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(Dame Ellen Patricia MacArthur)
geboren am 8. Juli 1976 in Whatstandwell, Derbyshire
britische Hochseeseglerin und Stiftungsgründerin
50. Geburtstag am 8. Juli 2026
Biografie • Zitate • Weblinks • Literatur & Quellen
Biografie
„Königin der Meere“ wurde sie genannt, nachdem sie – meist als jüngste Teilnehmerin in einem von Männern beherrschten Feld – die anspruchsvollsten Segelregatten meisterte. Im Alter von nur 30 Jahren, wenn Andere erst so richtig loslegen, zog sie sich vom Wettkampfsport zurück, um sich auf eine andere Weise dem Meer zuzuwenden: Bei ihren zahlreichen Törns war ihr das viele Plastik im Meer aufgefallen. Ihre neue und nicht weniger ambitionierte Aufgabe war der Einsatz für eine Reduzierung von Plastikmüll und damit eine andere Ressourcennutzung innerhalb der Weltwirtschaft – die Kreislaufwirtschaft.
Ellen wächst als Kind eines LehrerInnenpaars mit einem älteren und einem jüngeren Bruder im ländlichen Derbyshire auf, weit weg vom Meer. Doch schon im Alter von vier Jahren kommt sie auf den Geschmack, als sie ihre Tante Thea in deren Segelboot auf einen Törn begleiten darf. Auch sonst ist sie ein praktisch veranlagtes Kind: Stundenlang beschäftigt sie sich mit Pappkartons, Schere und Klebeband, „hilft“ dem Großvater in seiner Steinmetzwerkstatt, tobt in der Natur herum, liest aber auch gerne Abenteuerbücher und Spionageromane. Der Besuch des Ballettunterrichts hingegen endet in einem Fiasko: „Mum, bevor ich ins Ballett gehe, falle ich lieber tot um.“
Das Segelerlebnis auf Tante Theas Boot hat sie für alle Zukunft angefixt. Nun verbringt sie ihre Freizeit damit, alles über Schiffe und die See zu lesen und beginnt umgehend damit, auf ein eigenes Boot zu sparen. Das ist gar nicht so einfach, mühsam kommt ein Penny zum anderen. Jahrelang spart sie an ihrem Mittagessen in der Schule; die Ersparnis wandert in die Sparbüchse. „Ich war total fokussiert. Ich hätte mittags etwas anderes essen können, aber das tat ich nicht, weil ich dieses Boot kaufen wollte, mit dem ich um die Welt segeln würde. Ich habe für nichts Geld ausgegeben, weil ich auf ein Boot sparte.“ Die einzigen Geschenke zum Geburtstag und zu Weihnachten, die sie – außer Geld – akzeptiert, sind Segel- und Bootsbaukurse, die sie ab ihrem elften Lebensjahr besucht.
Nach einem Praktikum bei einem Tierarzt beschließt Ellen, später Tiermedizin zu studieren. Doch das Lernpensum für ihre Abschlussprüfungen und zugleich ihr Engagement bei ihren Segelkursen – ihr Ziel ist die Hochsee-Skipper-Prüfung, um allein auf dem Meer segeln zu dürfen – sind zu viel: Sie erkrankt an Pfeifferschem Drüsenfieber. Obwohl sie tief in ihrem Innern weiß, dass das Studium nicht das Richtige ist, hält sie vorerst an ihren Plänen fest. Während ihrer Krankheit entdeckt sie in einer Segelzeitschrift ein Verkaufsangebot für eine kleine und reparaturbedürftige, aber hochseetaugliche Yacht, in die sie sich umgehend verliebt. Mit ihren Ersparnissen und dank eines finanziellen Zuschusses ihrer Großmutter erwirbt sie die Yacht, die sie Iduna nennt – nach der nordischen Göttin für Jugend und Unsterblichkeit. Mit dem „Yachtmaster“ in der Tasche – als jüngste Britin überhaupt – beginnt sie das erste ihrer großen Segelabenteuer: Sie umrundet, gerade 18-jährig, mit der Iduna Großbritannien. Im selben Jahr wird sie zur Young Sailor of the Year gewählt.
Anschließend nimmt Ellen einen Job auf einer Open 60-Yacht an – einer hochmodernen Segelyachtklasse, die dazu entwickelt wurde, Langstreckenregatten zu bestreiten – und lehrt Segeln an der Nautical School in Hull, wo sie selbst das Segeln lernte. Ihr nächstes Ziel ist die Überquerung des Atlantiks. Das Tiermedizinstudium rückt in weite Ferne. Sie weiß, wenn sie das Segeln zu ihrem Beruf machen will, sollte sie an der Küste wohnen – und zieht daher an die Südküste in der Nähe von Southampton.
