Hilde Benjamin

geboren am 5. Februar 1902 in Bernburg/Saale
gestorben am 18. April 1989 in Berlin

deutsche Politikerin, erste Justizministerin der DDR
25. Todestag am 18. April 2014


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Hilde Benjamin, erste Justizministerin nicht nur der DDR sondern weltweit, starb sechs Monate vor dem Fall der Berliner Mauer. Hätte sie das Ende der DDR miterlebt, an deren innerem Aufbau sie von Anfang an maßgeblich beteiligt war, “es hätte sie umgebracht”, vermutet ihr Sohn Michael.

Mit ihrem jüdischen Ehemann Dr. Georg Benjamin (Bruder von Walter Benjamin) arbeitete sie in Berlin von Beginn ihrer Ehe (1926) an für die KPD. Die Parteidisziplin, der sie sich zeit ihres Lebens bedingungslos unterwarf, erforderte ihrer Meinung nach vollen Einsatz. Als junge Anwältin verteidigte sie oft politisch verfolgte GenossInnen und unterstützte mit ihrem Mann die Parteiarbeit fast täglich auf jede erdenkliche Weise.

Im April 1933 – vier Monate nach der Geburt des Sohnes Michael – wurde Georg Benjamin für acht Monate “in Schutzhaft” genommen. Seine Frau erhielt Berufsverbot und verdiente in der folgenden Zeit ihren Lebensunterhalt u.a. in der sowjetischen Handelsvertretung. 1936 wurde ihr Mann erneut zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, womit das Familienleben zu dritt endete: Georg Benjamin wurde 1942 nicht entlassen, sondern ins KZ Mauthausen überstellt, wo er wenig später an einem Starkstromschlag starb.

In den Jahren seiner Haft kümmerte sich Hilde Benjamin – unterstützt durch den einfühlsamen brieflichen Rat ihres Mannes – in bemerkenswert sensibler Weise um die seelische und geistige Entwicklung ihres Sohnes; außerdem half sie – wie nur wenige andere – jüdischen Mitmenschen, z.B. Frauen von Häftlingen, die sonst kaum Hilfe bekamen. Als Michael der Besuch des Gymnasiums wegen seiner halbjüdischen Abstammung verweigert wurde, unterrichtete ihn seine Mutter selbst. Er machte 1948 mit sechzehn Jahren ein glänzendes Abitur.

Zu dieser Zeit war Hilde Benjamin schon voll mit dem Aufbau neuer juristischer Strukturen in der Sowjetzone beschäftigt. Sie organisierte die Schnellkurs-Ausbildung faschistisch unbelasteter Laien zu sogenannten Volksrichtern, war Mitbegründerin des Demokratischen Frauenbundes und wurde 1949 Vizepräsidentin des Obersten Gerichts der DDR.

In dieser sowie in ihrer späteren Funktion als Justizministerin veranlaßte und sprach sie Urteile, die ihr in der westlichen Presse den Vergleich mit dem berüchtigten Nazirichter Freisler eintrugen. Die Vernehmung der Angeklagten durch die “Bluthilde” war von unerbittlicher Härte; ihr Bannstrahl richtete sich gegen alle, die nicht parteikonform handelten.

Ihrer sozialistischen Überzeugung entsprang aber auch ihr Einsatz für die Rechte der Frauen. Sie schuf mit dem Familiengesetz 1965 die Basis für die Gleichstellung ehelicher und nichtehelicher Kinder, die Reform des Scheidungs- und des Namensrechts sowie die Förderung der Berufstätigkeit der Frauen, wofür sie sogar in Westdeutschland gewürdigt wurde.

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Zitat:

Hilde Benjamin war ohne Zweifel eine Vorkämpferin für die Rechte der Frauen… Und doch wurde ihr Umgang mit der Macht kein Vorbild für Frauen in Ost und West ... Eher kann man sie als “negative Lehrmeisterin” ansehen. Zur positiven Herausbildung des Typs einer Machtfrau war Hilde Benjamin aufgrund ihrer Leidenserfahrungen und ihrer ideologischen Verhaftung nicht in der Lage. (Benjamin-Biografin Marianne Brentzel)

Mechthild Winkler-Jordan

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Literatur & Quellen

Benjamin, Hilde. 1977. Georg Benjamin: Eine Biographie. Leipzig. Hirzel.

Brentzel, Marianne. 1997. Die Machtfrau: Hilde Benjamin 1902-1989. Berlin. Christoph Links Verlag.

Feth, Andrea. 1997. Hilde Benjamin: Eine Biographie. Berlin. Berlin Verlag.

DER SPIEGEL 12/1959, Titelgeschichte: “Zwischen Recht und Rot”, S. 22-150; 34

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Hedwig Dohm