Leonhard Lenz / wikimedia commons
geboren am 21. April 1996 in Hamburg
deutsche Klimaschutzaktivistin und Publizistin
30. Geburtstag am 21. April 2026
Biografie • Literatur & Quellen
Biografie
“Wir haben zu allem Überfluss angefangen, die Zukunft zu kolonialisieren, ohne dass sie etwas davon weiß” (Rede in Es-Dur) – Luisa Neubauer ist die bekannteste Klimaaktivistin Deutschlands. Die Mitbegründerin der Klimabewegung Fridays for Future inspiriert seit 2018 durch ihre besondere Mischung aus Slam Poetry und eindringlichen, mit wissenschaftlichen Fakten und immer auch einer Prise Humor gespickten Reden ihr stetig wachsendes Publikum. Schnell wurde sie eine beliebte Rednerin und Interviewpartnerin. Ihre besondere Stärke liegt darin, die Dringlichkeit der globalen Klimakrise in präziser, verständlicher Sprache greifbar zu machen und Politikern und Politikerinnen aller Parteien die Gefahr ihrer fehlenden oder verfehlten Antworten schonungslos vorzurechnen. Mit ihrem TED Talk Why You Should Be A Climate Activist wird sie bereits 2019 weit über Deutschland hinaus ein Begriff. Auf Instagram kommt sie innerhalb kurzer Zeit auf über eine halbe Millionen Follower.
Luisa Neubauer wurde am 21.April 1996 als jüngste von vier Geschwistern in Hamburg geboren und machte 2014 am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Hamburg-Blankenese ihr Abitur. Ihre Eltern leiteten gemeinsam ein Altenpflegeheim, bis ihr Vater 2016 an Lungenkrebs starb. Nach dem Abitur verbrachte sie vorübergehend Zeit in Tansania und Großbritannien bevor sie 2015 als Stipendiatin der Heinrich Böll Stiftung ein Geographiestudium in Göttingen aufnahm, das sie 2020 mit dem BA abschloss. Anschließend begann sie ihren Master. An der Uni Göttingen machte sie auch ihre ersten Erfahrungen als Aktivistin mit der von ihr mit-initiierten fossilen Divestment Kampagne, inspiriert durch ein Interview, das sie 2014 für das Greenpeace Magazine mit dem amerikanischen Autor und Klimaaktivisten Bill McKibben führte.
Parallel zu Studium und Aktivismus machte Neubauer sich als Podcasterin (“1,5 Grad“ und „TBD“) und Autorin einen Namen. Ihr erstes Buch Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft, verfasst mit Alexander Repenning, erschien 2019, da war sie gerade 23. Neubauer und Repenning beschreiben die Entstehung von Fridays for Future und laden ihre Leserschaft ein, sich aktiv für Klimaschutz zu engagieren. Mit Erfolg: Das Buch wurde ein Bestseller, der 2023 unter dem Titel Beginning to End the Climate Crisis. A History of Our Future bei Brandeis University Press, USA in englischer Übersetzung erschien. In den kommenden Jahren engagieren sich Hunderttausende Deutsche für Fridays for Future. Neubauers zweites Buch Noch haben wir die Wahl. Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen (2021) entstand im Dialog mit Bernd Ulrich, dem damaligen Vize-Chefredakteur der ZEIT.
In ihrem dritten Buch Gegen die Ohnmacht. Meine Großmutter, die Politik, und ich (2022) erkundet sie gemeinsam mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma die Wurzeln der aktivistischen Grundhaltung in ihrer eigenen Familiengeschichte - Luisas Urgroßvater kam im KZ ums Leben. 2024 erschien Der Klimaatlas. 80 Karten für die Welt von morgen (Rowohlt), für den sie mit Ole Häntzschel und Christian Endt Grafiken entwarf, die Klimathemen visualisieren. So enthält der Atlas Zeichnungen “hässlicher“ Tiere, denn schließlich seien nicht nur niedliche Eisbärbabies vom Aussterben bedroht. Außerdem karikiert der Band das Versagen der Politik, z.B. dass im Bundestag Hunderte Reden zu ungeprüften technischen „Klimalösungen“ abgehalten, aber natürliche Lösungen wie Moore weitgehend ignoriert werden. Die erste deutsche „Klimaklage“ trägt ihren Namen: In Neubauer vs Deutschland entschied das Bundesverfassungsgericht zugunsten der Klägergemeinschaft. Zum ersten Mal wurde damit eine Regierung verpflichtet, die Freiheit zukünftiger Generationen zu schützen. Auf ihrer ersten Amerikareise im Herbst 2024 erlebte sie, wie der Klimaleugner Donald Trump erneut zum Präsidenten gewählt wurde. Im Frühjahr 2025 erschien Neubauers erstes allein verfasstes Buch, Was wäre, wenn wir mutig sind?
Mut braucht Neubauer auch im Alltag, ist sie doch regelmäßig Zielscheibe von Hasskommentaren, die sich besonders häufig auf ihre Rolle als Frau in der Öffentlichkeit und ihre vermeintliche Heuchelei beziehen, wenn sie z.B. ein Flugzeug betritt. Doch sie weiß, dass die internationale Vernetzung der Klimabewegung und strategisch gezielter Druck aus der Zivilgesellschaft u.a. bei den Klimakonferenzen der UNO für die Bewältigung dieser globalen Krise unabdingbar sind. 2021 nimmt Prinz William sie in die Jury des von ihm begründeten Earthshot Prize zur Beschleunigung von Klimalösungen auf. 2022 wird sie vom Time Magazine zu den “100 Next” Führungspersonen gekürt. Immer wieder erinnert Neubauer in ihren Interviews eindringlich daran “dass wir an einem unfassbar kritischen Punkt sind und es jeden Grund gibt, sich Riesensorgen zu machen. Es gibt jeden Grund, Aktivist und Aktivistin zu werden, sich einzusetzen, und sich zu fragen, was zum Henker machen Regierungen weltweit (...) um zu schützen, was uns lieb und teuer ist.“
(Text von 2025)
Verfasserin: Sabine von Mering
Literatur & Quellen
Neubauer, Luisa & Alexander Repenning. 2019. Vom Ende der Klimakrise. Eine Geschichte unserer Zukunft. Stuttgart. Tropen.
Neubauer, Luisa & Bernd Ulrich. 2021. Noch haben wir die Wahl: Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen. Stuttgart. Klett-Cotta.
Neubauer, Luisa & Dagmar Reemtsma. 2022. Gegen die Ohnmacht: Meine Großmutter, die Politik und ich. Stuttgart. Tropen.
Neubauer, Luisa, Ole Häntzschel & Christian Endt. 2024. Der Klimaatlas: 80 Karten für die Welt von morgen. Hamburg. Rowohlt.
Neubauer, Luisa. 2025. Was wäre, wenn wir mutig sind? Hamburg. Rowohlt.
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