Auf der Internationalen Bootsausstellung in London lernt sie Mark Turner kennen, einen erfahrenen Hochseesegler, der zu ihrem Förderer wird. Mit ihm plant sie für 1997 die Teilnahme an der Mini-Transat, eine Einhand-Segelregatta, die von Brest über Teneriffa nach Martinique führt. Ellen MacArthur bevorzugt Einhand- vor Mannschaftsrennen, d.h. sie allein hat die Verantwortung; sie allein muss sich um alles kümmern; auf sie allein kommt es an, wie welche Probleme an Bord gelöst werden. Als Vorbereitung für dieses Projekt bekommt sie im Sommer 1996 die Gelegenheit, mit einem Skipper zusammen ein Boot von Boston nach Les Sables d’Olonne zu überführen, wo es für die berühmte Vendée Globe vorbereitet werden soll. Dies ist ihre erste Atlantiküberquerung.
Den allerwenigsten Skippern gehören die Yachten, auf denen sie Regatten bestreiten. Es kommt also darauf an, solvente Sponsoren zu finden, die so sehr von ihrem Erfolg überzeugt werden können, dass sie Millionen von Euro in das Projekt stecken, um entweder eine taugliche Yacht zu mieten und auszustatten oder gar ein neues Boot bauen zu lassen. Das bedeutet: mit vielen Menschen sprechen, die eigenen Pläne detailliert vorstellen, Anträge und Exposés schreiben. Mit Hilfe Mark Turners kann sie Kingfisher als Hauptsponsor gewinnen, einen multinationalen Handelskonzern, obwohl deren Manager zunächst skeptisch sind: Ellen ist ihnen mit ihren 20 Jahren zu jung und hat zu wenig Erfahrung. Dass sie eine Frau ist, spielt zumindest vordergründig keine Rolle. Ellen MacArthur betont selbst immer wieder, dass trotz der starken männlichen Dominanz im Segelsport ihr Geschlecht nie eine Rolle gespielt habe oder sie deswegen nicht ernst genommen worden sei.
Bei der Mini-Transat belegt sie noch einen für sie enttäuschenden 17. Platz, aber bereits ein Jahr später kann sie in ihrer Bootsklasse den Sieg beim Round Britain and Ireland Yacht Race feiern, ebenso einige Monate später beim Segelklassiker Route du Rhum von Saint-Malo nonstop nach Guadeloupe. Über alle Bootsklassen hinweg erreicht sie einen beachtlichen fünften Platz.
Das Jahr 2000 und damit der nächste Start der Vendée Globe rückt immer näher. Ellen ist fest entschlossen, hieran teilzunehmen, aber es fehlt das passende Boot. Bisher ist sie mit gemieteten Yachten gesegelt, aber bei rauer See und anderen Herausforderungen musste sie feststellen, dass sie sich mit den für mindestens 1,80 m große Männer gebauten Ausmaßen an Bord unnötig schwertut und mit ihren 1,61 m an manche Reeps und Klampen gar nicht heranreicht. Ihr Sponsor Kingfisher kann überzeugt werden, dass ein Boot hermuss, das genau auf ihre Körpermaße abgestimmt ist. Während die ultramoderne Open 60-Rennyacht mit aller erdenklichen Ausstattung in Neuseeland gebaut wird, gewinnt Ellen MacArthur die Transatlantik-Regatta „Europe 1 New Man STAR“ von Plymouth nach Newport/USA, wofür sie 14 Tage, 23 Stunden und 11 Minuten braucht. In den südlichen Polarmeeren hat sie keine Erfahrung, die aber für die Vendée Globe unerlässlich ist. Somit beschließt sie, ihre neue Yacht selbst von Neuseeland nach Frankreich zu überführen. Die Fahrt geht durch den Pazifik, um Kap Hoorn und dann den Atlantik nach Frankreich.
