Die kleine Bärjungfrau
Letzten Sonntag kamen die beiden Engelkinder aus ihren Ferien in Maine zurück. Im Schlepptau hatten sie zwei neue Puppen, eine bear princess und eine bear mermaid oder “bear maid” - zu Deutsch wohl “kleine Bärjungfrau” (auf Bärin verzichte ich hier mal wg der Assonanz Meer/Bär).
Einen Tag zuvor hatte ich mich in der Glosse zum Bikinibereich über seltsame amerikanische Bräuche wie die Ausstattung von Babys mit einem BH verbreitet. Was könnte dazu besser passen als jetzt die Kleine Bärjungfrau mit ihrem ebenfalls total überflüssigen BH?
Aeryn und Elizabeth lieben die Puppen sehr, deshalb blieb ich bei dem kuriosen Anblick so ernsthaft wie möglich und bewunderte sie nach Kräften, besonders die aparte Kreuzung zwischen einer Jungfrau, einem Fisch und einer Bärin.
Hans Christian Andersens Kleine Meer- oder Seejungfrau bedeckt ihre Blöße bei Bedarf mit Meerschaum oder mit ihren langen Haaren - der BH war ja zu Andersens Zeiten auch noch gar nicht erfunden. Aber die kleine Bärjungfrau hat ja nun keinerlei Blöße mehr, nur ihr weiches Teddyfell. Den rosa BH hat sie nur verpaßt bekommen, damit sie nicht zu weit vom Original abweicht, Walt Disneys Little Mermaid. Die wiederum trägt ihren lila BH nicht nur wg der Sittlichkeit, sondern vor allem wg des Merchandising, wie Joey meinte: Bei einer Puppe ließe sich mit Meerschaum und langem Haar nicht so leicht hantieren wie in der Literatur oder im Film. Sie ist gelernte Mutter und kennt sich aus.
Wenn wir Disneys Little Mermaid mit der Statue der Kleinen Seejungfrau im Hafen von Kopenhagen vergleichen, fallen neben der unterschiedlichen Dessous-Ausstattung auch die Unterschiede im Taillenumfang und der Haarpracht ins Auge. Nachdem Disney den Busen eingepackt hatte, mußten sie die Gestalt halt anderweitig verschärfen.
Die Kleinen nehmen hin, was ihnen geboten wird; sie sind vernarrt in die bärigen Damen und würden nicht verstehen, was an einer Kleinen Bärjungfrau etwa komisch sein soll.
Auch ich habe mich inzwischen an das extravagante Paar gewöhnt und mag es nicht mehr missen. (Dank an Joey Horsley für die bärinnigen Fotos.)
2 Kommentare
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20.07.2008 um 20:18 Uhr Peppermind Patty
Das Bikini-Oberteil ist in dem Fall wohl Ausdruck höchsten feministischen Reflexionsvermögens. Wussten die aufmerksamen Schöpferinnen dieser Kreatur doch mit Sicherheit, dass der gemeine Teddy als Kerl assoziiert wird und so eine hermetische Fischflosse ja auch keinerlei weitere Forschungsmöglichkeit parat hält. Nicht einmal mutwillig wallendes Haupthaar wäre geeignet, die sex- und gender-Frage hinlänglich zu beantworten. So blieb in all der Auswegarmut eben nur noch die rosa BH (wollten die Schöpferinnen alle Zweifel und Ver(w)irrungen ein für allemal im Keime ersticken) - und die Hoffnung, dass sich die Spekulationen nicht auch noch in Richtung TV erstrecken. Eine entblößte Teddinenbrust just an dieser Stelle und nur an dieser Stelle wäre doch auch zu albärn gewesen.
Müttern bleibt in Anbetracht solch messerscharf durchdachten Spielzeugs eigentlich nur die Frage, warum es überhaupt sein muss. Allein - diese Frage stellt sich ja im Grunde fast immer.
20.07.2008 um 13:14 Uhr Alison
Bei der Haarpracht gibt es eine leichte Erklärung. Im Wasser wirkt Haar fülliger und schwebt herum. In Copenhagen, sitzt die arme Jungfrau am Land und ihr Haar, wie alle nasse Haar, klebt fest an Haupt und Hals.
Andersens Jungfrau hat ein Körper, der zu der derzeitige Mode passte und ebenso Disneys - leicht magersüchig, leider.