995. Allein mit meiner Musik: Komponistinnen in der europäischen Musikgeschichte. Echternach, Luxemburg. Editions Phi.

Weissweiler, Eva: 1981. “Louise Farrenc : Eine Zeitgenossin von Hector Berlioz”, in: dies., Komponistinnen aus 500 Jahren: Eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen. Frankfurt/M. Fischer TB 3714. S. 246-262

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Hedwig Dohm