Die Vendée Globe, die prestigeträchtigste Segelregatta überhaupt, findet alle vier Jahre statt und dauert etwa drei Monate. Die Route geht von Les Sables d’Olonne durch den Atlantik nach Süden, um das Kap der Guten Hoffnung, einmal rund um die Antarktis und anschließend um Kap Hoorn wieder durch den Atlantik zurück nach Les Sables. Unterwegs darf nirgendwo angehalten, Proviant an Bord genommen und zu keiner Zeit Hilfe von außerhalb angenommen werden. Reparaturen müssen allein ausgeführt werden, und sofern dafür eine Ankerung unerlässlich ist, darf kein Hafen angesteuert werden und das Boot niemals oberhalb der Hochwasserlinie des Ufers liegen. Auch medizinische Probleme müssen die SkipperInnen selbst lösen. Wer gegen diese Regeln verstößt, wird disqualifiziert. Aber nicht nur diese Auflagen sieben unter den TeilnehmerInnen aus, sondern vor allem die Bedingungen auf See: Sturm, Monsterwellen, Kollisionen mit anderen Schiffen, Walen oder Eisbergen, gebrochene Masten, davongeflogene Segel, ausgefallene Bordelektronik, medizinische Notfälle. So ist das Ziel vieler TeilnehmerInnen nicht unbedingt einer der vorderen Plätze, sondern überhaupt die Regatta heil und gesund zu bestehen. Rund 7000 Menschen waren bisher auf dem Mt. Everest, 600 im All – aber nur etwa 200 Personen haben die Vendée Globe beendet, davon ca. ein Dutzend Frauen. Ellen MacArthur will selbstredend dazugehören, aber sie will auch einen der vorderen Plätze belegen. Eine abfällige Bemerkung eines „alten Hasen“ über sie ist für die ehrgeizige junge Frau der beste Ansporn.
Die Vendée Globe ist noch anstrengender als befürchtet. „Die Kingfisher gab ihr Bestes, um sich an die Oberfläche der Wellen zu klammern, so wie ich mich an ihr festzuklammern versuchte. Ich wurde herumgeworfen, schlug immer wieder gegen das Deck, wurde nach unten geschleudert, wenn wir von einer Welle hinabfielen, während der Rumpf bereits wieder hochkam – der Wellengang war erbarmungslos. Bei jedem Aufprall schloss ich die Augen, biss die Zähne zusammen und krallte mich fest. […] Meine Hände waren wund und geschwollen, der Kopf tat weh – noch schlimmer wurde es, wenn ich nach vorne ging, um die Segel zu wechseln, und das eiskalte Wasser überschlug. Meine Hände waren offen, mit Blasen übersät, wund vom Salz und an manchen Stellen verschorft, und der Schweiß, der in der Hitze seinen Weg in die kleinsten Ritzen und Aufschürfungen fand, brannte. Selbst die leichtesten Tätigkeiten, schon das Sitzen auf dem Hintern, wurden zu einer unerträglichen Qual.“ Eine der großen Herausforderungen ist die Müdigkeit, denn Schlafen ist nur minutenweise, bestenfalls für eine Stunde möglich, denn länger kann das Boot nicht sich selbst überlassen bleiben. Nahe dem Äquator rammt sie einen unter der Wasseroberfläche treibenden Container, sodass eines der Schwerter der Kingfisher bricht. Etwa 1000 Seemeilen vor dem Ziel bricht auch noch ein Drahttauwerk, das als Halterung für den Mast dient. Doch nach 94 Tagen, 8 Stunden und 37 Minuten läuft sie im Februar 2001 unter dem begeisterten Jubel der ZuschauerInnen in Les Sables d’Olonne ein – als Zweite hinter dem Franzosen Michel Desjoyeaux!
Ebenfalls 2001 wird Ellen MacArthur als eine der jüngsten Frauen überhaupt mit dem Orden Member of the British Empire (MBE) ausgezeichnet und 2005 zur Dame Commander of the British Empire (DBE) ernannt. Ihr Bekanntheitsgrad steigt in Großbritannien dermaßen an, dass sie bei der Wahl zur „BBC Sports Personality of the Year“ hinter dem Fußballer David Beckham Zweite wird.
2002 segelt sie ein weiteres Mal die Route du Rhum und wird unter allen 58 gestarteten Booten Erste. Es wird Zeit für neue Herausforderungen. Bisher ist sie überwiegend allein gesegelt, nun führt sie als Skipperin ein Team aus 13 Männern an, mit denen sie im Trimaran – ebenfalls eine Neuerung für sie – an der „Jules Verne Trophy“ teilnimmt, die über 48.000 km und durch 18 Klimazonen um die Erde führt. Wegen eines Mastbruchs kann sie allerdings erst verspätet starten und hat mit dem Ausgang der Regatta nichts zu tun.
