Luise Hensel
geboren am 30. März 1798 in Linum bei Fehrbellin, Brandenburg
gestorben am 18. Dezember 1876 in Paderborn
deutsche Dichterin und Wohltäterin
210. Geburtstag am 30. März 2008
Biografie • Weblinks • Literatur & Quellen
Biografie
“Luise Hensel ist ... nicht durch ihr Gesamtwerk, sondern in erster Linie durch ihr Gebet ‘Müde bin ich, geh zur Ruh’’ bekannt. Eigentlich müßte es sogar heißen, das Gedicht ist bekannt, nicht die Autorin.” (Stambolis 1999:7)
Luise Hensel schrieb das “als Beispiel eines kindlichen Gottvertrauens volkstümlich-populäre Kindergebet” (Stambolis) 1816, mit 18 Jahren, in ihrer literarisch produktivsten Zeit. Das Lied ist im Volkston gehalten, wie es damals beliebt war - es war die Zeit der Märchensammlungen der Brüder Grimm und der Gedichtsammlung “Des Knaben Wunderhorn” von Arnim und Brentano.
Die Dichterin wurde 1798 als Tochter einer Pfarrfamilie in Linum in der Nähe von Berlin geboren. Sie wuchs mitten in den Wirren der Revolutionsjahre und der Napoleonischen Kriege auf. Der Vater starb 1809, und die nunmehr mittellose Familie zog in das französisch besetzte Berlin. Luise half nach dürftiger Schulausbildung, wie sie damals für Mädchen üblich war, mit Näharbeiten aus; ihr künstlerisch begabter Bruder Wilhelm (den später Fanny Mendelssohn heiratete) verdiente aber mit seinen Zeichnungen bald so viel, daß die Familie davon einigermaßen leben konnte.
Wilhelm war es auch, der Luise in den Salon der Familie Stägemann einführte, wo sie Wilhelm Müller, den Dichter der später von Schubert vertonten Liederzyklen “Die schöne Müllerin” und “Die Winterreise”, und Clemens Brentano kennenlernte. Beide verliebten sich in die schöne, gemütvolle und begabte junge Frau, die in vielem das damalige Frauen-Ideal verkörperte, modelliert nach der kurz zuvor (1810) tragisch früh verstorbenen Königin Luise, nach der Luise Hensel übrigens auch benannt worden war. Beide Verehrer wurden abgewiesen – Müller schien der ernsten Luise nicht zuverlässig genug (das Urbild der “schönen Müllerin”, die den armen Müllerburschen nicht erhört, ist Luise Hensel) – und gegen den zwanzig Jahre älteren Brentano, der bereits zweimal geschieden war, hatte besonders Luises Mutter viel einzuwenden. Luise und Clemens blieben aber bis zu seinem Tod gut befreundet. Er ermutigte sie zum Schreiben, half bei der Veröffentlichung, nutzte und bearbeitete aber andererseits (wie auch Wilhelm Müller) Teile ihrer Produktion für eigene Zwecke.
1818 trat Luise Hensel zum Katholizismus über und legte 1820 vor ihrem “Seelenführer”, dem Jesuitenpater Heinrich Wüsten, das Gelübde der Ehelosigkeit ab. Als später weitere Männer um ihre Hand anhielten, verbot er ihr, die Anträge anzunehmen.
Die Literaturgeschichte würdigt Hensel als bedeutende religiöse Dichterin. Allerdings hatte oder nahm sie sich nicht viel Zeit zum Dichten. Das meiste entstand in den Jahren 1815-20, danach mußte sie sich als Gesellschafterin, Erzieherin und Hauslehrerin durchschlagen und sich obendrein um ihr Pflegekind, den Sohn ihrer verstorbenen Schwester, kümmern. Im übrigen stand nach ihrer Konversion die karitative Arbeit eindeutig im Mittelpunkt ihrer Interessen. “Sie arbeitete im Zentrum der katholischen Caritasbewegung, und zwar in den entscheidenden Jahren” (Hohmann).
1825 leitete sie mit ihren Freundinnen Apollonia Diepenbrock und Pauline Felgenbaum das Bürgerspital in Koblenz. Von 1826 bis 1833 war sie Lehrerin, danach lebte sie bei Wilhelm in Berlin, später neun Jahre als Erzieherin in Köln und zwanzig Jahre sehr zurückgezogen in dem westfälischen Städtchen Wiedenbrück, zusammen mit Gertrud Schwenger. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie, nach einem Sturz schwer behindert, in der Obhut ihrer ehemaligen Schülerin, der Ordensgründerin und Wohltäterin Pauline von Mallinckrodt, in Paderborn.
Zitate
Ich muß in diesem Augenblick denken und fühlen, und es ist mir, als wär’s wahrhaftig so, nämlich als wäre meine Brust ein Badezuber und Deine Füße stünden badend und plätschernd in meinem Herzen, und Du sagst: endlich krieg ich warme Füße. (Clemens Brentano an Luise Hensel)
Müde bin ich, geh zur Ruh’,
schließe beide Äuglein zu:
Vater, lass die Augen dein
über meinem Bette sein.
Hab’ ich Unrecht heut getan,
sieh es, lieber Gott, nicht an!
Deine Gnad’ und Jesu Blut
macht ja allen Schaden gut.
Alle, die mir sind verwandt,
Gott, lass ruhn in deiner Hand!
Alle Menschen, groß und klein,
sollen dir befohlen sein.
Kranken Herzen sende Ruh’,
nasse Augen schließe zu!
Lass den Mond am Himmel stehn
und die stille Welt besehn!
(Luise Hensel)
Zur Annette von Droste ... kann ich nur hinaufsehen wie zu einer völlig unerreichbaren poetischen Höhe. (Luise Hensel)
Luise F. Pusch
Links
Literatur & Quellen
Luise Hensel in der Deutschen Nationalbibliothek
Binder, Franz. 1885. Luise Hensel: Ein Lebensbild nach gedruckten und ungedruckten Quellen. Freiburg, Br.
Cardauns, Herrmann. 1923. Luise Hensels Lieder. Vollständige Ausgabe, aufgrund des handschriftl. Nachlasses bearbeitet. Regensburg.
Hensel, Luise. 1962. Luise Hensel und Christoph Bernhard Schlüter; Briefe aus dem deutschen Biedermeier, 1832-1876. Mit Einführung und Erläuterungen unter Benutzung neuer Quellen hg. von Josefine Nettesheim. Münster, Regensberg.
Hohmann, Klaus. 1998. Luise Hensel in ihrer Zeit: Ein Lebensabriss. Berlin. Morus.
Stambolis, Barbara. 1999. Luise Hensel (1798-1876): Frauenleben in historischen Umbruchszeiten. Paderborner Beiträge zur Geschichte: Nr. 8. Paderborn. SH-Verlag.













