Friseuse oder Friseurin?
Letzte Woche war meine Freundin Katrin Lunde aus Norwegen zu Besuch. Als Germanistin betrachtet sie die deutsche Sprache mit wissenschaftlichem Interesse, und so fragte sie mich: “Wie sagt ihr jetzt, Friseurin oder Friseuse? Da gab es doch einen Film, Der Mann der Friseuse, aber eben hast du gesagt, du mußt zur Friseurin.”
“Im Deutschen hat die Endung -euse inzwischen einen negativen Beigeschmack”, sagte ich, “wahrscheinlich alles wegen der Masseuse. Seit Massagesalon als Euphemismus für Bordell und entsprechend Masseuse für Prostituierte verwendet wird, besteht die Masseurin auf…
Zum Kuckuck mit den „Kuckuckskindern“
Gästinglosse von Gudrun Nositschka
Kürzlich meldete der Kölner Stadt-Anzeiger, dass das höchste deutsche Gericht den Männern den Rücken gestärkt hätte, die nicht für „Kuckuckskinder“ zahlen wollten. Sogar im Kommentar der feministischen Journalistin Marianne Quoirin wurde der Begriff ganz selbstverständlich und ohne Anführungsstriche gebraucht, als ob es solche speziellen Kinder ohne Zweifel gäbe.
Das Wort „Kuckuckskind“ steht weder im Wahrig noch in der Brockhaus-Enzyklopädie - aber im Duden wurde ich fündig und las: „ugs. für Kind, dessen leiblicher Vater nicht der Mann ist, der sich…
Geburtstag
Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Fünfzehnte Lektion
Vorgestern hatte Kate Geburtstag. Ich habe ihr gratuliert, aber nicht Joey, ihrer Mutter. Das fiel mir erst nachträglich ein. Als meine Mutter noch lebte, habe ich zu meinem Geburtstag immer ihr gratuliert. Wohl ist es ein Grund zum Feiern, daß ich vor Jahrzehnten mal “das Licht der Welt erblickte”, aber gratuliert wird doch meist zu einer Leistung, einer bestandenen Prüfung, einer überstandenen Operation. Sicher ist eine Geburt anstrengend auch für das Baby, aber die Mutter erlebt die Anstrengung bewußt…
Großmama packt aus, Großpapa kann einpacken
Während der letzten beiden Wochen habe ich mir bei der Hausarbeit und vor dem Schlafengehen zwei schöne Bücher vorlesen lassen: Erst Zeitlupe (Slow Man) von J.M. Coetzee (Sprecher: Christian Brückner), danach Großmama packt aus von Irene Dische, gelesen von Hannelore Hoger.
Diese beiden Bücher aus dem Jahre 2005 waren gerade in der Stadtbibliothek vorrätig - daß ich sie fast gleichzeitig kennenlernte, ist also reiner Zufall. Umso erstaunlicher, wie viele Parallelen die Bücher aufweisen. Beide AutorInnen singen - wenn auch in modern unterkühltem Ton - unbeirrt das Hohelied der Frau: Frauen…
Hillary und die Weisen Frauen von New Hampshire
Vor knapp einem Jahr schrieb ich meine erste Glosse über Hillary und Barack und die Schein-Alternative zwischen “Change” (Barack) und “Experience” (Hillary). Hillary steht sicher für beides - bei Obama bin ich mir weniger sicher.
Obama wird - besonders von den Weißen - gefeiert als einer, der den Rassenkonflikt durch Verhalten und Herkunft transzendieren kann: Seine Mutter eine weiße Amerikanerin, sein Vater ein Schwarzer aus Kenia.
Wie aber sollte Hillary den Geschlechterkonflikt transzendieren? Sie versucht es, indem sie ihn so selten wie möglich erwähnt (und dadurch enttäuscht sie…