Zur Jahreswende 2004/05 stellt Ellen MacArthur einen neuen Rekord für die schnellste Solo-Weltumsegelung auf: Mit ihrem Trimaran braucht sie für die 27.000 Seemeilen nonstop 71 Tage, 14 Stunden, 18 Minuten und 33 Sekunden und ist damit einen Tag und neun Stunden schneller als der bisherige Rekordhalter, der Franzose Francis Joyon. Für ihre Weltumsegelung muss sie Stürmen und Müdigkeit trotzen, zwischen Eisbergen und -schollen navigieren und kann den Zusammenstoß mit einem Wal gerade noch verhindern. 2008 holt sich Joyon seinen Weltrekord in unglaublichen 57½ Tagen zurück. Im selben Jahr wird Ellen MacArthur vom französischen Staatspräsidenten Sarkozy zur Chevalière de la Légion d’Honneur ernannt.
Im Winter nach der Weltumrundung verbringt sie zwei Wochen auf einer Insel im Südpolarmeer, um einen Film über Albatrosse zu drehen. „Das gab mir Zeit zum Nachdenken und brachte mich dazu, noch intensiver über Ressourcen nachzudenken. Wenn man die leeren Walfangstationen dort unten sieht, wird einem klar, dass sie nur eine Ressource waren – sie zogen 175.000 von ihnen heraus. Und dann gab es keine mehr, die man hätte herausziehen können.” Zudem waren ihr auf ihren Törns die Unmengen an Plastik aufgefallen, die buchstäblich überall im Wasser treiben. „Es war nicht so, dass ich mit dem Segeln aufhören wollte, ich hätte nie gedacht, dass ich jemals mit dem Segeln aufhören würde, niemals, auf keinen Fall.“
Es ist die härteste Entscheidung ihres bisherigen Lebens, doch sie beendet ihre Wettkampfkarriere und gründet 2009 die Ellen MacArthur Foundation, die sich zum Ziel setzt, den Plastikmüll in den Weltmeeren zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft zu erforschen und zu fördern, sodass im besten Fall kein Müll anfällt. „Die Menschen gehen extrem verschwenderisch mit wertvollen Rohstoffen um, die endlich sind. Der Fehler im System ist folgender: Die globale Wirtschaft ist linear ausgerichtet, nicht wie die Natur als Material-Kreislauf, der sich ständig erneuert. […] Wenn man die Wirtschaft als ewigen Kreislauf betrachtet, muss alles von vornherein ganz anders konzipiert sein. Alle Produkte sollten nach möglichst langem Gebrauch wieder problemlos zerlegt und wiederverwertet werden können.“
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warnt die Stiftung davor, dass es im Jahr 2050 (nach Gewicht) mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren geben wird. Demnach landen derzeit pro Jahr mindestens acht Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen, das entspreche einem vollen Müllwagen pro Minute.
Die Stiftung arbeitet einerseits mit WissenschaftlerInnen zusammen, die auch Empfehlungen an Regierungen und internationale Organisationen richten, andererseits mit Industriekonzernen, die deren Erkenntnisse in die Praxis umsetzen wollen, darunter Renault, H&M, Coca Cola, Philips und Ferrero. Unter dem Dach der Stiftung haben sich 40 Städte zur C40 zusammengeschlossen (u.a. Kopenhagen, Barcelona, Oslo, Toronto, Lima, Seoul) die sich der Rolle der Städte bewusst sind, die sie bei der Transformation zu einer zirkulären kohlenstoffarmen Wirtschaft spielen.
Auch Ellen MacArthur selbst engagiert sich mit zahlreichen Vorträgen für ihr Ziel – mit einer Beharrlichkeit, die von ihrer Seglerinnenkarriere bekannt ist. Bereits 2003 hatte sie den Ellen MacArthur Cancer Trust gegründet, der junge, von Krebs, Leukämie oder anderen schweren Krankheiten betroffene SeglerInnen unterstützt.
Ellen MacArthur lebt mit ihrem Lebensgefährten Ian McKay und ihrem Kind auf der Isle of Wight. Segeln betreibt sie nur noch als Hobby.
Verfasserin: Christine Schmidt
Zitate
Man braucht ein Ziel. Seit ich vier Jahre alt war, bestand mein Ziel darin, die Welt zu umsegeln. […] Du überwindest Hindernisse, wenn du dieses Ziel hast, auf das du zusteuerst.
Mag schon sein, dass ich losgezogen bin und was Verrücktes getan habe, aber ich habe das Gefühl, absolut normal zu sein. Es kommt mir nicht so vor, als sei ich anders als andere Menschen, ich habe einfach nur entschieden, was ich will.
Ich war Mum und Dad äußerst dankbar, dass sie mich immer dazu ermutigt hatten, loszuziehen und meine Träume zu verwirklichen. Für sie wäre wohl vieles wesentlich leichter gewesen, wenn sie bereits in einem frühen Stadium einfach nein gesagt hätten.
Wenn du etwas wirklich willst, dann darfst du nicht denken, dass du es nicht schaffst. Aber die meisten Menschen wollen gar nicht wirklich. Und das ist in Ordnung. Das ist brillant. Im Leben muss es nicht darum gehen, Erstaunliches zu leisten.
Der Entschluss, das Segeln zum Beruf zu machen, war die beste Entscheidung meines Lebens und wird es, so hoffe ich, immer sein.
Ich genieße die Weite der Ozeane. Besser kann ich diese Leidenschaft nicht erklären.
Das Leben […] ist dazu da, gelebt zu werden, wie mir bewusst wurde, man sollte es also mit beiden Händen ergreifen.
Manche Probleme lassen sich zwar durch entsprechende Vorbereitung ausschließen, jedoch niemals alle. Es gibt so vieles, was unvorhersehbar ist, und man muss lernen, auf pragmatische Weise damit zurechtzukommen. Man muss es einfach einkalkulieren.
Man wird gleichermaßen mit Gutem und Schlechtem konfrontiert, und während es einem leicht fällt, das erste zu genießen, darf man nicht zulassen, dass einem letzteres die Laune verdirbt.
Ich sagte mir nur immer wieder, bleib einfach dran, mach keine dummen Sachen und vor allem keine Fehler.
Wenn man Tausende von Seemeilen von allem entfernt ist, verschieben sich die Perspektiven ganz gehörig. Man hängt es nicht mehr an die große Glocke, wenn man sich über etwas aufregt, man gehorcht nur noch seinem Instinkt; es gibt nichts mehr, gegen das man in sich ankämpfen muss, und irgendwann gibt es auch keine Reserven mehr, von denen man zehren könnte.
Du bist nervös, unruhig, du denkst an nichts anderes mehr und versuchst Speed zu machen. Es lässt sich nur sehr schwer beschreiben, du erledigst dort draußen deinen Job, du lebst in deiner Welt, genau 6,5 auf 3 Meter; die beherrschst du, und das ist alles.
Wer an der Spitze liegt – es war das erste Mal, dass ich diese Erfahrung machte –, hat mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Der Druck erhöht sich enorm. Man ist das ‘Erkundungs- und Testboot‘ der gesamten Flotte, die anderen liegen hinter einem und beäugen jede Bewegung – und die am nächsten liegenden Boote befinden sich in der wunderbaren Position, einen zu umsegeln, sobald man in einen Flautenabschnitt gerät oder einen Fehler begeht.
Das Rennen wird letztendlich vom verlässlichsten Boot gewonnen werden … das über einen langen Zeitraum am härtesten gefahren werden kann – und dabei nicht auseinanderfällt.
Letzte Nacht lag ein so unglaublich sanftes, silbriges Funkeln auf dem Wasser, soviel zart hingehauchte Schönheit, eine See, die so trügerisch friedlich aussah … als könnte nichts ihre gleichmäßigen Bewegungen stören.
Ich habe mehr gelernt, als ich mir jemals erhofft hatte, mit dem besten Team zusammengearbeitet, das man sich vorstellen kann, und ich habe die ganze Welt bereist – den größten Teil davon unter Segel. Irgendwie klingt das alles, als wäre es ganz leicht gewesen … in Wirklichkeit war es das Härteste, dem ich mich jemals unterzogen habe.
Schon ein kleiner taktischer Fehler kann Hunderte von Seemeilen kosten. Man darf sich einfach keinen Schnitzer erlauben.
Wenn ich Dinge repariert hatte, ging es mir danach immer wesentlich besser. Es war für mich beinahe eine Art Therapie, um den ungeheuren Stress abzubauen. Die Sorge um die Kingfisher ließ mich nie los, immer achtete ich darauf, dass sie sich im bestmöglichen Zustand befand und vorbereitet war, egal, was auf uns zukommen mochte.
Wenn ich eine Rede zu halten hatte, war ich immer aufgeregt […] Sollte ich eines Tages nicht mehr nervös sein, würde das bedeuten, dass mir die Dinge nicht mehr wichtig sind, denke ich, und das sollte dann der Zeitpunkt sein, um aufzuhören.
Im Leben war ich immer nur auf das Ergebnis konzentriert, darauf, mein Bestes zu geben. […] Ich bin es gewohnt, mit Männern auf Augenhöhe zu agieren – egal ob Sportler, Politiker oder Manager.
Als ich nach meiner Weltumseglung 2005 wieder den Fuß an Land setzte, hat sich meine Sicht auf die Erde komplett verändert. Mir wurde bewusst: Auch unser Planet hat wie mein Boot nur begrenzte Ressourcen.
Man kann nicht endliche Ressourcen in einer Welt mit wachsender Bevölkerung verbrauchen. Das kann einfach nicht funktionieren. Wir müssen unser gesamtes Wirtschaftsmodell überdenken und neu gestalten.
Wir versuchen, ein System zu ändern, nicht ein einzelnes Unternehmen. Wir müssen die Denkweise der Menschen ändern, die Art und Weise, wie Dinge entworfen werden, die Materialien, aus denen sie bestehen.
Kunststoffe sind sehr voluminös und von geringem Wert. Sie sind das ultimative Beispiel für eine lineare Wirtschaft. Wenn wir wirklich von einer linearen zu einer Kreislaufwirtschaft übergehen wollen, dann ist dies ein wirklich guter Ansatzpunkt.
Es gibt kein Unternehmen, das sein Logo im Meer oder in einem Fluss sehen möchte.
Links
https://www.ellenmacarthur.com/
https://www.ellenmacarthurfoundation.org/
https://www.ellenmacarthurcancertrust.org/about/
https://londonspeakerbureau.com/speaker-profile/ellen-macarthur/
https://www.weforum.org/agenda/authors/ellen-macarthur/
https://www.ourplanet.com/de/video/visionaries-ellen-macarthur/
https://online.munzinger.de/document/01000006586
https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2010/dec/04/ellen-macarthur-my-family-values
https://highprofiles.info/interview/ellen-macarthur/
https://www.sueddeutsche.de/panorama/segeln-in-rekordzeit-um-die-welt-1.851240
https://www.sailing.org/sailors/awards/hall-of-fame/
https://www.theguardian.com/environment/2017/dec/30/ellen-macarthur-its-shocking-its-horrendous-fight-against-plastic
https://www.theguardian.com/business/2016/jan/19/more-plastic-than-fish-in-the-sea-by-2050-warns-ellen-macarthur
https://www.sueddeutsche.de/wissen/umwelt-stiftung-bald-mehr-plastik-als-fisch-im-meer-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160120-99-88962
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/ex-seglerin-ellen-macarthur-wir-haben-nur-diesen-einen-planeten/14428956.html
https://www.unep.org/championsofearth/laureates/2023/ellen-macarthur-foundation
https://fashionunited.de/nachrichten/business/ellen-macarthur-foundation-und-fuhrende-marken-starten-the-fashion-remodel-um-kreislaufansatz-zu-verfolgen/2024052056550
https://www.youtube.com/user/made2bemadeagain/videos
https://www.youtube.com/watch?v=w3FVeKuTL7k
https://www.youtube.com/watch?v=A5wn_iinbxw
https://www.youtube.com/watch?v=vPHrOAiF7ss
https://www.youtube.com/watch?v=KHyN4KP-lU8
https://www.youtube.com/watch?v=gKyR61IVUEw
https://www.youtube.com/watch?v=SuDFMKAP2xM
Literatur & Quellen
Ellen MacArthur Foundation (Hg.): The New Plastics Economy: Rethinking the Future of Plastics. 2016, unter: https://www.ellenmacarthurfoundation.org/the-new-plastics-economy-rethinking-the-future-of-plastics-and-catalysing
Hooper, Rowan: Wunder der Evolution. Von der Autistin, die alle Harry-Potter-Bände auswendig kann, bis zum Extremläufer, der in 24 Stunden 303 Kilometer lief. München 2018, S. 103ff, S. 279 (riva Verlag)
MacArthur, Ellen: Taking on the World. London 2002 (Penguin Michael Joseph)
MacArthur, Ellen: Race against Time. London 2005 (Penguin Books)
MacArthur, Ellen: Ich wollte das Unmögliche. Wie ich allein die Welt umsegelte. München 2005 (Piper Verlag)
MacArthur, Ellen: Full Circle. My Life And Journey. London 2010 (Penguin Michael Joseph)
MacArthur, Ellen: The Virtuous Circle. (Hg. The Ellen MacArthur Foundation), o.O. 2019 (European Investment Bank)
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